27.09.2016
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Untreue: Stadt kriegt zurzeit keinen Euro

Prozess Eifel-Therme

Womöglich muss sich die Stadt Mechernich durch die umfangreichen Gerichtsakten kämpfen, um an die Namen der Nutznießer der von Marion K. veruntreuten Gelder zu kommen.

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Joachim Sprothen

Mechernich -

Im Gerichtssaal hatte sich Marion K. ganz reumütig gegeben: Sie bereue die Unterschlagung von Eintrittsgeldern der Wellnessoase „Eifel-Therme“ von ganzem Herzen. Sie sei bereit, den Schaden wiedergutzumachen, soweit ihr dies möglich sei. In der Verhandlung hatte die Angeklagte erklärt, sie werde 300 Euro monatlich an die Stadt zurückzahlen. Zu Lebzeiten, das war allen Beteiligten klar, wird sie damit vermutlich kaum die Zinsen der geschätzten Schadenssumme von 533.000 Euro tilgen können.

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Mittwoch erfuhr, kommen momentan aber nicht einmal die versprochenen 300 Euro bei der Stadt Mechernich an. „Wir haben seit zwei oder drei Monaten kein Geld mehr bekommen“, bestätigte der Erste Beigeordnete Thomas Hambach auf Anfrage. Der Grund: Marion K. hatte bereits im März Privatinsolvenz angemeldet. Mittlerweile hat die 48-Jährige zwar wieder einen Job, aber jenseits der Pfändungsfreigrenze bleibt nicht viel übrig: maximal 300 Euro, die Treuhänder Jochen Müller von der gleichnamigen Mechernicher Kanzlei einsammelt.

„Es gibt ja noch mehr Gläubiger, deren Forderungen prozentual bedient werden müssen. Die Stadt wird von dem, was ich einnehme, als Hauptgläubiger am meisten bekommen. Sicherlich aber keine 300 Euro pro Monat“, so Müller.

Liste angefordert

In der Verwaltung ist man mit dieser Entwicklung alles andere als glücklich. Wie Beigeordneter Hambach erklärte, ist er wild entschlossen, auf zivilrechtlichem Weg teilweise wieder an das Geld zu kommen, das K. als Betriebsleiterin der Eifel-Therme jahrelang abgezweigt hatte. „Wir haben ihren Anwalt aufgefordert, uns die Liste mit denjenigen Leute auszuhändigen, die Geld von Frau K. bekommen haben“, so Hambach.

Christoph Klein, Rechtsanwalt der Ex-Betriebsleiterin, war gestern noch nicht darüber informiert, dass die 300 Euro nicht mehr an die Stadt gezahlt werden. „Das muss ich erst recherchieren“, erklärte der Jurist auf Anfrage. Die Liste mit den Nutznießern des widerrechtlichen Geldsegens im Hause K. könne die Stadt problemlos über die Gerichtsakten erhalten. Seine Mandantin sei nach wie vor kooperativ und wolle den Schaden wiedergutmachen, versicherte Klein.
Man darf gespannt sein, wie die Stadt es anstellt, an das Geld zu kommen, das K. an ihre Töchter, die Schwester, den Bruder, den Ex-Mann, den zeitweiligen Liebhaber und andere verteilt hat.


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