28.09.2016
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Protest gegen Bürgerwindpark: „Ich kann keine Nacht mehr schlafen“

Schleiden-Ettelscheid -

Seit einigen Wochen sind die Windräder zwischen Dreiborn und Scheuren in Betrieb, und nun zeigt sich, dass die Begeisterung über den Bürgerwindpark doch nicht so einhellig ist, wie Schleidens Bürgermeister Udo Meister kürzlich sagte. Während die Steine des Anstoßes, die sechs 200 Meter hohen Windkraftanlagen, sich dezent in einen dichten weißen Nebelmantel hüllten, trafen sich im Dorfsaal in Ettelscheid die Anwohner zu einer Veranstaltung unter dem Titel „Gegenwind“ und machten ihrem Ärger Luft.

„Ich kann keine Nacht mehr schlafen“, sagte Kathrin Funke, die gemeinsam mit Oliver Zöll zu der Veranstaltung eingeladen hatte und auch die Moderation übernahm. Seltsam sei nur, dass es bei Westwind eigentlich am Schlimmsten sei. „Wir dachten eigentlich, dann schallt es nach Herhahn“, scherzte sie.

Aus Ettelscheid, Scheuren und Herhahn waren rund 60 Bürger gekommen, um deutlich zu machen, dass der Betrieb der Windräder nicht ohne Auswirkungen bleibt. Betroffen sind vor allem die Häuser, die in Ettelscheid auf dem Heidersberg und dem östlichen Rand des Dorfes liegen. Doch auch die Ortsrandlagen von Herhahn und Scheuren sind nicht weniger betroffen.

„Ich bin stinksauer und wütend“, meinte eine Anwohnerin. Sie befürchtete vor allem langfristig Gesundheitsschäden durch den Infraschall, der von den Windrädern ausgehe. „Bluthochdruck, Schwindel, Angstzustände und Depressionen hat eine Studie der Universität Lund in Schweden bei den Anwohnern von Windkraftanlagen festgestellt“, zitierte sie. Vom Infraschall seien auch die Betroffen, die keine Geräusche hören könnten.

Vor allem sei ein permanentes Brummen zu hören, beschwerten sich viele. „Bei den kleinen Anlagen war nur der Flügelschlag zu hören gewesen, da reichte es ein Fenster zu schließen“, meinte ein Herhahner. Doch dieses Brummen sei nicht zu stoppen. Manche Anwesende befürchteten, dass dieses Geräusch wahrscheinlich nicht von den Lärmgutachten erfasst würden, da die Frequenz unter der Grenze von 20 Hertz liege.

Kritik an der Informationspolitik

Kritisiert wurde vor allem die Informationspolitik der Stadt Schleiden. Wesentliche Dokumente seien nicht im Bürgerbrief veröffentlich worden. Das Lärmschutzgutachten sei durch eine Firma erfolgt, die am Betreiber beteiligt sei. „Stadt und Rat sind von den Geschäftsleuten über den Tisch gezogen worden“, beklagte sich einer. Verbittert reagierten die Anwohner darauf, dass die Informationsveranstaltung in Scheuren erst stattgefunden habe, nachdem sämtliche Entscheidungen getroffen worden waren.

Auch ein Wertverlust der betroffenen Häuser wurde beklagt. „Ich wäre doch hier nicht hingezogen, wenn ich das gewusst hätte“, klagte Funke. Ihr Haus sei praktisch unverkäuflich oder nur mit Verlusten. Ähnlich äußerte sich ein Paar aus Patersweiher, das nur 680 Meter vom ersten Windrad entfernt lebt. „Laut einem Gutachten hat mein Haus 38 000 Euro weniger Wert als beim Kauf vor zehn Jahren, obwohl ich investiert habe“, sagte der Bürger. Im August sei ihm ein Mieter davongelaufen, weil er die Windräder gesehen habe. „Die Wohnung steht leer, das sind wieder 500 Euro Verlust jeden Monat“, erzählte er.

Das es auch anders geht, wurde aber auch deutlich. „So wie es in den letzten fünf Tagen war, so kann es bleiben“, lachte Funke. Vielleicht hätten die Betreiber im Vorfeld des Treffens die Anlagen runtergefahren, mutmaßte sie. Allgemein wurde gefordert, die Windräder in den Nachtstunden abzuschalten, um wenigstens einen ruhigen Schlaf zu gewährleisten. Doch auch die Beleuchtung und Eiswurf waren Thema.

Auch wenn viele es forderten, konnten sich die Teilnehmer noch nicht auf die Gründung einer Bürgerinitiative einigen. Erste Ideen zur Durchführung einer Demo wurden erörtert. Außerdem wurde eine zentrale Email-Adresse eingerichtet, über die alle Betroffenen miteinander in Kontakt treten können (hier klicken).