25.07.2016
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Flüchtlinge: Sorgen und Hilfsbereitschaft rund um die Unterkunft Vogelsang

500 Flüchtlinge können demnächst im Speisesaal von Camp Schelde Platz finden, das unter Regie von Rolf Zimmermann und Kerstin Brandhoff vom DRK eingerichtet wird.

500 Flüchtlinge können demnächst im Speisesaal von Camp Schelde Platz finden, das unter Regie von Rolf Zimmermann und Kerstin Brandhoff vom DRK eingerichtet wird.

Schleiden -

Es war kaum noch ein Platz frei in der Aula des Städtischen Gymnasiums. Rund 300 Bürger hatten sich eingefunden, um sich über das „Camp Schelde“ in Vogelsang informieren zu lassen, das ab dem 1. Mai als Flüchtlingsunterkunft des Landes dient.

In der Versammlung wurden vielfach Bedenken über Unterbringung von bis zu 900 Flüchtlingen geäußert. Sorgen wurden ob der Zahl der unterzubringenden Menschen und des abgelegenen Orts geäußert. Dabei blieb die Diskussion stets sachlich und geriet nicht zu einer Abrechnung über Flüchtlingspolitik.

900 Flüchtlinge – das seien mehr als Herhahn und Morsbach zusammen Einwohner haben, versuchte ein Morsbacher die Dimension deutlich zu machen. Viele Einwohner der Orte Herhahn und Morsbach waren gekommen, um ihre Sorgen zu artikulieren. „Wie schützt uns die Polizei? Wie lange dauert es, bis ein Streifenwagen bei uns ist?“ Das waren Fragen, die die Anwohner bewegten.

„Ein altes Problem“, bestätigte Polizeidirektor Christian Außem, dass im Südkreis nachts nur zwei Streifenwagen im Einsatz seien: „Je nachdem, wo die sich befinden, kann es auch schon einmal länger dauern.“ Doch genauso sei es möglich, dass ein Wagen nach wenigen Minuten vor Ort sei. Es sei nicht zu erwarten, dass er in Zukunft über mehr Polizisten verfügen könne. „Ich hätte gerne zwei Streifenwagen mehr zur Verfügung, ganz unabhängig von Flüchtlingen“, so Außem. Auf jeden Fall würden demnächst in Herhahn und Morsbach mehr Streifenwagen bei Aufklärungsfahrten zu sehen sein. „Das heißt nicht, dass etwas passiert ist“, stellte er klar.

Dass die Flüchtlinge ein Sicherheitsrisiko darstellen, verneinte Michael Bauermann vom Landesamt für zentrale polizeiliche Dienste, dass die Sicherheitslage in Flüchtlingsheimen überwacht. Insgesamt habe es 2015 bei 330 000 Flüchtlingen in NRW 7800 Einsätze im Zusammenhang mit Flüchtlingen gegeben – bei einer Gesamtzahl von 4,7 Millionen Einsätzen. „Das meiste, was passiert, passiert nicht außerhalb, sondern innerhalb der Einrichtungen“, erklärte er.

Über gute Erfahrungen mit der seit Juli 2015 bestehenden Notunterkunft im Schullandheim Gemünd berichtete der Leiter der Polizeiwache Schleiden, Volker John. „Das war eine exzellente Zusammenarbeit“, lobte John das Zusammenspiel mit Ralf Hergarten, dem Leiter der Einrichtung. Die Zahl der Polizeieinsätze sei verschwindend gering. Hergarten habe früh Hinweise gegeben, wo sich Probleme entwickeln könnten. „Er hat ein Näschen dafür, wo sich die Polizei drum kümmern könnte“, lobte John den ehemaligen Schleidener Bürgermeister, der auch Camp Schelde leiten wird. Für Vogelsang sei eine Vielzahl von Einsatzkonzepten ausgearbeitet worden.

Dr. Axel Rosenthal, bei der Bezirksregierung Köln für die Unterkünfte der Flüchtlinge zuständig, beschrieb das Zusammenspiel der verschiedenen Einrichtungen. Mit Hilfe der Zentralen Unterbringungseinrichtungen sollten die im letzten Jahr eingerichteten Notunterkünfte wieder zurückgegeben werden, betonte er. Seit Anfang des Jahres seien 2500 Plätze abgebaut werden. Doch eine Entspannung sei nicht zu erwarten. Es warteten noch Tausende darauf, nach Deutschland zu kommen. „Wir rechnen mit ähnlich hohen Ankunftszahlen wie im vergangenen Jahr“, führte er aus.

In der Versammlung wurden nicht nur Bedenken geäußert. Spontane Hilfsangebote kamen genauso aus der Zuhörerschaft wie gut gemeinte Vorschläge. Für das DRK, das die Flüchtlinge im Camp Schelde betreuen wird, schilderten Rolf Klöcker und Kerstin Brandhoff das geplante Konzept. Es sei sinnvoll, ein Abendprogramm anzubieten, regte ein ehemaliger belgischer Soldat an. „Wenn es dunkel wird in Vogelsang, wird es sehr langweilig“, sagte er.

Die gespannte Stimmung im Saal löste sich, als ein ehemaliger belgischer Soldat Sicherheitsbedenken mit einer Handy-App zerstreuen wollte, über die jeder seinen Standort im Nationalpark per SMS übermitteln könne, so dass sich niemand Sorgen machen müsse, sich zu verlaufen. Mit hochgehaltenem Handy lief er durch den Saal, während sich unter den Eifelern mit ihrem gesunden Sinn für Situationskomik Heiterkeit breitmachte.


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