30.07.2016
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Info-Veranstaltung: Heftige Kritik an Kraftwerk-Plänen

Kraftwerk-Protest

Rund 120 Gäste verfolgten die Veranstaltung, in deren Verlauf es nicht an Protesten mangelte.

Foto:

Gudrun Klinkhammer

Heimbach -

Der Vertreter der Firma Trianel, der am Mittwochabend im Haus des Gastes den Sachstand zum geplanten Pumpspeicherkraftwerk am Rursee vorstellte, musste sich heftige Kritik anhören. Während des öffentlichen Sitzungsteils der Stadtvertretung Heimbach konnten sich Fraktionen und Bürger ein Bild von der aktuellen Lage der Pläne machen und Fragen stellen. Nach langer Diskussion verlas SPD-Fraktionschef Dr. Harro Höger stellvertretend für alle Heimbacher Fraktionen, außer den Grünen, eine kernige Stellungnahme gegen das geplante Mammutprojekt.

Sie endete mit den Worten: „Solange uns keine Garantie etwa für die Erhaltung der Fauna und Flora und die Weiterentwicklung des Tourismus am Rursee gegeben wird, werden wir das Projekt nicht akzeptieren und uns dagegen wehren, notfalls mit Hilfe der Gerichte.“ Die 120 Anwesenden im Raum applaudierten daraufhin minutenlang.

Die Heimbacher äußerten ihre großen Befürchtungen, dass der beliebte Rursee durch das angedachte Kraftwerk, die langjährige Bauzeit und die zu erwartenden Wasserspiegelschwankungen verschlammt und für Touristen und Einheimische völlig unattraktiv wird.

Dr. Christoph Schöpfer, der technische Leiter des Trianel-Projekts, trat während der Sitzung als Referent auf. Er stellte die in Aachen angesiedelte Firma Trianel als Zusammenschluss von rund 50 Stadtwerken vor und erläuterte das noch zu bauende Oberbecken zwischen Schmidt und Strauch. Die Details zu den unterirdischen Stollen, die den Obersee mit dem Rursee verbinden sollen, konnte er noch nicht nennen. Zur Netzanbindung sagte Schöpfer: „Wir sehen die Lösung in einer Kombination aus 380 Kilovolt Erdkabel und 380 Kilovolt Freileitung.“ Allerdings, das musste er einräumen, gebe es noch gar keine Erkenntnisse zu derart starken Erdkabeln, die länger als fünf Kilometer sind. Für die Trianelpläne am Rursee müssten Erdkabeltrassen von gut 13 Kilometern her. Wie groß der Verlust auf diesen langen Wegen wäre, kann bisher keiner sagen. Was der Planer bestätigte: „Landwirte erhalten Geld, wenn sie die Trassen über ihre Felder führen.“

Der Referent informierte weiter, dass zeitgleich drei Standorte in Deutschland geprüft würden, ob sie für ein Pumpspeicherkraftwerk geeignet seien. Im Sommer 2013 soll die Entscheidung fallen, an welchem der drei Standorte die Pläne letztendlich vorangetrieben werden sollen.

Wenn es nach den Heimbachern ginge, sollten die Pläne am Rursee lieber heute als morgen zu den Akten gelegt werden. Der Grund: Sie haben kein Vertrauen mehr zu Trianel, wie Dr. Harro Höger formulierte. Einen Fragenkatalog der Stadt beantworteten die Planer nicht zufriedenstellend. Höger: „Ihre abwiegelnde Art und die lapidaren Antworten machen uns nur noch misstrauischer, da können wir nicht drauf aufbauen.“ Auch Gerd Linden, Fraktionschef der CDU, griff das Mammutprojekt und die Planer scharf an. Für jedes kleine Neubaugebiet würden die Belange des Naturschutzes ganz hoch gehängt, was beim geplanten Monsterprojekt nicht zu erkennen sei, im Gegenteil. Linden kam auf den zu erwartenden Baustellenverkehr von bisher errechneten 200 000 Massentransporten innerhalb der avisierten sechs Jahre Bauzeit zu sprechen.

Heimbachs Bürgermeister Bert Züll wollte in diesem Zusammenhang vom Referenten wissen, wann diese Fahrzeuge denn fahren, ob an fünf oder sieben Tagen die Woche und eventuell sogar in drei Schichten. Auch hier legte sich der Referent mit seinen Aussagen nicht fest.

Zu den Wassermassen, die am Rursee bewegt werden sollen, sagte Linden: „Diese Massen, das kann ich mir gar nicht vorstellen.“ Der CDU-Fraktionschef warf Trianel sogar vor, die Presse beeinflussen zu wollen. Über gewisse Vorgänge wie Sprengungen solle lieber nicht berichtet werden, hieße es in einem Gutachten. Das sei im Endeffekt schlecht für den Tourismus. Schöpfer erwiderte darauf, dass hier wahrscheinlich etwas falsch zugeordnet worden sei.

Dann packte FDP-Fraktionschef Bernhard Droege aus. Aufgrund der zunehmenden Solartechnik sei es gar nicht mehr notwendig, die Spitzen der Windkraft abzufangen. Zudem könnten sich moderne Kraftwerke wie Niederaußem den Schwankungen des grünen Stroms inzwischen perfekt anpassen. Droege: „Ein derartiges Pumpspeicherkraftwerk ist gar nicht mehr erforderlich, und unsere Region ist dafür auch nicht geeignet.“ Droege stellte die Vermutung auf: „Hier stehen kommerzielle Interessen im Vordergrund, und die Eifel wird anvisiert, da hier der wenigste Widerstand erwartet wird. Doch wir Heimbacher wissen uns zu wehren.“

Der FDP-Chef zweifelte die von Trianel genannten Zahlen an und erklärte, dass ein solcher Bau gar nicht zu verantworten sei. Unterlagen würden zurückgehalten und ein Druck aufgebaut, der nicht nachzuvollziehen sei. Und dann sagte Droege noch: „Ich frage mich, wie die Stadtwerke von 50 Kommunen, die wahrscheinlich alle klamm sind, die Kosten von bisher geschätzten 700 Millionen Euro überhaupt stemmen wollen.“