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Gut Bärbroich: Erfolgreich Pferde züchten

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Springpferdezucht
Aloys Pollmann-Schweckhorst hat in Bärbroich eine Springpferdezucht aufgebaut. (Bild: rn)
Bergisch Gladbach

Es begann an einem sommerlichen Tag am Niederrhein. Der siebenjährige Aloys fuhr mit seinem Vater auf dem Fahrrad zu Verwandten und erblickte auf einer Lichtung etwas, das er nie zuvor gesehen hatte: Menschen saßen auf Pferden. Arbeitspferde kannte der Junge von zu Hause, aber hoch zu Ross zu sitzen, war für ihn ein gänzlich neuer Anblick - und einer, der sein Leben prägen sollte.

Morgen wird Aloys Pollmann-Schweckhorst 80 Jahre alt und schaut zurück auf ein Leben mit und auf Pferden. „Dass ich meinen Pferdeverstand einbringen konnte“, antwortet Pollmann-Schweckhorst auf die Frage nach seinem größten Erfolg. Das ist bescheiden, denn sein Wirken für die Reiterei war von vielen Erfolgen begleitet. Auf „Gut Bärbroich“ gründete er 1969 eine der ersten Reitschulen im Bergischen, die in der Folge dem bis dahin elitären Herrensport zum Breitensport verhalf. Doch das war längst nicht alles. Der „Pferdemann“ sorgte in Bärbroich insbesondere für erfolgreichen Nachwuchs. Zum einen legte er den Grundstein für eine international anerkannte Pferdezucht, zum anderen für erfolgreichen Reiternachwuchs - nicht zuletzt durch seine Söhne Alois und Elmar. Alois gehört seit vielen Jahren zu den besten Springreitern Deutschlands, Elmar übernahm 1990 den Hof in Bärbroich und führt ihn als erfolgreiche Springpferdezucht und Talentschmiede weiter.

Doch der Reihe nach. Heute verwundert der Anblick von Reitern niemanden mehr im geringsten, Pferdehänger gehören zum normalen Bild auf den Straßen, Turnierpferde stehen gut behütet in der sauberen Box, und Kinder werden von ihren Eltern nach der Schule im Auto zum Reitstall gefahren. Doch in der Kindheit und Jugend von Aloys Pollmann-Schweckhorst sah das Leben anders aus. 1929 wurde er im niederrheinischen Haldern bei Rees als Aloys Clemens Schweckhorst geboren. Seine Mutter starb kurz nach der Geburt. Mit zwei Schwestern und einem Bruder lebte er auf dem landwirtschaftlichen Anwesen beim alleinerziehenden Vater. Als der ältere Bruder in den Krieg zog, stand er noch im Kindesalter von Sonnenauf- bis -untergang auf dem Feld: Rüben statt Rechnen, Pflügen statt Spielen.

In der schweren Zeit nach dem Krieg fiel dem jungen Mann ein Fohlen in der nachbarlichen Bauerschaft auf: ein Rappe mit Blesse und zwei weißen „Stiefeln“ an den Hinterbeinen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Aloys Pollmann-Schweckhorst. Drei Jahre dauerte es, bis er und sein Vater das Gesparte zusammenlegten und das Pferd für 1400 Reichsmark kauften. Es führte ihn nicht nur zu zahlreichen Turniererfolgen, sondern begründete eine Zuchtlinie, deren Nachkommen noch heute begehrt sind. Doch auch „Friedchen“ hatte es nicht leicht, denn die Arbeit auf dem Acker gehörte auch für ein Siegerpferd zum Alltag.

