26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Stadtarchiv: Für die Ewigkeit gesichert
19. April 2013
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Stadtarchiv: Für die Ewigkeit gesichert

Die Stadtrechtsurkunde von 1302

Die Stadtrechtsurkunde von 1302

Foto:

Tim Nolden

Euskirchen -

Seit 1966 bemüht sich die Bundesrepublik Deutschland darum, ihr Kulturgut auf Mikrofilm festzuhalten und an einem sicheren Ort unterzubringen. Damit sind auch die wichtigsten historischen Dokumente der Stadtarchive gemeint. Sie müssen selbst die Initiative ergreifen, damit Urkunden, Schriften und Zeitungen ihren Weg in den geschützten Barbarastollen bei Freiburg im Breisgau finden. Kosten entstehen ihnen nicht, aber die Schätze sind für den Zeitraum der Sicherheitsverfilmung nicht verfügbar.

Diesen Umstand nahm das Euskirchener Stadtarchiv gerne in Kauf. Gut 78 000 Seiten aus dem Bestand wurden auf Mikrofilm gebannt. Im Barbarastollen werden diese Filme bei 10 bis 12 Grad Celsius in Edelstahlbehältern gelagert. „Bei diesen Verhältnissen geht man davon aus, dass die Filme 500 Jahre halten“, so Dr. Claudia Kauertz, Leiterin der Archivberatungsstelle des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums (AFZ).

Bevor die Mikrofilme eingelagert wurden, waren einige Arbeitsschritte nötig. Zuerst musste Stadtarchivleiterin Dr. Gabriele Rünger festlegen, welche Stücke aus ihrem Bestand gesichert werden sollen. Die Liste wurde mit dem LVR (Landschaftsverband Rheinland) besprochen. Er entschied beispielsweise, auch die Ausgaben der Zeitung „Westdeutscher Beobachter“, die dem Archiv lückenlos vorliegen, auf Film zu bannen.

Zu den Dingen, die gesichert wurden, gehören natürlich die Stadtrechtsurkunde aus dem Jahr 1302 und die Marktrechtsurkunde von 1322. Hinzu kommen Rats- und Gerichtsprotokolle sowie die Stadtrechnungen vom 16. Jahrhundert bis zum Jahr 1801. Auch weitere wertvolle Zeitungsbestände wurden abfotografiert, und zwar von Gertrud Düssel, die in der AFZ-Reprografie tätig ist. Es herrschten hohe Sicherheitsvorkehrungen. So wurden Originale und Kopien nicht gleichzeitig transportiert, so dass etwa nach einem Unfall zumindest eine Variante übrig geblieben wäre. Nachdem nun alle Seiten abfotografiert sind, werden sie im Mai im Barbarastollen untergebracht.

Das Stadtarchiv hatte nach der Sicherheitsverfilmung die Chance, für den eigenen Bestand Kopien der Mikrofilme anfertigen zu lassen. Diese Möglichkeit nutzte Gabriele Rünger gerne. Vor allem, weil sich daraus die Möglichkeit ergab, die Daten aus den Mikrofilmen zu digitalisieren. Das übernahm Michael Lorscheidt von der LVR-Reprografie. Er überreichte Rünger zum Abschluss eine Festplatte mit digitalen Kopien aller fotografierten Seiten.

Das Archiv plant, diese Daten im Internet zugänglich zu machen. Es fehlt allerdings noch eine Möglichkeit, mit Wasserzeichen oder Ähnlichem zu verhindern, dass die Bilder einfach kopiert werden. Die Originale, die bei ständiger Nutzung leiden würden, werden auf diese Weise geschützt.

Gabriele Rünger freut sich über die Verfilmung: „Ich habe ein sehr ruhiges Gefühl, seit ich weiß, dass alle wichtigen Dokumente für die Ewigkeit gesichert sind.“


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