28.07.2016
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Fest der Religionen in Euskirchen: Pfarrer, Diakon und Imam Arm in Arm

Gute Vorbilder: Frank Thönes, Osman Can und Werner Jacobs beteten gemeinsam für ein friedliches Miteinander.

Gute Vorbilder: Frank Thönes, Osman Can und Werner Jacobs beteten gemeinsam für ein friedliches Miteinander.

Foto:

Tim Nolden

Euskirchen -

Wäre die Freundschaft zwischen den Weltreligionen überall so groß wie in Euskirchen – es gäbe wohl ein paar weniger Probleme auf der Welt. In der Kreisstadt können ein evangelischer Pfarrer, ein Imam aus der Türkei und ein katholischer Diakon Arm in Arm auf der Bühne stehen und gemeinsam für Freundschaft und Frieden beten. Ein besseres Zeichen für die Toleranz unter den religiösen Gemeinschaften kann es kaum geben.

Anlass für das gemeinsame Gebet war das Fest der Religionen in Euskirchen, das der Arbeitskreis Christen und Muslime in Euskirchen organisiert hat. Auftakt der Veranstaltung war eine Wanderung durch die Kreisstadt, vorbei an den Kirchen, der Moschee und der Gedenkstätte für die niedergebrannte Synagoge.

Mit dabei war der Engel der Kulturen. Eine rollende Skulptur, in der die Symbole von Christentum, Islam und Judentum so arrangiert sind, dass sie die Form eines Engels ergeben. An allen Stationen des Weges durch die Kreisstadt wurde die Skulptur auf die Seite gelegt. Die Künstler Gregor Merten und Carmen Dietrich hinterließen mit Hilfe des Arbeitskreises das Engelsbild mit Quarzsand auf dem Boden. Schlusspunkt der Wanderung war der Klosterplatz, auf dem die große Bühne für das Fest der Religionen stand.

NRW-Staatssekretärin Zülfiye Kaykin sprach dort zur Eröffnung. „Religiöser Friede kann nicht von Gesetzen verordnet werden – er muss von Menschen gelebt werden“, sagte sie und erklärte, die gelungene Zusammenarbeit der Euskirchener Gemeinde sende ein positives Signal in Richtung Landesregierung. Bürgermeister Uwe Friedl sagte, der Tag solle eine bleibende Erinnerung hinterlassen. Deshalb wird, sobald der Rüdesheimer Platz fertiggestellt ist, dort eine Intarsie mit dem Symbol des Engels der Kulturen eingelassen.

Das Programm auf der Bühne am Klosterplatz gestalteten die Gemeinden zusammen. Nachdem der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinschaft das Musikprogramm eröffnet hatte, traten die drei Geistlichen auf die Bühne. Werner Jacobs, Diakon der katholischen Gemeinde, Frank Thönes, evangelischer Pfarrer und Osman Can, der Imam der türkisch-islamischen Gemeinde trugen jeweils einige Worte vor und sprachen dann gemeinsam ein freundschaftliches Gebet.

Im Anschluss gab es verschiedene musikalische und religiöse Darbietungen. So traten unter anderem der Kinderchor der türkisch-islamischen Gemeinde, die Gospel Company der evangelischen Gemeinde und die katholische Jugendkantorei auf.
Auf dem Klosterplatz waren zudem Stände aufgebaut, an denen man sich über die verschiedenen Religionen informieren konnte. Dazu gehörte auch ein aufwendig gestalteter Koran, der für die Gäste ausgestellt war. In der osmanischen Ecke konnte man schwarzen Tee genießen, so wie es in der Moschee üblich ist.

Der Arbeitskreis, in dem Mitglieder aller Gemeinden mitarbeiten, stand den Gästen den ganzen Tag für Fragen offen.