29.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Rursee: Regionalrat entscheidet über Kraftwerk

Rursee Schwammenauel

Bilderbuchperspektive vom Rursee – eine Sommerszene aus Schwammenauel

Foto:

Gudrun Klinkhammer

Heimbach -

Trübes Wasser und ausgefranste Uferbereiche – sieht so der idyllische Rursee in der Eifel im Jahr 2020 aus? An diesem Freitag entscheidet der Regionalrat in Köln über den ersten Schritt zu einem Großprojekt, das die Menschen in der Region in Gegner und Befürworter spaltet: Das 640-Megawatt-Pumpspeicherkraftwerk für 700 Millionen Euro, das das Unternehmen Trianel errichten will. Am Freitag geht es um die Genehmigung für den 50 Hektar großen Obersee (auf 81 Hektar Grundstück) zwischen den Ortschaften Schmidt und Strauch. Die Fläche, auf der das Oberbecken entstehen soll, muss in eine Industriefläche umgewidmet werden, damit Trianel in Aktion treten kann.

#image(1)

In Heimbach am Rursee flammte das Thema erstmalig am 17. August 2011 in einer Ratssitzung auf – im nichtöffentlichen Teil. Die SPD stellte den Antrag, die Präsentation in den öffentlichen Teil zu verlegen. Fortan beschäftigten sich Politiker und Bürger mit der Vision. Bürgerversammlungen fanden in der ganzen Region statt. Noch immer klingt der Satz von Projektleiter Hakes im Ohr, der im Mai 2012 sagte: „Wir wollen einen Mehrwert für den Rursee schaffen. Ist nur eine Stimme dagegen, wird das Kraftwerk nicht gebaut.“

Die Fachleute der Firma Trianel betonten, dass sie drei Standorte in Deutschland ausgewählt hätten, letztendlich aber nur einen bauen wollten. Neben dem Rursee ist das ein Gewässer im Kreis Höxter und eins im Thüringer Wald. Inzwischen heißt es, dass alle drei Standorte realisiert werden, wenn es Genehmigungen gibt.

Die Wogen vor allem in Heimbach schlugen hoch – die Stadtvertreter stellten 150 Fragen zusammen, die Trianel nicht zufriedenstellend beantwortete. Das Planungsstadium sei noch zu früh, um ins Detail zu gehen, so die Erklärung des Unternehmens. Die offenen Fragen wie etwa zur Aufwirbelung der Sedimente oder zur ständigen Schwankung des Wasserspiegels ließen Teile der Bevölkerung misstrauisch werden. Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Rursee“ formierte sich 2012, inzwischen bekennen sich gut 3000 Menschen zur BI, am vergangenen Wochenende demonstrierten gut 1000 Menschen gegen die Pläne.

Die Gemeinde Heimbach verfasste ein Papier, in dem sich alle Parteien bis auf Bündnis 90/Die Grünen gegen das PSW aussprachen. Auch der Kreis Düren lehnt die Pläne ab. Der Kreis Euskirchen votiert für das 700-Millionen-Euro-Projekt, ebenso die Gemeinde Simmerath, auf deren Gebiet der Obersee entstehen soll.

Die Tagesordnung des Regionalrates birgt wenige Hinweise darauf, wie die Abstimmung enden könnte. Das Thema beginnt mit einem Vertagungsantrag der FDP. Sollte er abgelehnt werden, entscheidet das Gremium über den Obersee.

Es ist zu erwarten, dass die CDU-, SPD- und FDP-Mitglieder aus dem Kreis Düren das Projekt ablehnen, während CDU- und SPD-Politiker aus der Städteregion Aachen das Projekt befürworten werden. Die einzige Partei, die überzeugt zu den Plänen steht, sind die Grünen. Dem Regionalrat gehören 41 Stimmberechtigte aus dem Regierungsbezirk an.

Gibt es ein positives Votum für das Kraftwerk, wird danach über das Raumordnungsverfahren zur Netzanbindung entschieden.