29.07.2016
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Kraftwerkspläne: Mönche von Mariawald protestieren

Abtei Mariawald

Abtei Mariawald

Gästen, die einige Tage der Stille und des Gebets verbringen möchten, stehen im Gästehaus des Kloster Mariawald einige kleine, einfach eingerichtete Zimmer zur Verfügung. Das Gastangebot wendet sich nicht an Touristen und Durchreisende, der Tradition entsprechend werden hier nur männliche Gäste aufgenommen. Eine Kapelle an einer Wegkreuzung im Wald – so begann vor mehr als 500 Jahren die Geschichte des Klosters Mariawald. Später entstand an der Stelle eine Kirche, und 1486 zogen die ersten Mönche nach Mariawald. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Kloster aufgehoben, zerstört, verlassen und wiederaufgebaut. Mariawald ist das einzige männliche Trappistenkloster in Deutschland, 14 Mönche leben heute hier. Besonders für Wanderer lohnt sich ein Besuch des Klosters im Nationalpark Eifel. In der Klostergaststätte gibt es Erbsensuppe und den Mariawalder Klosterlikör, in der Buch- und Kunsthandlung unter anderem Literatur, Devotionalien, Musik und Kerzen. Die Trappistinnenabtei Maria Frieden in Dahlem ermöglicht weiblichen Interessenten einen Einblick in das kontemplative Leben.

Im Klosterladen gibt es (auch online) unter anderem Likör, Senf, Brot sowie Fleisch aus eigener Herstellung.

Öffnungszeiten: Sonn- und feiertags im Anschluss an die Heilige Messe (gegen 11.20 Uhr) bis 18 Uhr; sonst täglich 11 bis 18 Uhr
Anfahrt: Von der A 1, Ausfahrt Euskirchen (112): B 56a Richtung Zülpich, bis die B 56a auf die B 265 stößt. Dort links Richtung Schleiden. Straßenverlauf bis Vlatten folgen, dort rechts nach Heimbach. Ab dort ist die Abtei Mariawald ausgeschildert.

Info: 02446/95060
www.kloster-mariawald.de

(Bild: Gudrun Klinkhammer)

Heimbach -

Die Mönche und Brüder der Trappistenabtei Mariawald fürchten negative Folgen für den Tourismus, sollten die Pläne der Aachener Firma Trianel Realität werden, am Rursee ein gigantisches Pumpspeicherkraftwerk zu errichten. Für ein Investitionsvolumen von 700 Millionen Euro plant der Zusammenschluss von 50 Stadtwerken, der sich hinter dem Namen „Trianel“ verbirgt, das Projekt. Noch ist die Standortentscheidung nicht gefallen.

Zwischen den Orten Schmidt und Strauch würde das Oberbecken errichtet, der See selber würde als Unterbecken dienen. Die Bauzeit der gesamten Anlage würde sich über sechs Jahre oder auch länger hinziehen, ein Jahr lang könnte der Schiffsverkehr auf dem bei Touristen und Wassersportlern beliebten Rursee nicht stattfinden. Wie sich die Schwankungen des Wasserspiegels nach Inbetriebnahme des Pumpspeicherkraftwerks von zwei Metern innerhalb von sechs Stunden auswirken könnte, ist noch unklar. Die planende Firma nennt den Zeitpunkt „noch zu früh“, um Simulationen durchzuführen. Die Anlieger des Rursees, darunter auch die zehn Mönche der Abtei Mariawald mit Abt Josef Vollberg und dem Betriebsleiter Wolfgang Nowak an der Spitze, sprachen sich nun gegen die Trianel-Pläne aus. Nowak: „Die Argumente für ein Pumpspeicherkraftwerk sind in meinen Augen viel zu schwach.“

Zunehmender Erfolg

Rund 100 000 Ausflügler besuchen Mariawald pro Jahr. Zehn Mönche und 25 Mitarbeiter halten den Betrieb aufrecht. Und das mit zunehmendem Erfolg. Wolfgang Nowak: „Vor sechs Jahren gab es finanzielle Turbulenzen, das Kloster war wirtschaftlich in eine Schieflage geraten.“ Inzwischen stehen die Wirtschaftsbetriebe wieder auf soliden Füßen. Es werden – auch dank der Buchhandlung und der für ihre Erbsensuppe bekannte Klostergaststätte – schwarze Zahlen geschrieben.
Die vielen Touristen kommen aber nicht allein wegen des Klosters, sondern besuchen auch den Rursee und andere Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Eine Schiffstour auf dem an die Abtei angrenzenden Gewässer stehe bei den Gästen hoch im Kurs.
Wer möchte, kann sich seit einigen Tagen in der Klostergaststätte und in der Buchhandlung in Unterschriftenlisten gegen die Trianel-Pläne eintragen. Mehr als 100 Unterschriften liegen schon vor, darunter auch die der Mönche, des Abts und des Betriebsleiters. Nowak gab die ersten Zettel bereits an die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ weiter, der schon 2583 Personen angehören.