23.08.2016
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Euskirchener Rosenmontagszug: Auch mit Rollstuhl auf Karnevalswagen

Die Palmersheimer Wagenbauer leihen ihren Wagen der „Carpe-diem“-Prinzessin Ursula I. (im Rollstuhl) und deren Gefolge.

Die Palmersheimer Wagenbauer leihen ihren Wagen der „Carpe-diem“-Prinzessin Ursula I. (im Rollstuhl) und deren Gefolge.

Foto:

NOLDEN

Euskirchen -

Graue Wolken hängen über dem Bauernhof in Palmersheim, als die fünf Damen vom Senioren-Park Carpe diem den Karnevalswagen im Innenhof in Augenschein nehmen.

„Karneval und Après Ski – mir fiere wie noch nie“ steht in handgeschriebenen blauen Lettern auf der Seite des Wagens. „Das passt zu ihrem Motto“, sagt Ergotherapeutin Kirsten Rasmussen zu Ursula Bienentreu, die als Ursula I. im Altenheim die Rolle der Prinzessin übernimmt.

Palmersheimer Tradition

Die alte Dame mit der Narrenkappe auf dem Kopf lacht. Damit sie sich ihren Wagen ansehen konnte, wurde sie am frühen Morgen aus dem Krankenhaus abgeholt. Dick eingepackt sitzt sie nun in ihrem Rollstuhl und singt ein Karnevalslied, während die Einrichtungsleiterin Anna Katharina Woschei und die Mitarbeiterinnen Sybille Junkersdorf und Kerstin Rasmussen gemeinsam mit Martha Lampe aus dem Gefolge der Prinzessin auf den Wagen klettern, um sich ein Bild von dem Fahrzeug zu machen.

Die Idee für die Teilnahme am Rosenmontagszug stammte von Sybille Junkersdorf. „Letztes Jahr hatten wir schon eine Prinzessin“, so erzählt sie von den Anfängen des Karnevals in der Senioreneinrichtung am Eifelring. Ihr war das aber nicht genug. Sie wollte den Bewohnern noch mehr bieten, und weil sie eine Gruppe Wagenbauer aus Palmersheim kannte, rückte die Teilnahme am großen Euskirchener Karnevalsumzug auf einmal in greifbare Nähe.

Das Wagenbauen hat in Palmersheim Tradition. Daniel Adolf, Daniel Jonas und Lars Königshoven gehören zu einer Gruppe, die seit 20 Jahren mit einem eigenen Wagen im Palmersheimer Zug am Karnevalssonntag mitfährt. „Wir bauen jedes Jahr etwas anderes“, erzählt Daniel Adolf. In den 20 Jahren, seit die Gruppe Karnevalswagen zusammenschreinert, hat sie manches dazu gelernt.

Luft aus den Reifen gelassen

„Am Anfang hatten wir mal einen Thron gebaut, der so schwer war, dass wir andere Gruppen zu Hilfe holen mussten, um ihn überhaupt auf unser Gefährt heben zu können“, erzählen die drei. Mittlerweile wird der Aufbau weniger gewichtig gestaltet. Außerdem müssen die Wagenbauer darauf achten, dass sie nicht zu hoch bauen. Denn auch das ist schon passiert. „Wir mussten dann die Luft aus den Reifen lassen, um den Wagen durch das Tor schieben zu können.“ Seit die Wagen vom TÜV geprüft werden, gibt es einige Richtlinien, die die Gruppe erfüllen muss. Die Höhe der Geländer ist festgelegt, auch die Stabilität der Aufbauten und die Reifen werden genauestens überprüft.

Die Kreativität aber wird dadurch nicht eingeschränkt. Das Motto wird immer zum Ende des Jahres bestimmt. Ideen sammeln die Wagenbauer in einem Buch, diese landen schließlich in einem Lostopf – die Glücksfee darf entscheiden, welches Motto am Ende umgesetzt wird.

Platz für mehrere Rollstühle

Damit auch die Senioren den diesjährigen Wagen – einen Tag nach dessen Einsatz in Palmersheim – benutzen können, wurde darauf geachtet, dass die begehbare Fläche auf dem Wagen groß genug ist. „Dann ist auch Platz für mehrere Rollstühle“, so Adolf. Außerdem können die Körbe für das Wurfmaterial frei an die Brüstung gehängt werden.

So sind sie auch für Rollstuhlfahrer gut zu erreichen. Die Wagenbauer haben auch an ein kleines Häuschen gedacht, in dem man sich unterstellen kann, falls es regnet. Zehn Senioren aus der Euskirchener Einrichtung werden am Rosenmontag auf dem Wagen unterwegs sein. Ein große Gruppe der Angestellten begleitet den Wagen zu Fuß.

Bei der Begehung kann Prinzessin Ursula I. leider noch nicht auf den Wagen, um ihren Platz beim Rosenmontagsumzug zu begutachten, denn sowohl der Rollstuhl als auch seine Insassin müssen hochgehoben werden. Lars Königshoven, der ebenfalls zu den Wagenbauern gehört, verspricht: „Am Rosenmontag haben wir zwei starke Helfer, die Sie mitsamt Rollstuhl an Ort und Stelle heben werden.“ (tn)