24.07.2016
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Trianel-Pläne: Gegner warnten vor Rursee-Kraftwerk

Edgar Dartenne

Rund 120 Interessierte hörten sich in der Gaststätte Hasenfelder Hof den Vortrag von Edgar Dartenne (r.) an.

Foto:

Gudrun Klinkhammer

Heimbach-Hasenfeld -

Die Pläne für den Bau eines Pumpspeicherkraftwerks (PSW) am Rursee schlagen weiterhin hohe Wellen. Am Montag kamen rund 120 Gäste zu einer öffentlichen Fraktionssitzung der Heimbacher FDP in den Hasenfelder Hof. Im Auftrag der Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Rursee“ beleuchtete der Elektriker und Berufsschullehrer Edgar Dartenne aus Nideggen das umstrittene Vorhaben der Firma Trianel.

Er nannte Fakten, die das Unternehmen nach seinen Angaben bis dato verschwiegen hat. Reinhard Menzer, einer der Sprecher der BI, hatte vorab gesagt: „Die Firma Trianel lieferte bisher unzureichende, ja schlampige Fachbeiträge.“ Darin seien Rahmenbedingungen genannt worden, die schon gar keine Gültigkeit mehr besäßen, so Menzer: „Diese Umstände gibt Trianel sogar zu.“ Aktuelles komme aber nicht nach. Auf Anfragen gebe es keine Antwort.

Ein ganzes Stollensystem

Edgar Dartenne sprach nicht, wie die Firma Trianel bisher, von einem Stollen, der vom Rursee aus bis zum noch zu bauenden Obersee zwischen Schmidt und Strauch in den Berg gesprengt werden müsse. Stattdessen „soll ein ganzes Stollensystem entstehen“. Nach seinen Berechnungen wird das Auslaufbauwerk in der Schilsbachbucht rund 70 Meter breit sein. Der damit verbundene unterirdische Wasserbehälter müsse „Domgröße“ vorweisen, mindestens 50 Meter lang, 20 Meter breit und 20 Meter hoch sein.

„340 Kubikmeter Wasser pro Sekunde werden in den Rursee schießen, das ist unvorstellbar viel Masse“, beispielsweise mehr, als in Koblenz pro Sekunde mit der Mosel in den Rhein fließe. Für den Bau des nach ersten Schätzungen 700 Millionen Euro teuren Kraftwerks, der sechs bis acht Jahre dauern würde, müsste der Rursee nahezu komplett trockengelegt werden. Die schweren Baumaterialien würden wahrscheinlich auf dem Landweg angeliefert. „Darüber spricht die Firma Trianel aber noch nicht“, sagte Dartenne. Die Wirtschaftlichkeit des Projekts sei schon jetzt „mehr als fraglich“.

Auf die Frage, wie ein 380-KV-Erdkabel unmittelbar neben eine Gasleitung verlegt werden soll, wie es die Planungen vorsehen, gebe Trianel ebenfalls keine Antwort. 13 Kilometer lang solle die Verlegestrecke in der Nähe des Rursees sein. Alle 700 Meter müsste ein möglichst wassergekühltes Muffenbauwerk entstehen. Dartenne: „Für mich ist das eines der ungelösten Probleme, mir ist nicht klar, wie das gehen soll. Und ich behaupte, die Firma Trianel, die externe Fachleute zu Rate zieht, weiß das auch nicht.“

4,5 Tonnen Fisch

Dartenne nannte weitere Zahlen: 2500 Boote liegen am Rursee, 3100 Jahresgenehmigungen für den Wassersport werden im Durchschnitt pro Jahr erteilt. Hinzu kommen 600 Angelkähne und 800 Inhaber einer Angelkarte. Pro Jahr werden auf dem Rursee 4,5 Tonnen Fisch gefangen. An den Ufern unterhalten 50 Segelvereine ihre Stützpunkte.

In Heimbach, so der Referent weiter, wurde kürzlich ein großes Feriendorf in Betrieb genommen, in Woffelsbach befindet sich ein Jugendferiendorf im Bau. Besonders beliebt seien auch die Strandbäder, so Dartenne: „Wie sollen die Strandbäder und die Stege genutzt werden, wenn der Wasserspiegel des Sees täglich um viele Meter schwankt? Die Randbereiche werden im Schlamm versinken, die Strömungen im See werden noch gefährlicher.“

3,2 Millionen Tagesgäste würden jährlich am Rursee gezählt, die einen Umsatz von 53 Millionen Euro mit sich brächten. „Das steht im Fachbeitrag von Trianel nirgendwo.“ Hinzu kämen 400.000 Übernachtungsgäste pro Jahr, die 45 Millionen Euro in der Region ließen. Heimbach rechne zukünftig mit 200.000 Übernachtungen pro Jahr, was 23 Millionen Euro entspreche. Einem Gesamtumsatz von rund 120 Millionen Euro stünden maximal zehn neue Arbeitsplätze im PSW entgegen, für dessen Bau im Übrigen noch keine Ökobilanz vorliege.

Gelddruckmaschine für Trianel

Der Segelschulbetreiber Günter Becker aus Schwammenauel bezeichnete die geplante Anlage als „Gelddruckmaschine für Trianel“. Für die Energiewende sei ein solches Bauwerk gar nicht notwendig. Dartenne pflichtete ihm bei: Derartige Kraftwerke wie etwa das in Vianden seien als Kurzzeitspeicher gebaut worden, um die Atomkraftwerke kontinuierlich auslasten zu können. Als Langzeitspeicher seien PSW gar nicht geeignet.

Dartenne warnte auch vor der Unumkehrbarkeit des radikalen Landschaftseingriffs, der ein wunderbares Natur- und Freizeitgebiet komplett und unwiederbringlich zerstören könne.