27.08.2016
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Kontaminiertes Trinkwasser in Scheuren: Brunnen mit Keimen belastet

Ulla Schmid-Scholz muss ihr Anwesen nun eventuell an die öffentliche Wasserversorgung anschließen.

Ulla Schmid-Scholz muss ihr Anwesen nun eventuell an die öffentliche Wasserversorgung anschließen.

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dpa

Scheuren/Flamersheim -

Ulla Schmid-Scholz ist mit den Nerven ziemlich am Ende. Sie hat in den letzten Wochen unzählige Male mit Behörden telefoniert. Aber ihre Probleme sind dadurch nicht kleiner geworden. Sie hat in ihrem Haus kein fließendes Wasser mehr, muss es im Kanister aus dem nahe gelegenen Scheuren holen, wo sie auch bei einer Freundin duscht und ihre Wäsche waschen lässt.

Nicht gerade die optimalen Bedingungen, um ein Seminarhaus zu betreiben. Die 53-Jährige glaubt, die Ursache zu kennen: Ende Oktober hätten zwei große Lastzüge an den Wiesen gegenüber dem Forsthaus Scheuren, in dem Schmidt-Scholz seit 25 Jahren lebt, gehalten. Sie hätten Gülle geladen gehabt, die an auf den Weiden verteilt worden sei.

Kolibakterien und andere Schadstoffe

Wenige Tage später bemerkte die gebürtige Bayerin, dass aus ihrem Wasserhahn ein übler Geruch drang. Das Wasser, das sie aus einem eigenen Brunnen vor dem Haus bezieht, war ungenießbar. „Ich trinke, seit ich hier lebe, aus dem Brunnen. Es hat nie irgendein Problem mit der Qualität gegeben, wie die regelmäßigen Proben belegen“, so Schmid-Scholz.

Sie bat die Untere Wasserbehörde des Kreises um Hilfe. Dort sei ihr gesagt worden, sie müsse erst einmal eine Wasserprobe nehmen und auf eigene Kosten untersuchen lassen. Was Schmid-Scholz auch tat. Die Untersuchung habe fast 500 Euro gekostet und den Beweis erbracht, dass im Wasser aus dem Brunnen die Grenzwerte für Kolibakterien und andere Schadstoffe um ein Vielfaches überschritten seien.

Finanzielle Einbußen

Die Analyse habe sie der Unteren Wasserbehörde geschickt, die ebendiese Werte auf offiziellem Briefbogen des Kreises wieder zurückgeschickt und angeordnet habe, dass der Brunnen bis auf Weiteres nicht mehr benutzt werden dürfe, berichtet die Frau.

„Ich fühle mich von den Behörden im Stich gelassen.

Jemand kontaminiert meinen Brunnen mit Gülle, und beim Kreis oder auch bei der Stadt will niemand zuständig sein“, klagte Ulla Schmid-Scholz gestern bei einer Pressekonferenz in ihrem Forsthaus, das laut Adresse zum 15 Kilometer entfernten Euskirchener Außenort Flamersheim gehört, aber nur 180 Meter vom Ortsschild des Münstereifeler Stadtteils Scheuren entfernt liegt.

Natürlich versuchte Schmid-Scholz zunächst herauszufinden, wer Eigentümer der Wiesen ist, auf denen die Gülle abgekippt wurde, und woher das Zeug stammt. Weil der Seminarbetrieb seit Anfang November quasi lahm liegt, entstehen der 53-Jährigen finanzielle Einbußen.

Sie habe versucht, die Behörden dazu zu bewegen, Bodenproben zu entnehmen, um vor Gericht beweisen zu können, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Gülleeintrag und der Verunreinigung des Brunnens gebe, erzählt sie.

Anschluss würde 50 000 Euro kosten

Aber die Untere Landschaftsbehörde habe lediglich einen Mitarbeiter nach Scheuren geschickt, der die Jauche im Graben per Foto dokumentiert habe. Hans Nositschka aus Wachendorf, einer der Gegner der dort geplanten Massentierhaltung, sagte bei der Pressekonferenz: „Eine Klage gegen Unternehmen oder Landwirte, die Gülle in dieser Größenordnung produzieren, ist für einen Privatmann schwierig, weil die Prozesse meist bis in die letzte Instanz geführt werden und kaum eine Rechtsschutzversicherung das mitmacht.“

In ihrer Not versuchte Ulla Schmid-Scholz, einen offiziellen Wasseranschluss zu bekommen. Dafür ist, weil das Forsthaus zu Euskirchen gehört, die Kreisstadt zuständig, deren nächste Wasserleitung allerdings kilometerweit entfernt liegt. Für einen Anschluss an das Scheurener Netz müsste Schmid-Scholz eine Sondergenehmigung beantragen und die Leitung auf eigene Kosten bis zum nächststehenden Haus verlegen lassen. „Das würde mich mit allem Drum und Dran 50 000 Euro kosten.“ Sie hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, die von der Unteren Wasserbehörde unterstützt wird. Aber ob der Verursacher gezwungen werden kann, für den Schaden aufzukommen, scheint mehr als fraglich.

„Wir müssen uns generell gegen das Ausbringen großer Güllemengen hier in unserer weitestgehend intakten Landschaft wehren“, sagte Katharina Schmidt-Loske, eine Freundin der Hausherrin.

Die beiden Frauen arbeiten im Arbeitskreis „Grünlandschutz“ der Dörfergemeinschaft Thürne mit, um die Gülleproblematik in den Griff zu bekommen.