25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Riesen-Kraftwerk: Rursee-Retter demonstrierten
10. March 2013
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Riesen-Kraftwerk: Rursee-Retter demonstrierten

Demonstration

Rund 1000 Demonstranten forderten jüngst in Schwammenauel, dass der Rursee auch in Zukunft ein reines Naherholungsgebiet bleibt.

Foto:

Gudrun Klinkhammer

Heimbach-Schwammenauel -

„Finger weg vom Rursee“, so lautete die Botschaft, die rund 1000 Demonstranten sowohl an die Aachener Firma Trianel als auch an die Regierung sandten. Die Menschen, die am Samstag auf dem großen Parkplatz vor dem Seehof in Schwammenauel bei strömendem Regen demonstrierten, wandten sich massiv gegen das Pumpspeicherkraftwerk, das am Rursee entstehen soll.

Mit 700 Millionen Euro wird das Großprojekt derzeit veranschlagt, rund acht Jahre könnte die Bauzeit betragen. Der See müsste über mehrere Monate hinweg komplett trockengelegt werden. Zwischen den Orten Schmidt und Strauch würde zudem ein Obersee gebaut werden. Der Rursee wäre das Unterbecken, in dem der Wasserspiegel nach Inbetriebnahme des Kraftwerks täglich um mindestens zwei Meter innerhalb von sechs Stunden schwankt.

Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Rursee“, die zur Demo aufgerufen hatten, bot den Anwesenden ein buntes Bühnenprogramm. Um genau „Fünf vor Zwölf“ dröhnte eine Schiffsglocke schrill über den Platz, quasi der Startschuss für die Demo. Gerd Linden, Museumslandwirt in Kommern und CDU-Fraktionschef in Heimbach, läutete den Widerstand gut hörbar ein.

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Kabarettist Hubert vom Venn hatte die Moderation übernommen: „Wir Eifeler haben in der Vergangenheit sehr viel zur Energiewende beigetragen, wir haben Spargel erlaubt.“ Mit „Spargel“ meinte er die unzähligen Windräder, die von den Eifelhöhen bis zu 150 Meter hoch in den Himmel ragen. Die Eifeler hätten sich erst gegen die Energiewende gewehrt, als diese in autoritärer Form auf sie zugerollt sei. Vom Venn: „Bei den Grünen habe ich inzwischen das Problem, sie »grün« zu nennen. Wir sind wahrscheinlich grüner als die Grünen heute in ihrer Bürgerlichkeit.“ Er forderte, dass der Rursee seine Natürlichkeit bewahren darf.

Franz-Josef Heuken, der gemeinsam mit seiner Frau Waltraud den erst vor wenigen Jahren komplett sanierten „Seehof“ in Schwammenauel und auch die komplette Rurseeschifffahrt betreibt, sagte: „Hier möchten große Jungs mit einem großen Spielzeug auf Kosten anderer spielen.“ Die Zukunft des Sees als Tidengewässer könne keine gute sein. Heuken: „Welcher Fahrgast möchte noch auf einem Sumpfloch unterwegs sein? Nein, da will später keiner mehr hin.“

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Klare Worte fanden auch die Vertreter der Abtei Maria Wald. Abt Josef Vollberg machte darauf aufmerksam, dass die Region vom Tourismus lebt und dieser einbrechen wird, wenn die Pläne verwirklicht werden. Dem pflichtete Wolfgang Nowak, der Geschäftsführer der Heimbacher Abtei, bei. Auch Günter Becker, Betreiber einer Segelschule am Rursee, fand nur kritische Worte: „Ich möchte den Grünen nicht die Frösche vorzählen, aber dieses Pumpspeicherkraftwerk wird ein Umweltdesaster.“ Zudem sei ein derartiges Mammutbauwerk der Sache gar nicht dienlich. Becker: „Wir brauchen einen Langzeit- und keine Kurzzeitspeicher. Wenn das hier kommt, dann können wir einpacken.“

Unbeantwortete Fragen

Ursula Freifrau von Gagern aus Vlatten, stellvertretende Vorsitzende der BI, fasste in einem Satz zusammen: „Wir wollen das Kraftwerk nicht!“ Viele Fragen seien seit 2011 seitens der Bevölkerung der Firma Trianel gestellt worden, Antworten darauf habe es keine gegeben.

Für Kurzweil im Programm sorgten Mundartexperte Manfred Lang und Eifeltroubadour Günter Hochgürtel. Lang blickte zurück in die Geschichte und zitierte Kaiser Wilhelm II., der gesagt haben soll: „Die Eifel ist ein herrliches Jagdrevier, nur schade, dass da Menschen leben.“ Mentalitätstechnisch habe sich bis heute leider bei vielen nichts geändert. Es sei den meisten „drissejal“, was in der Eifel los sei, Hauptsache, man könne dort schön aufmarschieren. Das führe dazu, dass der Eifeler irgendwann sagt: „Möt mir net!“

Günter Hochgürtel verpackte seine Kritik und seine Heimatliebe in zwei musikalische Beiträge. Für kurze Zwischenspiele sorgten Dr. Mohamed Bidaoui (Kontrabass) und Frank Ledig (Akkordeon). Am Freitag, 15. März, tagt ab 10 Uhr der Regionalrat in der Zeughausstraße in Köln.

Christoph Pranter, Sprecher der BI, rief alle Gegner der Kraftwerkspläne dazu auf, an der öffentlichen Sitzung in Köln teilzunehmen, in der die Fläche für das Oberbecken zur Industriefläche umgewidmet werden soll. Durch die Anwesenheit der Protestler soll die Entscheidung des Regionalrats beeinflusst werden.