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In Kehr endete die Munitionsräumung: Die Espagit wurde zum Millionengrab

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Espagit-Aktie
Wohlstand sollte mit dem Aktienkapital der Espagit in die arme Eifel kommen, hofften die Initiatoren. (Bild: Heinen)
Hellenthal

Die Schlussbilanz zur Sanierung der Rüstungsaltlast Espagit nahe Kehr zog der rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch persönlich: „Nach 20 Jahren ist die Munitionsräumung auf dem ehemaligen Gelände der Munitionsfabrik Espagit erfolgreich zum Abschluss gebracht.“ Das hörten Umwelt-Staatssekretärin Jacqueline Kraege und der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, Josef Peter Mertes, sicher gerne.

Immerhin konnte damit vorerst ein Schlussstrich unter eine Katastrophe gezogen werden, die im Mai 1920 mit der Explosion der riesigen Munitionsfabrik Espagit zwischen Kehr und Hallschlag begonnen hatte. In der Folge war das Umland mit einer Masse von umhergeschleuderten Granaten belastet, die dicht unter der Erdoberfläche schlummerten. Der eigentliche Kernbereich unmittelbar an der ehemaligen Sprengstoffproduktion war derart chemisch verseucht, dass Fachleute in den 90er Jahren dringend davor warnten, dort in großem Stil nach Granaten zu suchen. Es bestand die Gefahr, dass das Grundwasser schwer und nachhaltig belastet werden könnte.

Espagit
Ein Bild der Verwüstung bot die Granatenfabrik „Espagit“ nahe Hellenthal-Kehr nach der Explosion im Mai des Jahres 1920. (Bild: Heinen)

Fünf Tonnen Sprengstoff

Insgesamt schlug die Entmunitionierung des an der rheinland-pfälzischen Landesgrenze gelegenen Areals mit einem Betrag von 54,3 Millionen Euro zu Buche, von denen der Bund als Kriegsfolgenlast allerdings 50 Prozent übernahm. Insgesamt wurden in den letzten 20 Jahren 6316 Granaten, davon 506 mutmaßliche Giftgasgranaten, und zehn mit dem Reizstoff „CLARK“ gefüllte Sprengkörper ausgebuddelt. Es wurden außerdem mehr als fünf Tonnen Sprengstoff, über 36 Tonnen Zündladungen und 56 Tonnen Munitionsteile geborgen.

Espagit-Bilanz
Josef Peter Mertes, Umwelt-Staatssekretärin Jacqueline Kraege und Innenminister Karl Peter Bruch zogen die Schlussbilanz der Sanierung. (Bild: Boßmann)

Ein dickes Lob gab es für die Männer des Kampfmittelräumdienstes, die zusammen mit der Fachfirma Tauber die Altlasten aufgespürt und entsorgt hatten. Das galt allen voran für Willi Wehrhausen, den Mertes als „Mr. Hallschlag“ bezeichnete. Wehrhausen erlebte in den vielen Jahren auch kritische Augenblicke: „Einmal war es sehr aufregend, als flüssiger Kampfstoff aus einer Granate austrat.“

ADD-Präsident Josef Peter Mertes hatte einmal Pech. Da war er mit löchrigen Gummistiefeln auf dem verseuchten Gelände unterwegs. Anschließend löste sich stückweise die Haut von seinen Füßen.

Getroffen hatte ihn aber eine Anzeige aus NRW wegen einer angeblichen Verschmutzung des Kronenburger Sees. Wie sich herausstellte, waren landwirtschaftliche Einträge die Übeltäter gewesen. Mertes hat diese einzige Anzeige seiner Amtszeit noch nicht verdaut.

Reinhold Müller, Verbandsvorstand des Zweckverbandes Kronenburger See, zog diesbezüglich eine klare Bilanz: „Wir sind natürlich sehr froh, dass die Maßnahme abgeschlossen ist und dass bisher keinerlei Belastungen auf den See zugekommen sind.“

Das für die Munitionsräumung zuständige Innenministerium ergriff Anfang der 90er Jahre die Initiative zur Sanierung der Rüstungsaltlast Hallschlag. In einer interministeriellen Arbeitsgruppe wurde unter Federführung des Innenressorts mit den beteiligten Landesumweltbehörden ein Gesamtkonzept für die Sanierung entworfen. Dieses Konzept war Grundlage der Ministerratsentscheidung 1997, den hoch kontaminierten ehemaligen Produktionsbereich der Munitionsfabrik mit rund 13 Hektar Fläche nur oberflächig zu entmunitionieren.

Danach wurde das Gelände durch eine Erdabdeckung, ein Drahtgeflecht sowie Fassung des kontaminierten Sickerwassers im Rigolensystem mit anschließender Behandlung in einer Wasserreinigungsanlage gesichert. Die Oberflächenabdeckung soll langfristig den direkten Kontakt zwischen belastetem Boden und Menschen verhindern, sagte Josef Peter Mertes.

Staatssekretärin Jacqueline Kraege lag vor allem die Wasserreinigung am Herzen: „Die Maßnahmen, die jetzt getroffen sind, garantieren durch ein lückenloses Mess- und Überwachungsprogramm für die Zukunft, dass keine Beeinträchtigungen auftreten können.“ (boß)

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