31.07.2016
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Nationalpark: Abriss der Kampfhäuser im Gange

Kampfhäuser, Abriss, Wollseifen

Mit der Baggerschaufel wurde das erste der Wollseifener Kampfhäuser im Nationalpark Eifel zum Einsturz gebracht.

Foto:

Stephan Everling

Schleiden-Wollseifen -

Passend zum Anlass hatten sich dunkle Wolken über den Kampfhäusern in Wollseifen zusammengeballt, als der Abrissbagger anrollte, um die Überreste der belgischen Truppen dem Erdboden gleichzumachen. Mit seinem knapp 160 PS starken und 23 Tonnen schweren Komatsu-Bagger begann Guido Glasmacher am Dienstagmittag, die Mauern des ersten von etlichen Kampfhäusern einzureißen. Wie Legosteine purzelten die weißen Kalksandquader zu Boden.

„Das macht schon Spaß“, gab Glasmacher zu. Zumal er bei den rudimentären Rohbauten kaum damit rechnen muss, auf größere Probleme wie etwa Asbest zu stoßen, die kompliziert entsorgt werden müssten. „Nur die Dachpappe muss vom Bauschutt getrennt werden“, meinte er, während er vom Bagger stieg, um die Fetzen des schwarzen Materials einzusammeln.

Im Frühjahr dieses Jahres hatten Nationalparkverwaltung und Bundesforstamt den Abriss der Trainingshäuser beantragt, was in der Folge zu einer intensiven Diskussion in der Politik über deren Denkmalwürdigkeit führte. Die Bauten waren von der belgischen Armee auf dem Gelände der Wüstung Wollseifen errichtet worden, um dort den Häuserkampf zu trainieren.

Zwei Bauphasen zu erkennen

Deutlich sind zwei Bauphasen zu erkennen: im belgischen Stil entworfene, verputzte Häuser und zweistöckige Rohbauten aus den 70er Jahren, die den Charme des sozialen Wohnungsbaus ausstrahlen.

Während die Forstverwaltung als Eigentümer auf Probleme mit der Verkehrssicherung verwies, wollten Gegner des Abrisses die Geisterstadt als Denkmal gegen den Kalten Krieg erhalten.

Schließlich wurde ein Kompromiss gefunden, mit dem alle Beteiligten gut leben können. Während die meisten der Häuser und auch die als Deckung in die Landschaft gebauten Mauern verschwinden werden, bleiben sechs der zweistöckigen, aus Kalksandsteinen erbauten Häuser stehen, um an den Truppenübungsplatz zu erinnern. Auch eins der ersten Trainingshäuser soll erhalten bleiben und natürlich Schule und Trafohäuschen, die einzigen Überbleibsel des untergegangenen Dorfes Wollseifen.

Zwei bis drei Wochen werden die Arbeiten voraussichtlich dauern, um die zum Abriss vorgesehenen Bauten komplett zu beseitigen. Dann hat die Firma Glasmacher, die in der Nähe der Mülldeponie eine eigene Bauschuttrecyclinganlage betreibt, die Flächen so weit freigelegt, dass auch hier das Nationalparkmotto „Natur Natur sein lassen“ Wirklichkeit werden kann.