24.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Jahresrückblick 2013 Teil II: Bürger stoppen Kraftwerksbau

Foto:

Gudrun Klinkhammer

Kreis Euskirchen -

Als „David gegen Goliath“ wurde der Einsatz der Bevölkerung gegen ein am Rursee geplantes Pumpspeicherkraftwerk (PSW) in den vergangenen Monaten gerne bezeichnet.

Denn was keiner zu wagen gehofft hätte: Den Plan der Aachener Firma Trianel, am Rursee zwischen Schmidt und Strauch ein gigantisches PSW für über eine Milliarde Euro zu errichten, wussten die Bürger zu verhindern. Dabei war der Widerstand bei den ersten Vorstellungen der Pläne eher gering. Dass die Energiewende neue Maßnahmen benötigt, ist auch den Wählern klar.

Sechs bis acht Jahre Bauzeit

2011 gingen Vertreter der in Aachen ansässigen Firma Trianel, dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von über 60 Stadtwerken, an die Öffentlichkeit und versuchten, den Plan zu erläutern. Unterstützt wurde Trianel dabei von der rot-grünen Landesregierung, die sich in einem Koalitionsvertrag zum Projekt bekannte.

Die Trianel-Vertreter besuchten diverse Bürgerversammlungen, sprachen von einem noch zu bauenden, drei Kilometer langen Stollen in U-Bahn-Schachtgröße 50 Meter unter der Erdoberfläche. Dieser Stollen sollte den Rursee mit einem zwischen Schmidt und Strauch geplanten, 220 Meter höher gelegenen Obersee mit einem Fassungsvermögen von 7,6 Millionen Kubikmetern verbinden.

Während der Bauzeit, anvisiert waren sechs bis acht Jahre, sollte der Rursee ein Jahr lang komplett trocken fallen, die Schilsbachbucht während der Bauarbeiten vom See abgetrennt werden.

Nach der Fertigstellung des gigantischen Bauwerks wäre das Rurseewasser mit überschüssiger Energie aus Wind- und Solarkraft in das Oberbecken gepumpt worden, um dann an wind- und sonnenlosen Tagen wieder in den Rursee zu fließen und dabei Turbinen anzutreiben, die Strom erzeugen.

Defizitäre Vorplanung

In den ausgezeichnet besuchten Versammlungen begannen die Bürger, kluge Fragen zu stellen. Die Stadt Heimbach formulierte schriftlich einen Fragenkatalog, den sie an Trianel übergab.

Schnell wurde klar: Den überwiegenden Teil der Fragen konnten die Trianel-Fachleute gar nicht beantworten. Eine Simulation der herabstürzenden Wassermassen und der damit verbundenen Auswirkungen war beispielsweise nicht möglich.

Mit Sätzen wie: „Wir haben die Vermutung, dass es klappt“, oder auch: „Wenn der Regionalrat dem Projekt zugestimmt hat, dann steigen wir konkreter in die Planungen ein“, gaben sich die Bürger nicht zufrieden. Statt sich zurückzuziehen, hakten sie nach.

Was während des Prozesses deutlich wurde: Eine gründliche Planung im Vorfeld der Genehmigung durch den Regionalrat mit Sitz in Köln hätte eine Menge Geld verschlungen, das zum Zeitpunkt der Vorstellung für diese Zwecke allerdings noch gar nicht bereitgestellt worden war.

Wegen der massiv defizitären Vorplanung für das gigantische Projekt formierte sich in Heimbach die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Rursee“.

Sie sammelte 8693 Unterschriften gegen das PSW. Demonstrationen fanden statt, Künstler stärkten gleich zu Beginn des Jahres den Rursee mit Magie.Für juristische Wellen sorgte ein Papier, das Anfang 2012 unter anderem von der BI öffentlich gemacht wurde. In diesem „internen Strategiepapier“ des Trianel-Konzerns erklärte das Unternehmen, das PSW nur noch bis zur Baureife verfolgen zu wollen, um das ganze Projekt dann in die Hände von noch unbekannten Dritte zu legen. Mit diesem Ansinnen stieß der Konzern sogar treue Fürsprecher vor den Kopf.

