27.09.2016
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Filmkunst: Taatos Song in Hollywood

Taato Gomez

Ein Song von Taato Gomez ist in dem Film „Argo“ zu hören.

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Privat

Euskirchen-Kleinbüllesheim -

„Ich lebe in Kleinbüllesheim, es reichte nicht für Großbüllesheim“, singt Taato Gomez in einem seiner gefühlvollen Lieder. Mittlerweile lebt der gebürtige Chilene nicht mehr in der Voreifel, sondern am Neusiedler See in Österreich. Doch mit dem Euskirchener Vorort verbindet ihn immer noch einiges: zum Beispiel der mit drei Oscars prämierte Film „Argo“.

„Ich dachte erst, da wollte mich einer veräppeln, als vor ein paar Monaten eine Filmproduktionsfirma aus Hollywood anrief“, berichtete Gomez, der vergangene Woche seinen Sohn Nico bei einem WDR-Auftritt bei der „Lit.Cologne“ unterstützte. Die Amerikaner erklärten dem verdutzten Musiker und Produzenten, dass sie unbedingt ein chilenisches Schlaflied für einen von Ben Affleck produzierten Streifen benötigten.

Taato Gomez hatte das Stück vor rund 15 Jahren zusammen mit seiner damaligen Frau Bibi und den beiden Kindern Daniel und Nico aufgenommen. Beteiligt mit einigen Flöten und Percussioninstrumenten war auch die chilenische Gruppe „Ortiga“, die in Gomez’ Nachbarschaft wohnte. Für den Perleberg-Verlag hatte der Chilene die Reihe „Happy Baby Musik“ entwickelt: sanfte Klänge für den ganz jungen Musikkonsumenten. Die von Gomez produzierten CDs verkauften sich weltweit über drei Millionen Mal.

„Ich sollte darauf hin für eine internationale Produktion von Sony ein deutsches und ein chilenisches Wiegenlied beisteuern“, berichtete der Neu-Österreicher. Für den deutschen Beitrag verwendete er Mozarts Komposition „Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein“. Gesungen wurde das Lied übrigens vom damals hoch im Kurs stehenden Schlagerstar Michelle.

Für den chilenischen Beitrag zur CD „The Planet Sleeps“ erinnerte sich Gomez an seine Kindheit und an das Wiegenlied „Hace Tuto Guagua“, was etwa so viel heißt wie „Jetzt mach mal schön Bubu“. Und wo er schon gerade dabei war, produzierte er auch noch eine argentinische Einschlafnummer unter dem Titel „Duerme Negrito“ („Schlaf, mein Schätzchen“), aus der Feder des Komponisten Atahualpa Yupanqui.

Dieses Lied war für die CD bereits fest eingeplant, wurde dann aber wegen des Worts „Negrito“ gestrichen. Die Produzenten wollten sich keinen möglichen rassistischen Vorwürfen aussetzen. „Obwohl das natürlich kompletter Blödsinn ist, weil Negrito nichts mit Negro (engl.: Schwarzer) zu tun hat, sondern im Spanischen ein Kosename ist“, erklärte der Chilene, der über 25 Jahren in Deutschland lebte und sich vor fünf Jahren der Liebe wegen in Richtung Österreich veränderte.

Die Verhandlungen mit der Produktionsfirma in den USA zogen sich über einige Wochen, weil Taato Gomez keine Ahnung hatte, was man denn für die Verwendung des chilenischen Schlaflieds in einem Spielfilm so an Honorar aufrufen kann. Gottlob hielt sich der Musiker erstmal mit Zahlen bedeckt und pokerte. Unterm Strich überwiesen die Amis ihm für die wenige Sekunden, die vom Lied im Film verwendet wurden, eine mehr als anständige finanzielle Entschädigung.

Bester Streifen

Allerdings wusste Gomez zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass der Film „Argo“ für insgesamt sieben Oscar nominiert werden sollte. Ende Februar, als er mit seiner österreichischen Frau Alexandra Urlaub in Ägypten machte, erfuhr Gomez aus den Nachrichten, dass „Argo“ als bester Streifen mit der begehrtesten Film-Trophäe der Welt ausgezeichnet worden war.

„Ich bin aus allen Wolken gefallen, damit hätte ich nie gerechnet. Ich dachte, das wäre irgend so ein B-Film“, so der Künstler, der in den 1980er- und 1990er-Jahren neben Dieter Bohlen zu den gefragtesten Produzenten im deutschsprachigen Raum gehörte. Taato Gomez war unter anderem für die Hits von Rainhard Fendrich, Purple Schulz und Peter Kraus verantwortlich.

„Ich empfinde diese „Argo“-Auszeichnung als eine wunderschöne Anerkennung für mich und für die unermessliche Arbeit, die ich in 20 Jahre Baby-Musik gesteckt habe“, sagte Gomez im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.