30.07.2016
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Sammlung: Das Jesuskind in der Nussschale

Minikrippen

So breit wie ein Streichholz ist dieses Exemplar, das neben den menschlichen Protagonisten auch Tiere zeigt.

Foto:

Gudrun Klinkhammer

Hellenthal-Blumenthal -

„Ich liebe einfach Krippen“, sagt Gerta Cremer schlicht und ergreifend. Warum das so ist, weiß die 82-Jährige nicht ganz genau. Seit vielen Jahren sammelt die quirlige Dame Krippen, die so winzig sind, dass sie in jede Handtasche passen. Früher in ihrem Haus in Sistig standen diverse Regale voll von solchen kleinen Kunstwerken.

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Inzwischen ist die Seniorin pflegebedürftig und lebt bei ihrer Tochter Josi Stadler in Blumenthal. „Aus Platzgründen haben wir hier nur einen Bruchteil der Krippen aufgebaut. So kann Mama rund um die Uhr ein Auge auf ihre Lieblinge werfen“, erklärt die Tochter. Die Sammlung von Gerta Cremer begann offiziell vor rund zwölf Jahren mit einem Geschenk des damaligen Pfarrers von Sistig und Sötenich, Heinz Schumacher. Der Priester übergab ihr eine Wachskerze, in deren Außenhaut Krippenszenen eingeschnitzt waren.

Gerta Cremer, Mutter von drei Kindern, führte seither Buch und hielt jedes neue Exemplar ordnungsgemäß in einem Katalog fest. Mit ihrer Krankheit, die 2008 ausbrach, hörte die Buchführung bei Krippe 192 auf. Doch seither kamen trotzdem weitere Exemplare zur Sammlung hinzu. Erst kürzlich erstand Gerta Cremer erneut eine Krippe, und zwar auf einem Weihnachtsbasar der Caritas in Schleiden. Bei der neuesten Errungenschaft handelt es sich um eine königsblaue Kerze mit viel Glitzer und eben der eingeschnitzten Szenerie von Maria, Josef und dem Jesuskind.

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Gerta Cremer stammt aus Köln-Nippes. Durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges landete sie in Sistig. Sie heiratete Karl Cremer, wurde Mutter und Großmutter und engagierte sich mit Leidenschaft unter anderem im Karneval und in der Kirche. Nach dem Tod ihres Mannes begann sie zu reisen. Zunächst mit einer Gruppe der Kirche, später nahm sie viele Bildungsangebote der Kreis-Volkshochschule wahr. Gerta Cremer reiste nach Rom, Israel, China, Thailand, Brasilien, mehrfach in die USA und nach Peru – und überall fand sie Minikrippen. Auf diesem Gebiet scheint es nichts zu geben, was es nicht gibt: Da sind Krippen, die wurden in halbe Walnussschalen hineingebaut, auf Mohnkapseln montiert oder auch in Speckstein geritzt; es gibt Krippen aus Pappe, Papier und Glas, Holz, Kupfer sowie aus anderen Metallen. Nur zum Säubern mit einem feinen Pinsel nimmt die Besitzerin die einzelnen Stücke von ihrem zugewiesenen Platz, um sie kurze Zeit später wieder vorsichtig an Ort und Stelle zu deponieren.

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Gerta Cremer und ihre Kinder fragen sich häufiger, wo die Krippensammlung einmal dauerhaft landen und gezeigt werden könnte. Der Wunsch der Seniorin ist es, dass die ganzen Exemplare auf keinen Fall auf dem Müllplatz enden sollen. Die Kinder werden dieser Bitte nachkommen. Aber der Platz, an dem Betrachter alle diese Schätze auf einen Blick genießen könnten, wurde bislang noch nicht gefunden.