28.07.2016
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Sondersendung im DLF: Kampf um Pumpspeicherkraftwerk

Am Rursee interviewte Judith Grümmer (M.) diverse Gesprächspartner, darunter Günter Becker (r.), Betreiber einer Segelschule am Rursee.

Am Rursee interviewte Judith Grümmer (M.) diverse Gesprächspartner, darunter Günter Becker (r.), Betreiber einer Segelschule am Rursee.

Foto:

Gudrun Klinkhammer

Heimbach-Schwammenauel -

Dem am Rursee geplanten Pumpspeicherkraftwerk widmete der Deutschlandfunk am Mittwochmorgen eine 80-minütige Live-Sendung. Die Moderatoren Judith Grümmer und Michael Roehl interviewten diverse Gesprächspartner.

Der Titel der Sendung lautete „Vom Pumpspeicherkraftwerk (PSW) bis zum Windrad – In der Eifel wächst der Widerstand gegen die Energiewende“. Als einer der Befürworter der Pläne am Rursee, die auf aktuell rund eine Milliarde Euro geschätzt werden, sprach NRW-Umweltminister Johannes Remmel: „Um die Energiewende zu schaffen, benötigen wir Speicherkapazität.“

„Ich bin heute strikt dagegen. Die Wirtschaftlichkeit einer derartigen Anlage ist in meinen Augen nicht gegeben.“
Landrat Wolfgang Spelthahn

Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn pflichtete dem Minister grundsätzlich bei, wehrte sich allerdings gegen das geplante PSW am Rursee. Zunächst sei er, Wolfgang Spelthahn, sogar für die Idee der Aachener Firma Trianel gewesen. Nachdem er sich jedoch mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt habe, sei er zu einem absoluten Gegner geworden.

Spelthahn: „Ich bin heute strikt dagegen. Die Wirtschaftlichkeit einer derartigen Anlage ist in meinen Augen nicht gegeben.“ Er sei etwa in Vianden gewesen, dort wird das bereits vorhandene PSW derzeit erweitert.

Die Betreiber dort hätten bestätigt, dass eine derartige Anlage unrentabel sei. Christoph Pranter als Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ verwies auf die am Rursee kollidierenden Interessen. Mit dem Tourismus gehe es gerade bergauf, da sei eine achtjährige Bauzeit sicherlich kontraproduktiv.

Zudem sei die Technik nach Erstellung schon wieder veraltet. Massive Existenzängste äußerten Waltraud Heuken, Betreiberin des Seehofes, einem frisch renovierten Hotel-Restaurant in Schwammenauel, sowie Günter Becker, Betreiber der in Schwammenauel beheimateten Segelschule.

Becker: „Das Pumpspeicherkraftwerk wird meine Existenz kosten, und der Wassersport wird auf 30 Prozent zurückgehen.“ Aktuell fahren auf dem Rursee, der während der Bauzeit einmal komplett für eine Saison abgelassen werden müsste, rund 2500 Schiffe. Die angefragte Vertreterin der Interessengemeinschaft „Pro Pumpspeicherkraftwerk am Rursee“, Ursula Derichs-Lavall, war der Einladung der Moderatoren nicht gefolgt.

Die Befürworter der Pläne, zum Beispiel Trianel-Projektleiter Dr. Markus Hakes und Karl-Heinz Hermanns, der Bürgermeister von Simmerath, beteuerten immer wieder, wie wichtig ihnen Transparenz sei. Hakes: „Wir sind früh an die Öffentlichkeit gegangen, aber auf viele Fragen können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Antwort geben.“ Da müsse erst der Regionalrat am 5. Juli endlich die entsprechenden Weichen stellen, dann könne das Verfahren weiter vorangetrieben werden.

Gibt der Regionalrat grünes Licht, was bereits einmal verschoben worden ist aufgrund von Bedenken, dann ist für den Bürger ein Eingreifen in das Verfahren nicht mehr möglich. Hakes: „Wir haben aber die Vermutung, dass ein Pumpspeicherkraftwerk am Rursee passen könnte.“

Die rund 60 Gäste, die die Sendung vor Ort verfolgten, beklatschten mehrfach die Aussagen der Gegner des PSW. Im Internet kann die Sendung aufgerufen werden.


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