27.09.2016
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Pumpspeicherkraftwerk: Investor ist aus dem Projekt ausgestiegen

Das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Rursee sorgt weiter für Trubel.

Das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Rursee sorgt weiter für Trubel.

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Archiv

Rursee -

Rursee. Die Pläne für das Pumpspeicherkraftwerk (PSW) am Rursee sind geplatzt. Ausgerechnet Reiner Priggen, Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, ließ am Freitagmittag im Düsseldorfer Landtag eine Bemerkung fallen, die sich verbreitete wie ein Lauffeuer. Er sagte, dass die Pläne für das umstrittene PSW am Rursee vor dem "Aus" stünden. Im Tagesordnungspunkt vier des Plenums ging es eigentlich um das halbfertige Kraftwerk in Datteln. In diesem Zusammenhang betonte Priggen, dass die Grünen und die SPD sich massiv für Pumpspeicherkraftwerke stark machen würden. Speziell die CDU ging in den vergangenen Monaten allerdings immer mehr auf Konfrontationskurs, was die Pläne am Rursee betraf. Priggen sagte während der Plenardebatte, als Vorwurf gegen die CDU, wörtlich: "Die CDU ist dafür verantwortlich, dass die Gesellschafterversammlung der Firma Trianel heute das "Aus" für das PSW am Rursee beschlossen hat." In einer anschließenden Pressemitteilung sagt Reiner Priggen: „Die Begründung von Trianel ist nachvollziehbar, ich habe Verständnis für die unternehmerische Entscheidung. Aber für die Energiewende in Nordrhein-Westfalen ist das eine richtig schlechte Nachricht." Speicherkraftwerke seien ein unverzichtbarer Baustein für die Energiewende, sie seien ein Teil der großen Lösung. Das Kraftwerk am Rursee bezeichnet Priggen als einen "gigantischen Plan". Es wäre tatsächlich mit zuletzt veranschlagten 1,2 Millionen Euro die bisher größte Investition in der Eifel geworden.

Die Firma Trianel äußerte sich in einer Presseerklärung am Freitagnachmittag zu ihrem Rückzug: "Die an der Projektentwicklung für das geplante Wasserspeicherkraftwerk Rur beteiligten Stadtwerken stehen als Investoren am Rursee nicht mehr zur Verfügung." Grund sei die erneute Verschiebung des Themas im Kölner Regionalrat. "Die Partner", so Projektleiter Dr. Markus Hakes, "sehen aufgrund des fehlenden politischen Rückhalts für das wichtige Zukunftsprojekt keine Basis mehr für weitere Investitionen am Rursee."

Erleichterung in der Eifel

Ganz anders sind die Reaktionen aus der Eifel. "Gott sei Dank, wir sind unglaublich erleichtert und beruhigt, dass endlich die Bedenken der Anlieger greifen", sagt Christoph Pranter, der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) "Rettet den Rursee", als er davon hört, dass im Düsseldorfer Landtag am Freitagmittag die Nachricht vom "Aus" des PSW durchsickerte. Allein im Internet stellten sich inzwischen 7024 Personen hinter das Anliegen der BI. Pranter: "Es geht ein Aufatmen durch die ganze Region." Auch der SPD-Ortsverein Heimbach reagierte erfreut. In einer Pressemitteilung schreibt der SPD-Ortsverein: "Die Gefahr, die das PSW für den Tourismus und damit für die Existenz unserer Kommune dargestellt hat, ist gebannt. Damit ist unser stets verfolgtes Ziel erreicht." Es sei sehr beeindruckend gewesen, wie sich eine ganze Region gegen die Pläne eines riesigen Konzerns gestellt habe. Einen großen Dank zollte der SPD-Ortsverein der BI „Rettet den Rursee“, die mit viel ehrenamtlichem Engagement dazu beigetragen habe, dass sich Menschen mit dem Thema auseinander gesetzt hätten. Stefan Götz, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion im Regionalrat Köln, sagt zum Scheitern der Pläne: „Unabhängig von den ungeklärten Fragen zur Verträglichkeit eines Pumpspeicherkraftwerks am Rursee mit dem Hochwasserschutz, dem Trinkwasser oder der touristischen Nutzung, hat die CDU-Fraktion spätestens seit Januar diesen Jahres die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens angezweifelt." Die CDU-Fraktion habe immer betont, dass sie den Bau von PSW als notwendige Stromspeicher im Zuge der Energiewende befürworte. Götz: „Deshalb stehen wir weiterhin Projekten grundsätzlich positiv gegenüber, sollte an anderer Stelle die Perspektive für ein solches Projekt raumverträglich und wirtschaftlich realisierbar sein.“ Johannes Remmel, Umweltminister des Landes Nordrhein-Westfalen, bedauert die Entscheidung von Trianel. Er sagt: "Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro werden damit nicht in die Eifel fließen. Das trifft das Land, aber auch die Region schwer." Remmel machte vor allem die CDU für den Rückzug verantwortlich. Er mahnt an: "Auf Bundesebene spricht sich die CDU für solche PSW aus, in NRW hingegen wird eine solche Investition jetzt blockiert."

Die CDU zeige damit nicht nur ihre Technikfeindlichkeit, sondern auch, dass sie an regionalen Investitionen kein Interesse habe. Der Minister spricht sich weiterhin für den Einsatz der umweltfreundlichen und hocheffizienten Technologie in NRW aus. PSW seien ein wichtiger Beitrag für die beschleunigte Energiewende. Daher brauche NRW solche Großprojekte. Remmel: "Ich hoffe daher, dass die Entscheidung von Trianel nicht andere Investoren abschreckt. Wir müssen uns entscheiden, ob wir weiterhin auf veraltete Technologien setzen, die in ein Industriemuseum gehören, oder das Land von den Zukunftsenergie profitiert. Die Landesregierung setzt auf die Zukunftsenergien, die CDU offenbar nicht." Bert Züll (CDU), Bürgermeister der an den Rursee angrenzenden Stadt Heimbach, war fast zu Tränen gerührt, als er sagte: "David hat endlich mal gegen Goliath gesiegt. Für mich ist das sensationell und war so gar nicht absehbar." Züll bezeichnet die Rückzugsentscheidung von Trianel als "Sieg für die gesamte Ferienregion Rursee". Er bedankt sich bei der Bürgerinitiative "Rettet den Rursee" für die ausgezeichnete Arbeit. Für Simmerath und seinen Kollegen dort - die Simmerather Politiker sprachen sich für die Pläne der Firma Trianel aus - hatte er kein gutes Wort übrig.