25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Firmenporträt: Ein weltweit gefragter Spezialist
26. February 2013
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Firmenporträt: Ein weltweit gefragter Spezialist

R-T-M

Die Maschinen, die Uwe Rudolf repariert, wiegen mehrere hundert Tonnen. Deshalb können sie kaum transportiert werden.

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Privat

Nettersheim-Tondorf -

„Ich war schon in fast jedem Land auf der Erde“, berichtet Uwe Rudolf. Der 49-jährige Tondorfer reist allerdings nicht um die Welt, um Urlaub zu machen, sondern um sein Brot zu verdienen. Der gelernte Landmaschinenmechaniker hat sich um die Jahrtausendwende selbstständig gemacht und ist Eigentümer der Firma „Rudolf-Technology-Maintenance“, kurz R-T-M. Dies lässt sich mit „Rudolf-Technologie-Dienstleistung“ übersetzen. Die Firma sitzt in Tondorf, hat ihr Lager in Blankenheim und ihre Kundschaft rund um den Globus.

„Wir reisen mit unseren Maschinen zu unseren Kunden – egal, wo sie sitzen“, sagt Uwe Rudolf. Das Unternehmen ist spezialisiert auf mobile Zerspanungstechnik, also das Drehen, Fräsen, Bohren oder Schleifen direkt beim Kunden. Im Laufe der Jahre hat R-T-M sich schwerpunktmäßig auf Turbinen konzentriert, denn da gelten die höchsten Anforderungen an die Genauigkeit. Gleichzeitig sind die zu reparierenden Werkstücke so groß, dass sie sich nur unter großen Schwierigkeiten an einen anderen Ort transportieren lassen.

„Große Turbinen wiegen zwischen 300 und 400 Tonnen“, weiß Servicetechniker André Weber. Da sei es einfach praktischer, die Maschinen, die bei den Reparaturarbeiten benötigt werden, zu transportieren. Die Tondorfer Firma besitzt allerdings keine typischen stationären Drehmaschinen, die ebenfalls enorm groß sind, sondern Spezialanfertigungen. Sie lassen sich auseinanderbauen und für den Transport in Kisten verpacken.

0,01 Millimeter Toleranz

Diese transportablen Maschinen arbeiten trotzdem mit enormer Genauigkeit. „Beim Schleifen von Turbinenschaufeln beträgt die Toleranz 0,01 Millimeter, ein menschliches Haar ist dagegen mit 0,3 Millimetern schon richtig dick“, hat Weber einen Vergleich parat. Dabei haben die Turbinenräder einen Durchmesser von mehr als drei Metern. Firmenchef Rudolf: „Bei Kunden können wir Werkstücke bis zu einem Durchmesser von 4,50 Metern drehen, unsere Fräsmaschine hat eine Aufspannung von 4,50 mal drei Metern.“ Bei einem Kunden in Spanien stellte man auch schon einmal auf die Schnelle eine Schraube mit Linksgewinde her, die einen Durchmesser von 23 Zentimetern hatte.

Die Eifeler Firma arbeitet viel für große Konzerne wie Siemens, Babcock oder Alstrom, die Turbinen herstellen. Sie war aber auch schon im Einsatz für Audi und Daimler-Benz in der Automobilbranche. Sie hilft bei der Reparatur von Windrädern, Flugzeugen oder Schiffen oder springt in der Chemie- und in der Stahlindustrie ein. Weltweit gibt es nur fünf Firmen mit einem ähnlichen Arbeitsgebiet wie R-T-M.

„Die reine Arbeitszeit beträgt oft nur ein paar Stunden, aber das ganze Drumherum kann schon mal drei bis vier Wochen in Anspruch nehmen“, so der Firmenchef. Wenn ein dringender Auftrag in Tondorf eingeht, werden zunächst die Kisten mit den Maschinen per Flugzeug in das Zielland geflogen. Bis sie vom Zoll freigegeben und an den Einsatzort gebracht werden, kann viel Zeit vergehen. Trotzdem ist dieser Weg schneller, als wenn man das defekte Teil ausbauen und zur nächsten Werkstatt transportieren würde.

Flexibilität gefragt

„Kein Auftrag ist wie der andere, jede Turbine ist anders konstruiert, die Gegebenheiten vor Ort sind immer unterschiedlich“, erklärt Servicetechniker Weber den Reiz seiner Arbeit. Bei den Einsätzen muss man auch äußerst flexibel sein und viel Geduld haben. „Ich war einmal acht Monate in Dubai, nur um 16 Löcher mit einem Durchmesser von acht Millimetern bohren zu können“, berichtet Firmenchef Rudolf. Eigentlich sollte er vier Turbinen modernisieren. Doch nachdem die Arbeit an der ersten abgeschlossen war, konnten die anderen nicht mehr, wie ursprünglich vorgesehen, vom Stromnetz genommen werden. Und seine Auftraggeber wollten ihn auch nicht in seine Heimat fliegen lassen, um im entscheidenden Augenblick nicht zu lange auf seine Rückkehr warten zu müssen.

Ein anderes Mal unternahm der Tondorfer eine dreiwöchige Schiffsreise von Le Havre nach Malaysia, allerdings nicht auf einem Kreuzfahrtschiff, sondern auf einem Tanker. Rudolf hatte im Hafen Arbeiten am Antrieb des Schiffs erledigt. Damit war er auch schon fertig, als der Tanker ablegte. Es hätte aber noch eine Stunde gedauert, um auf den Kran zu warten, der seine Maschinen von Bord geholt hätte. Doch auch in der Schifffahrt zählt jede Stunde.

Die beiden könnten noch viel mehr erzählen, von einem Gefängnisaufenthalt in Pakistan etwa oder davon, wie flinke Chinesen eine ganze Maschine kopierten. Doch sie haben eine Anfrage aus Kolumbien bekommen und müssen dringend ein Angebot erstellen.