26.07.2016
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Katzentötungsverbot in NRW: Schüsse auf Katzen sind weiter erlaubt

Düsseldorf -

Es war eine der vieldiskutierten Änderungen im neuen NRW-Jagdrecht: Sollen Jäger in Nordrhein-Westfalen wildernde Katzen, die für Vögel und andere Kleintiere zur Gefahr werden könne, erlegen dürfen, oder nicht? Der grüne NRW-Umweltminister Johannes Remmel setzte sich am Ende des Streits durch; Seit dem Frühjahr gilt hierzulande ein Katzentötungsverbot.

Überraschend ist deshalb Remmels Antwort auf eine kleine FDP-Anfrage, die am Montag veröffentlicht wurde. Darin verweist der Minister selbst auf eine gesetzliche Hintertür: In Ausnahmefällen sei es auch weiterhin möglich, Katzen zu schießen, schreibt Remmel und verweist auf die Kreise und kreisfreien Städte: „Zur dauerhaften Sicherung der biologischen Vielfalt“ – etwa für den Fall, dass streunende Katzen brütende Vögel gefährdeten – könnten die Kommunen die Katzenjagd doch noch erlauben. Ähnliches gilt laut Remmel „für die Abwehr einer akuten Tollwutgefahr“. In diesem Fall gelte nicht das Abschussverbot im Landesjagdgesetz, sondern das Naturschutzrecht des Bundes. Mit einer entscheidenden Konsequenz: Zum Schutz der Vögel wäre das Anlegen auf Katzen in NRW also doch noch erlaubt.

Die neue Tonlage verwundert nicht nur die Jäger, die im vergangenen Jagdjahr noch rund 7600 Katzen geschossen hatten; in Interviews hatte der Minister den Kommunen stets eine ganz andere Lösung vorgeschlagen: streunende Katzen sollten kastriert, nicht geschossen werden. Hat der Polit-Profi Remmel im Streit um das neue Jagdrecht also nur die halbe Wahrheit gesagt?

So sieht es die FDP: Der Minister habe aus rein populistischen Gründen die Katzenjagd als Verstoß gegen den Tierschutz dargestellt, sagte der FDP-Abgeordnete Henning Höne dem „Westfälischen Anzeiger“. Jetzt, nachdem das Gesetz verabschiedet sei, müsse Remmel einen Rückzieher machen, meint Höne. Der Liberale sieht den Minister überführt: Remmel gehe es gar nicht um Fachfragen, sondern nur darum, die grüne Wählerklientel zu bedienen.

Wer aber soll nun schießen, wenn eine streunende Katze aus Naturschutzgründen unschädlich gemacht werden muss? Die nordrhein-westfälischen Jäger, die sich gegen das strikte Abschussverbot gewehrt hatten, wollen unter keinen Umständen auf eine Katze anlegen – auch nicht mit einer Ausnahmegenehmigung: „Soll Herr Remmel die Katzen doch selber schießen“, heißt es aus der Ecke des Landesjagdverbandes. Man habe schließlich immer gesagt, dass streunende Hauskatzen kleine Raubtiere seien und deshalb der heimischen Vogelwelt gefährlich werden könnten. Offiziell führt der Landesjagdverband vor allem Versicherungsfragen an: Nach der Gesetzesänderung sei eben kein Jäger mehr versichert, wenn er eine Katze töten müsse.

Auch bei vielen Kreisen in NRW, die den Katzenabschuss laut Remmel genehmigen müssten, ist man etwas ratlos: Damit haben wir uns noch nicht beschäftigt, heißt es aus den Naturschutzbehörden dort.


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