28.07.2016
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Christlich-fundamentalistische Glaubensgemeinschaft: Kritik an Gottesdienst der Baptisten

Symbolbild

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dpa

Weilerswist -

Nicht bei jedem Bürger der Gemeinde Weilerswist stößt es auf Verständnis, dass eine christlich-fundamentalistische Glaubensgemeinschaft ausgerechnet in den Räumen einer Schule ihre Überzeugungen verbreitet.

Jeden Sonntag um 10 Uhr treffen sich in der Aula der Gesamtschule Weilerswist Mitglieder der christlichen Baptistengemeinde, um ihren Gottesdienst zu feiern. Dazu wurden jüngst Weilerswister Bürger herzlich eingeladen – sie fanden in ihrem Briefkasten ein Faltblatt der Glaubensgemeinschaft, dessen Titel „Was Darwin noch nicht wissen konnte!“ bereits Hinweis auf deren inhaltliche Ausrichtung gibt.

„Die Bibel irrt nicht“

Verantwortlich für den Inhalt der fünfseitigen Infoblattes ist das Missionswerk „Die Bruderhand“, ein evangelikales überkonfessionelles Glaubenswerk, das seine Aufgabe darin sieht, durch Verkündigung und Verbreitung von Schriften zur Evangelisation der Menschen beizutragen.

Im Mittelpunkt dieser fundamentalistischen Christengruppierung steht der Glaube an die absolute Irrtumslosigkeit der Bibel. Und zwar auf allen Gebieten: Gepredigt wird deshalb auch, dass die Evolution „einer der größten Irrtümer der Weltgeschichte ist und Millionen Menschen in den Abgrund des Unglaubens gerissen hat“, womit „der Abgrund der ewigen Verlorenheit“, also die Hölle gemeint ist.

Wie im Mittelalter

Vor vier Jahren teilte die Gemeindeverwaltung in ihrem Blättchen mit, dass die damals noch junge Christliche Baptistengemeinde Weilerswist fortan in der Gesamtschule ihre Gottesdienste abhalten wird.

In der weiteren Beschreibung erfuhren die Leser über die weit zurückreichenden Wurzeln der Täuferchristen, die sich „nach dem Vorbild neutestamentlichen Gemeinden versammeln und nach der Bibel leben“. Auch dass etwa die Hälfte der Gemeindemitglieder Kinder seien und wie die Gottesdienste abgehalten werden erfuhren die Leser. Über die Inhalte der Verkündigung verriet der Artikel seinerzeit nichts.

„Islam unvereinbar mit Christentum“

Die aber kann man unter anderem im Internet nachlesen. So lehrt die christliche Baptistengemeinde nicht nur den Kreationismus, also die Entstehung der Welt durch den kreativen Schöpfungsakt Gottes, und lehnt den „wissenschaftlichen Atheismus“ sowie sämtliche bibelkritischen Theologieansätze ab.

Wer sich in die Überzeugungen des Missionswerks „Die Bruderhand“ einliest, das als Urheber des jetzt verteilten Infoblättchens verantwortlich zeichnet, wähnt sich eher im Mittelalter als im Jahre 2014: Andere Glaubensrichtungen werden als Religionen abgetan, während allein dem Evangelium der göttliche Ursprung zugesprochen wird. „Der Gott der Christen ist nicht der Gott der Mormonen, Moslems oder der christlichen Wissenschaft, wenn der Gott der Bibel der einzig wahre Gott ist, dann existieren die anderen Götter nicht und sollten nicht verehrt werden“ , heißt es da.

Seltsame Sexualmoral

Vor allem der Islam sei unvereinbar mit dem Christentum, argumentieren die Fundamentalchristen, stets ein passendes Bibelzitat zur Hand. Im Islam offenbare sich Gott überhaupt nicht, man könne in kein persönliches Verhältnis mit ihm treten.

„Allah bleibt immer jenseitig, wie ein orientalischer Herrscher hoch über seinen Untertanen thronend“. Auch die Sexualmoral der christlichen Baptisten ist speziell: Vorehelicher Geschlechtsverkehr, Selbstbefriedigung und Homosexualität fallen unter den Begriff der Hurerei. „Diejenigen, die Hurerei treiben, stehen unter einem schweren Urteil Gottes“ und werden vom Reiche Gottes ausgeschlossen.

Die Gemeinde als Vermieter der Aula der Gesamtschule hat nach eigener Einschätzung keinerlei Handhabe: „Das ist ein öffentlicher Raum, der laut Satzung von jedem gemietet werden kann“, erklärte Martin Reichwaldt, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Solange es sich nicht um eine gesetzlich verbotene Organisation handele, könne man nichts machen. „Selbst wenn beispielsweise die NPD eine Veranstaltung durchführen wollte, könnte man rein juristisch nur dann etwas dagegen unternehmen, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet ist.“


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