27.08.2016
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Im Kreis Euskirchen: Immer mehr Teenager schwanger

Der Test sorgt oft für einen Schock.

Der Test sorgt oft für einen Schock.

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dpa-tmn

Kreis Euskirchen -

Teenagerschwangerschaften sind bundesweit rückläufig, was angesichts breit angelegter Präventionsmaßnahmen in Schulen, medialer Informationsflut und unproblematischen Zugangs zu Verhütungsmitteln logische Konsequenz ist.

Im Kreis Euskirchen aber ist seit Anfang des Jahres ein bemerkenswerter Anstieg von Teenagerschwangerschaften zu verzeichnen. „Von Januar bis Ende April wurden 13 schwangere Mädchen hier in der Beratungsstelle vorstellig“, erzählte Beraterin Karla Götze. Die Mädchen seien zwischen 13 und 17 Jahre alt, stammten aus allen Gesellschaftsschichten und besuchten unterschiedliche Schulen.

Nur wenige kommen mit Partner

Die jungen Schwangeren kamen zwischen der vierten und elften Woche in die Beratungsstelle, alle brachten sie Begleitung mit, „größtenteils Familienangehörige, nur wenige kamen mit ihrem Partner“, so Götze. Sie und ihre Kolleginnen beraten normalerweise im Jahresschnitt 24 minderjährige Schwangere, „jetzt haben wir bereits über 20 Prozent mehr“, erklärte Heike Gerhards.

Fünf der minderjährigen Mädchen entschieden sich für einen Abbruch der Schwangerschaft, sechs – davon zwei unter 14 Jahren – beschlossen, ihre Kinder auszutragen. „Und ob die Mädchen dann wirklich den Abbruch durchführen lassen, erfahren wir nicht“, gab Beraterin Cornelia Vitr zu bedenken.
Dass es auch für die erfahrenen Fachfrauen nicht immer einfach ist, so junge Mädchen zu beraten, daraus machten die vier Mitarbeiterinnen vom Trägerverein „Frauen helfen Frauen“ im Pressegespräch keinen Hehl. Schließlich sei es nicht immer klar, welchen Rückhalt die jungen Schwangeren seitens der Familie und des Partners hätten, wie reif sie seien und ob sie sich in ihrer Vorstellung als Mutter in einer Fantasiewelt bewegten.

„Viele denken, dass da ansonsten nicht mehr viel kommt im Leben“
Cornelia Vitr, Beraterin

Auch beim Entschluss zum Abbruch müsse immer genau geschaut werden, was Wunsch des Mädchens und was Elternwille sei. „Wir haben teilweise sehr geschockte Eltern hier sitzen“, so Götze. Deren Einstellung zu dem Kind im Bauch der Tochter reiche von „Dann fliegst du zu Hause raus!“ bis zu „Das schaffen wir schon!“.
Woher der plötzliche Anstieg bei den Teenagerschwangerschaften kommt, darüber könne man allenfalls spekulieren, so das Beratungsteam. „Wir suchen auch nach einer Erklärung“, so Götze.

Stefanie Uhl, die viele Sexualpräventionen mit Schulklassen durchführt, fügte an: „Mein Eindruck ist eigentlich, dass verstärkt wieder alte Werte aufleben und die Jugendlichen ihren Lebensplan klassisch angehen: erst heiraten, dann Familie gründen.“ Cornelia Vitr äußerte die Hypothese, dass für manche junge Frau ein Kind Perspektiven eröffne, „viele denken, dass da ansonsten nicht mehr viel kommt im Leben“.

Familiensystem gerät ins Wanken

Aus gynäkologischer Sicht sind Schwangerschaften bei jungen Mädchen mit erheblichen Risiken verbunden. Besonders Schwangere unter 15 Jahren sind gefährdet.

Nach Auskunft aller Mädchen, die Hilfe in der Beratungsstelle an der Gerberstraße in Euskirchen suchten, kam es ungeplant zu der Schwangerschaft.

Tatsächlich sei bei den Betroffenen Verhütung durchaus ein Thema. „Die meisten Verhütungspannen registrieren wir aber nicht bei den jungen Frauen, sondern eher in der Altersklasse zwischen 30 und 40“, erklärte Heike Gerhards.

Fakt sei, dass die Schwangerschaften bei den Teenagern oft das gesamte Familiensystem ins Wanken brächten.

Karla Götze: „Es ist deshalb gut, wenn die Mädchen sich die gesamte Zeit über und bestenfalls auch über die Geburt hinaus fachlich begleiten lassen – da kann man schon einiges auffangen und auf einen guten Weg bringen.“