24.07.2016
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Info-Veranstaltung in Euskirchen: Düngeverordnung kaum erfolgreich

Ein Landwirt bringt Gülle auf einem Feld aus. In Scheuren musste kürzlich ein Trinkwasserbrunnen stillgelegt werden, der mutmaßlich durch Gülle verunreinigt worden war.

Ein Landwirt bringt Gülle auf einem Feld aus. In Scheuren musste kürzlich ein Trinkwasserbrunnen stillgelegt werden, der mutmaßlich durch Gülle verunreinigt worden war.

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picture alliance / dpa

Kreis Euskirchen -

Die Zahl ist schon beeindruckend: Im Kreis Euskirchen gibt es im Jahr 2014 noch sage und schreibe 1204 landwirtschaftliche Betriebe. 468 Bauern leben ausschließlich von Ackerbau und Viehzucht, der Rest ackert im Nebenerwerb. Mithalten können da nur noch die Friseure, die es auf 221 Betriebe bringen, wogegen Bäcker (42) und Metzger (25) vergleichsweise eine aussterbende Spezies zu sein scheinen.

Da wundert es nicht, dass die Landwirte in hiesigen Breiten immer noch über eine starke Lobby verfügen und bei politischen Entscheidungen stets einen Fuß in der Tür haben. Dennoch ist das Image der Landwirte in jüngster Zeit wegen der anhaltenden Güllediskussion leicht ramponiert. Es hagelt regelmäßig Kritik aus der Bevölkerung, weil die Bürger die Geruchsbelästigungen zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten einfach leid sind.

Viele Zahlen

Um die Diskussion ein wenig zu versachlichen, hatte die Landwirtschaftskammer Düren zu einer Informationsveranstaltung ins Kreishaus nach Euskirchen geladen. Rund 80 Interessierte, darunter auch zahlreiche Bauern, waren erschienen. Ewald Adams, der Direktor der Landwirtschaftskammer in Düren, bot seinen kompletten Expertenstab auf, um das Thema Gülle umfassend dazustellen. „Wir wollen eine möglichst große Transparenz erreichen“, betonte Adams in seiner Einführung. Und man erfuhr jede Menge Details über den Viehbestand im Kreis, der in den letzten 20 Jahren um mehr als 20 Prozent gesunken ist und zu 90 Prozent aus Rindern besteht.

Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer legten dar, wann und unter welchen Kriterien sie auf den Höfen vorstellig werden und wie die Kontrollen funktionieren. Was unter anderem die Naturschützer interessierte, die gegenüber den Landwirten Platz genommen hatte, war die Größenordnung der Gülleladungen aus den Niederlanden, die unter anderem auf Grünland im Münstereifeler Höhengebiet ausgebracht wurden und dort möglicherweise für die Verunreinigung eines privaten Brunnens gesorgte haben.

Zwischen den mit umfangreichem Zahlenmaterial gespickten Vorträge konnte man erahnen, dass es für die Kammer nicht einfach ist zu kontrollieren, ob die Landwirte die Gülle als Wirtschaftsdünger im richtigen Verhältnis und zur richtigen Zeit einsetzen. In ganz Nordrhein-Westfalen nahm die Kammer in einem Jahr 746 Kontrollen vor Ort vor, wobei es 165 Beanstandungen und 276 Ordnungswidrigkeiten gab, die zu 72 Anzeigen führten.

Allen Beteiligten ist mittlerweile klar, dass die geltende Gülleverordnung nicht wirklich garantieren kann, dass für Luft, Boden und Gewässer keine Risiken entstehen, wenn tierische Ausscheidungen auf die Äcker und Wiesen gefahren wird. Man ist bemüht, per Datennetz einen Überblick zu behalten, wer von wem Gülle abnimmt oder wohin etwa die Gärsubstrate von Biogasanlagen entsorgt werden.

Dr. Jons Eisele vom NRW-Umweltministerium brachte die Debatte auf den Punkt: „Die Erfolge nach zehn Jahren Düngeverordnung sind sehr bescheiden.“ Er hofft darauf, dass die Novellierung noch in diesem Jahr verabschiedet wird. Ob damit allerdings die umstrittenen Gülleimporte aus Holland unterbunden werden, konnte er natürlich nicht sagen. 2013 wurden immerhin 50000 Tonnen im Kreis Euskirchen ausgebracht.

Die Landwirtschaftskammer will die unbefriedigende Situation durch verstärkte Beratung der Bauern entschärfen. Vonnöten ist auch eine verbesserte Ausbringungstechnik, etwa mit Schleppschlauch, wie sie in den Niederlanden längst Pflicht ist.

Das Thema Nitratbelastung des Grundwassers kam leider ein bisschen kurz, obwohl Deutschland hinter Malta offiziell die schlechtesten Werte hat. Aber immerhin wurde die Gülle-Debatte erstmals öffentlich geführt.