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Landwirtschaft: Ein Leben ohne spanische Paprika

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Ehec
Gülle wird in der Regel vor der Aussaat nur auf Getreide, Mais- oder Rapsäckern ausgebracht und in den Boden eingearbeitet. (Bild: Stolzenburg)
Kreis Euskirchen

Deutschlandweit sorgt derzeit das EHEC-Bakterium für eine Verunsicherung der Konsumenten. Fast täglich kommen neue Spekulationen auf, was es mit dem Erreger auf sich hat, mit dem bis jetzt zehn Todesfälle vornehmlich im norddeutschen Raumin Verbindung gebracht werden.Auch im Kreis Euskirchen ist eine große Besorgnis der Konsumenten zu verzeichnen. Dazu hörte sich der „Kölner Stadt-Anzeiger“ bei lokalen Betrieben um, deren tägliches Brot die Erzeugung und der Vertrieb landwirtschaftlicher Produkte ist.

Im Haus Bollheim in Zülpich-Oberelvenich widmen sich laut Eigenwerbung mehrere Familien seit über 25 Jahrender biologisch-dynamischen Landwirtschaft.Dort betreibt man nicht nur Viehzucht mit über 100 Rindern und zahlreichen Hühnern, sondern unterhält auch Gewächshäuser und Gemüsegärten sowie eine Bäckerei und eine Käserei.

Rothkopf
Regina Rothkopf betreibt mit ihrem Mann Hubertus den Hubertushof am Ortsrand von Dom-Esch. (Bild: Schmitz)

Besorgte Kunden

Der als Demeter-Hof firmierende Betrieb verfügt über einen Hofladen und beliefert verschiedene Einzelhändler und Marktstände mit seinen Produkten. Derzeit, so der Betriebsleiter Hans von Hagenow, sei noch kein direkter Einbruch der Nachfrage an Salat, Gurken oder anderem Gemüse zu verzeichnen. Einzig bei einem Händler in Bonn, der vom Haus Bollheim beliefert wird, würden derzeit wohl keine Gurken mehr verkauft, wie dieser berichtete. Wohl aber habe man es nun mit vielen Anrufen besorgter Kunden zu tun, die sich vergewissern wollen, ob sie auch weiterhin guten Gewissens in Oberelvenich kaufen können.

Wie von Hagenow versicherte, komme in dem Demeter-Betrieb gar keine Gülle, die derzeit als Überträger von EHEC im Fokus steht, zum Einsatz. Das sei aber auch in der konventionellen Landwirtschaft bei der Gemüseproduktion nicht der Fall. Von Hagenow: „Wir arbeiten hier auf unseren rund 200 Hektar Land nur mit dem Mist unserer eigenen Kühe, der früher das »Gold des Bauern« genannt wurde.“ Dessen Qualität sei entscheidend für die Güte der Produkte. Allerdings werde der Mist nicht direkt auf die Pflanzen aufgebracht, wie der Laie annehmen könnte, sondern vor der Aussaat auf dem Acker ausgestreut, wo er sich dann zersetzt und als Dünger für die heranwachsenden Pflanzen dient.

Gewisse Ohnmacht

Das EHEC-Problem, so von Hagenow weiter, müsse man natürlich ernst nehmen. Dennoch fehle es derzeit an der Verhältnismäßigkeit auch seitens der Medien sowie genauerer Informationen, wie man sich davor schützen kann. Demnach fühle man sich als Landwirt gewissermaßen in Sippenhaft genommen und verspüre eine gewisse Ohnmacht, zumal „noch niemand genau weiß, woran es überhaupt liegt“.Mit Blick auf die moderne, industrielle Landwirtschaft fragt sich der Betriebsleiter: „Was werden wir in 20 Jahren überhaupt noch essen können?“

Mit besorgten Kunden hat es auch Regina Rothkopf vom Hubertushof in Euskirchen-Dom-Esch zu tun. Den landwirtschaftlichen Betrieb dort betreibt sie gemeinsam mit ihrem Mann Hubertus Rothkopf seit 2002. Ihr Gatte hatte zuvor bereits 20 Jahre einen Pachtbetrieb gemeinsam mit seinem Vater geleitet. Der Hubertushof verfügt über einen Hofladen und vier Verkaufsstellen und einen weiteren Betrieb im Norden von Paris, wo man ebenfalls strenge Auflagen wie in Deutschland zu erfüllen habe. Um die breite Angebotspalette zu garantieren, greift das Unternehmen dabei auch auf eingekaufte Produkte kontrollierter Betriebe aus einem Umkreis von rund 15 Kilometern zurück und beliefert verschiedene Einzelhändler, Cateringfirmen und Restaurants im Kreis Euskirchen und im Raum Köln/Bonn.

Verständliche Spargründe

Wenn man zur Zeit nicht die direkte Ansprache der Kunden suche, um sie über die Qualität und Sicherheit der Produkte des zertifizierten Betriebs zu informieren, wären sicherlich Einbußen im Gemüseverkauf zu verzeichnen, so Regina Rothkopf. Ihr Anliegen ist es, den Kunden die Wertschätzung regionaler Produkte ins Bewusstsein zu rufen. Man solle essen, was je nach Saison vor der Tür wächst. Wer unbedingt Erdbeeren für 99 Cent die Schale haben wolle, dürfe sich nicht wundern, wenn diese dann zum Beispiel in Spanien und nicht unter den strengen Kontrollen des deutschen Systems herangewachsen sind. Zwar könne sie die Spargründe so mancher Familie verstehen, doch seien deutsche Produkte aus der jeweiligen Region mitunter 30 oder 40 Cent teurer, dafür aber von besserer Qualität und mit mehr lebensmitteltechnischer Sicherheit verbunden.

Neben den Discountern, die sich laut Rothkopf einenPreiskampf um das billigste Angebot liefern und es den Landwirten immer schwerer machten, sieht sie also auch die Kunden in die Verantwortung genommen. Rothkopf : „Es gibt ein Leben ohne spanische Paprika.“

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