Pollmann-Schweckhorst muss heute noch lachen, wenn er an die erste Zeit mit seinem Wunschpferd denkt, denn „es war ein Satansbraten“. In den Mittagspausen trainierte er mit der Stute das Springen über Bohnenstangen. Zum Satteln und Trensen fehlte die Zeit, die Reitkleidung bestand aus kurzen Hosen und einem Paar Holzklumpen. 1949 ging Pollmann-Schweckhorst für zwei Jahre in die Landwirtschaftslehre in Warendorf. In der wenigen freien Zeit spähte er über den Zaun zum Trainingsgelände der Olympiareiter und beobachtete Größen des Springsports wie Hans Günter Winkler, oder er fuhr mit dem Fahrrad in den nächsten Zuchtstall und sammelte Wissen über Zuchtlinien und Vererbung.

Nach der Lehre und nach dem Tod seines Vaters kam er zu seinem Onkel Heinrich Pollmann in Bärbroich. Nicht nur, dass es statt Speckpfannkuchen hier Bratkartoffeln oder „mit Zucker verquirlte rohe Eier“ zum Frühstück gab, auch sonst war ihm das Bergische zunächst fremd. Misstrauisch wurde er beäugt, wenn er mit „Friedchen“ nach Feierabend ausritt. „So konnte kein guter Bauer aussehen“, sagt er rückblickend über das Urteil der Bergischen. Doch das Zusammentreffen mit seinem Onkel, um dessen Nachnamen er später den seinen ergänzte, sei für ihn „ein Volltreffer“ gewesen. Jede freie Minute verbrachte er auf dem Pferd. Sonntags startete er um fünf mit dem Melken, putzte sein Pferd, zog sich Reitkleidung an und darüber den Sonntagsanzug, um sich nach dem Gottesdienst umgehend zum Reitunterricht zu begeben.

Seit den 50er Jahren sammelte er Turniererfolge, wobei er nicht nur Parcours-Hindernisse überwinden musste. Zu Fuß oder „hoch zu Friedchen“ reiste er mangels Transporter zu den Turnierplätzen. Für ein Turnier in Brühl überlegte er Tage während der Feldarbeit, wie er hinkommen könne. Mit Bauernschläue verkaufte er schließlich einem Viehhändler eine Kuh und knüpfte an das „Einschlagen“ die Bedingung, dass der Mann ihn mit seinem Hänger nach Brühl karren möge. Dass „Friedchen“ sowohl Platzangst als auch Scheu vor Autos hatte, war der Sache nicht dienlich. Nach zwei Stunden kamen beide dennoch wohlbehalten an, waren in beiden Springen platziert und ritten am nächsten Morgen nach Hause - nicht ohne auf der Mülheimer Brücke mit einem Radfahrer zusammenzustoßen.

Vom Kuh- zum Pferdestall

Als Ende der 60er Jahre Milchschwemme und Butterberg den Bauern das Leben schwer machten, trafen Aloys und seine Frau Roswitha Pollmann-Schweckhorst eine Entscheidung. Aus den Kuh- wurden Pferdeställe, und das Ehepaar baute einen der ersten Reitställe im Bergischen Land. „Damals war dieser Schritt ein großes Risiko“, sagt Roswitha Pollmann-Schweckhorst, aber es zeigte sich, dass es eine gute Entscheidung war. Viele der in Bärbroich ausgebildeten Reiter waren siegreich, bis von den Bahamas kamen Reitschüler, und des Züchters Fachwissen, Auge und Händchen brachte Klassepferde hervor wie den im Nationenpreis erfolgreichen „Aperio“.

Immer war sein Leben von Arbeit bestimmt. Mit 45 Jahren machte Aloys Pollmann-Schweckhorst zum ersten Mal Urlaub - auf Teneriffa und alleine, denn seine Frau kümmerte sich derweil um den Hof. Doch stimmt es ihn nicht traurig, vom Ausland wenig gesehen zu haben. „Dafür haben wir viele nette Menschen kennen gelernt“, betont er mehrmals, und seine Frau Roswitha bekräftigt: „Die Welt ist zu uns gekommen.“ Noch heute ist Aloys Pollmann-Schweckhorst beinahe täglich im Stall, schlägt Anpaarungen vor, begutachtet den Nachwuchs und schnuppert die Stallluft, die sein Leben bestimmt hat.

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