Trianel drohte, die BI zu verklagen und einer damit verbundenen Zahlung im siebenstelligen Bereich.

Am 11. Oktober 2013 legte der Regionalrat mit einem Beschluss das Thema PSW am Rursee endgültig zu den Akten. (gkli)

Polizeigewahrsam: Der Spalt des Anstoßes

Euskirchen. Seit seinem Zwangsaustritt aus der CDU hat man das Gefühl, dass Landrat Günter Rosenke nicht mehr viel aus der Ruhe bringen kann. Doch ein Thema brachte ihn richtig auf die Palme: Die Posse um den Polizeigewahrsam in der Wache in Euskirchen.

Im März 2012 sollte die Sanierung des „Knasts“ nach etwa fünf Monaten Arbeitszeit beendet werden. Gedauert hat es dann aber bis September 2013, also anderthalb Jahre länger. Gleich mehrere Probleme hatte es für die Verzögerung gegeben. Ausschlaggebend war aber im Endeffekt ein vier Millimeter breiter Spalt zwischen Fenster und Rahmen. Als der Auftrag verteilte wurde, war der noch zulässig. Doch weil sich im Kreis Viersen ein Gefangener mit einem im Spalt befestigten Unterhemd erhängen wollte, galt der Spalt als Sicherheitsrisiko. Monatelang wurde gerätselt, wie dieses Problem gelöst werden konnte: Eine Aluminiumschiene und Silikon waren dann die einfache Lösung.

Die Euskirchener Polizei hatte also fast zwei Jahre lang keinen Knast. Die Beamten, die jemanden in Gewahrsam nahmen, mussten deshalb Taxi spielen und die Gefangenen nach Brühl und Bonn karren. Bei nur zwei Streifenwagen, die im Nordkreis nachts unterwegs sind, bedeutet das mal eben ein 50-prozentiger Rückgang der Polizeipräsenz.

Am 1. September stand der Gewahrsam dann endlich zur Verfügung – und lieferte gleich die nächste skurrile Geschichte. Denn de erste „Gast“ benahm sich dermaßen übel und randalierte, dass gleich eine Grundreinigung fällig war. (tom)

Kita-Einrüche: Joghurt war besonders beliebt

Euskirchen. Im Frühjahr begann in Euskirchen eine ungewöhnliche Einbruchserie. Insgesamt achtmal stieg ein 37-jähriger Euskirchener in die städtische Kindertagesstätte an der Gottfried-Disse-Straße ein und räumte den Kühlschrank leer. Beliebt waren Joghurtbecher, aber auch Leergut, das er in Geld umtauschen konnte.

Es entstand ein hoher Sachschaden, der den Wert der Beute um ein Vielfaches überstieg. Auch die Stadt hatte Geld in die Hand genommen und eine Überwachungskamera in der Einrichtung installieren lassen. Eines dieser Bilder wurde im Mai für eine Öffentlichkeitsfahndung genutzt.

Beim letzten Einbruch nahm der Täter Elektrogeräte mit. Als die Polizei dem Einbrecher im September auf die Schliche kam, fanden die Beamten in seiner Wohnung die gestohlenen Geräte aus der Kindertagesstätte. Seine Taten begründete der Mann damit, dass er Hunger hatte.

Die Taten kann man nicht gutheißen, ein Einbruch ist schließlich eine Straftat. Und mit den Erzieherinnen, die jeden Morgen damit rechnen mussten, dass schon wieder ein Fenster eingeschlagen wurde, wollte man nicht tauschen. Aber dennoch muss die Frage erlaubt sein, wie verzweifelt man sein muss, wenn man irgendwo einbricht, um ein paar Joghurts zu stehlen. Die kosten bei Discountern schließlich nur ein paar Cent.

Nicht nur an der Gottfried-Disse-Straße, auch an der Käthe-Kollwitz-Straße sowie in Frauenberg, Gemünd, Schleiden und Nettersheim stiegen Einbrecher in Kitas ein.

Gestohlen wurden ebenfalls meist Kleinigkeiten. (tom)


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?