25.07.2016
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Kraftwerkspläne: Kritik am Trianel-Projekt wächst

Rettet den Rursee

Werner Löhrer (v.l.), Ursula Freifrau von Gagern und Reinhard Menzer besiegelten mit ihrer Unterschrift die Gründung des gemeinnützigen Vereins „Rettet den Rursee.“

Foto:

Beate Weiler-Pranter

Heimbach -

Die Pläne der Firma Trianel zur Verwirklichung eines Pumpspeicherkraftwerks am Rursee werfen immer mehr Fragen auf, und die Front der Ablehnung vor Ort wächst. Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Rursee“ hat inzwischen mehr als 2200 Mitglieder.

Christoph Pranter, der Sprecher der BI, geht davon aus, dass Trianel nicht nur ein Pumpspeicherkraftwerk, sondern mehrere bauen wolle. In Nethe im Kreis Höxter sei das Raumordnungsverfahren inzwischen bereits abgeschlossen, was die BI entsetzt.

Pumpspeicherkraftwerke sinnlos

Inzwischen, so Pranter, untermauere auch eine Studie des Fraunhofer-Instituts in Freiburg die Thesen der Rursee-Initiative gegen das Projekt in der Eifel. Die Studie besage, dass Pumpspeicherkraftwerke seit dem Beschluss zur Energiewende in Deutschland überhaupt keinen Sinn mehr machten. Weitere Neubauten seien daher nicht zielführend.

Sinnvoller sei die sofortige und vor allem verlustfreie Nutzung des Stroms, so die Forderung des Instituts. Christoph Pranter: „Trianel argumentiert mit überholten Zahlen.“ Sämtliche Studien, die von dem Unternehmen vorgelegt worden seien, stammten aus der Zeit vor der Energiewende.

Die Entscheidung der Bezirksregierung Detmold, das Raumordnungsverfahren für das Projekt in Nethe abzuschließen, bezeichnete Pranter als Schritt in die falsche Richtung: „Die Politik hat ein Informationsdefizit.“

Heimbachs Bürgermeister Bert Züll zielt in die gleiche Richtung wie die BI: „Wir werden alles unternehmen, um das Projekt zu verhindern. Und zwar notfalls mit Hilfe der Gerichte. Einen Rechtsanwalt haben wir schon eingeschaltet.“

In den Städten Heimbach und Nideggen stoßen die Pläne für den Bau mehrerer solcher Kraftwerke inzwischen allgemein auf massive Ablehnung. Züll sagte im Hinblick auf die Entscheidung im Kreis Höxter: „Zunächst hieß es, wenn nur eine Stimme dagegen sprechen würde, wäre der Plan vom Tisch.“ Inzwischen, so Züll, glaube er Trianel kein Wort mehr: „Die winden sich ständig rein und raus, sagen heute hü und morgen hott. Ich glaube auch nicht mehr, was ich von denen schriftlich erhalte. Ich glaube nur noch das, was ich sehe.“

Keine Abkehr vom Vorhaben

Denn obwohl inzwischen klare Stellungnahmen gegen die Pläne am Rursee vom Heimbacher Stadtrat, von einer Bürgerinitiative und der Bürgerschaft abgegeben worden seien, sei von einer Abkehr von den bisherigen Vorhaben seitens Trianel keine Rede mehr.

Züll glaubt sogar: „Die werden jetzt vielleicht sogar versuchen, alle drei Standorte durchsetzen.“ Vielleicht werde jedoch aus Kostengründen zunächst auch nur eines der Kraftwerke gebaut. Die Kosten sind jedenfalls nicht von Pappe: Allein für den Bau am Rursee veranschlagt Trianel aktuell ein Investitionsvolumen von 700 Millionen Euro.

Allerdings sieht auch die Bürgerinitiative das Problem, das sich aus dem Koalitionsvertrag von SPD und Grünen in Düsseldorf ergibt. Da sei ausdrücklich vereinbar, dass nicht nur irgendwo ein Pumpspeicherkraftwerk im Lande errichtet werde, sondern dort sei deutlich zu lesen, dass das in der Eifel geschehen solle.