26.07.2016
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Wallgrabenkonzerte in Bad Münstereifel: Keine Wünsche offengelassen

Ronald Brautigam begeisterte beim Wallgrabenkonzert mit dem Spiel auf dem Hammerflügel.

Ronald Brautigam begeisterte beim Wallgrabenkonzert mit dem Spiel auf dem Hammerflügel.

Foto:

Bietzker

Bad Münstereifel -

Diesmal zogen Künstler und Instrument das Interesse gleichermaßen auf sich. Ronald Brautigam, ein atemberaubender Pianist aus den Niederlanden, der mit wehenden weißen Locken und markantem Spiel von größter Präsenz war, spielte an einem zierlichen Hammerflügel.

Mit modernen Konzertflügeln ist das Publikum in den Wallgrabenkonzerten ja bestens vertraut, und auch ein Cembalo gehört immer mal wieder auf die Bühne der Konviktkapelle. Doch das Instrument, das für den technischen Übergang zwischen beiden steht, ist schon etwas besonderes.

Kein Original

Über fünfeinhalb Oktaven verfügt der Hammerflügel aus Staufen im Breisgau, der kein Original ist, sondern Nachbau eines Instruments des Wieners Anton Walter aus dem Jahr 1795. Damit misst der Tonraum etwa zwei Oktaven weniger als eine moderne Tastatur. Anders als beim Cembalo, das den Ton durch Anreißen der Saite erzeugt, wird beim Hammerflügel die Saite erstmals mit einem Hämmerchen angeschlagen. Dies ermöglicht eine dynamische Flexibilität, was ihm den Namen „Pianoforte“ einbrachte. Die Hämmerchen waren zunächst aber noch nicht mit Filz, sondern mit Leder bezogen. Kniehebel erfüllten die Funktionen des heutigen Pedals.

Dieses aufsehenerregende Instrument spielte Ronald Brautigam am Sonntag. Er begeisterte zum wiederholten Mal die Musikfreunde in Bad Münstereifel. 1993 hatte er gemeinsam mit der Geigerin Isabelle van Keulen im Rampenlicht der Wallgrabenkonzerte gestanden.

Mit drei Sonaten und einem Capriccio von Joseph Haydn tat er dem Motto der Saison „Ein Haydn-Spaß“ mehr als Genüge. Darüber hinaus widmete er sich Werken von Ludwig van Beethoven, die er besonders eindrucksvoll vortrug. Kaum zu glauben, was Brautigam aus dem kleinen Instrument herausholte. Zu Beginn erstrahlte das pfiffige Allegro con brio aus Haydns Sonate D-Dur Hob. XVI/37, ein glänzender Satz mit reichen Figurationen und ansteckendem Esprit. Auf den feierlich-ernsten Mittelsatz ließ Haydn ein Finale folgen, bei dem sprühendes, ausgelassenes Temperament vorherrscht. Brautigam faszinierte das Publikum in der Konviktkapelle mit rasanter Motorik, die fein und präzise den zarten, etwas trockenen Klang des Hammerflügels ins rechte Licht rückte und den Tonsatz auch in virtuosen Passagen transparent sein ließ.

Bestechende Eleganz

Im Capriccio G-Dur Hob. XVII/1 „Acht Sauschneider müssen seyn“, dem das gleichnamige österreichische Volkslied als Vorlage diente, verband der Pianist Volksmusik mit bestechender Eleganz und zollte bei allem Spaß der Vorlage größten Respekt. Sein Spiel war lupenrein, die Ausdrucksmittel setzte er nur dezent ein. Brautigam musizierte mit direkter Aussagekraft, wurde nie zu sentimental, verlor sich in der Musik und hielt zugleich eine spannende Verbindung zu seinen Zuhörern.

Dann kam Beethoven. Wer bis dahin schon hin und weg war, erlebte hier noch eine geradezu schwindelerregende Steigerung. Ob die Sonate Es-Dur op.7 oder die berühmte Pathétique c-Moll op.13 – Brautigam verlieh ihnen auf dem technisch doch sehr begrenzten Hammerflügel orchestrale Fülle, vielfältige Stimmungen und überwältigende Kraft. Beeindruckend war seine Fingerfertigkeit, aber auch die Zärtlichkeit, mit der er die Töne im langsamen Satz der Es-Dur-Sonate zu streicheln schien. Mit „Largo con gran espressione“ war dieser überschrieben. Das nahm der Weltklassekünstler wörtlich, schuf viel Spannung und nahm sich für eine wirkungsvolle Gestaltung Zeit.

Mit den Sonaten D-Dur Hob. XVI/51 und Es-Dur Hob. XVI/52 von Joseph Haydn schloss Ronald Brautigam das unvergessliche Wallgrabenkonzert.

Eine knappe Zugabe gab es noch, denn er ist kein Mann, der sich verzettelt. Er bot in Bad Münstereifel ein rundes, bündiges Musikerlebnis, bei dem wirklich keine Wünsche offenblieben.