27.07.2016
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Historie: Vor 250 Jahren brannte die Lambertsmühle aus

Eine Magd soll im 18. Jahrhundert versehentlich das Feuer entfacht haben.

Eine Magd soll im 18. Jahrhundert versehentlich das Feuer entfacht haben.

Foto:

Britta Berg

Burscheid -

Friedlich liegt die Lambertsmühle im Tal und für die Burscheider ist es eine gute Stube, die vieles über die Geschichte der Region aussagt. Doch geheimnisvoll sind die Geschehnisse, die sich in der Nacht vom ersten auf den zweiten Februar 1766 in der Mühle selbst abspielten. Vor 250 Jahren brannte die Lambertsmühle vollständig ab, um noch im gleichen Jahr wieder aufgebaut zu werden. Angeblich hat ein Knecht den Brand gelegt, um die Magd, die ein Kind von ihm erwartete, zu töten.

„Eine Mär“, sagt Hans-Joachim Musiol, Archivar und Mitglied des Vorstands des Fördervereins Lambertsmühle Burscheid. Die Quellenlage gibt über den „Krimi“, der sich abgespielt haben soll, nichts her. Aber es gibt einen Eintrag ins Kirchbuch durch Pfarrer Wever. Demnach ging 1766 eine Anna Margareta Clemens aus Jamerthal nachts mit einem Licht in die Futterkrippe und entfachte aus Unvorsicht ein Feuer. Der obere Teil des Bauwerks war aus Fachwerk und brannte ab. Die Magd selbst wurde laut Kirchbucheintrag „vom Feuer verzehrt.“

Schnell wieder aufgebaut

Musiol geht davon aus, dass sie mit einem Zunderpilz Licht machen wollte. „Streichhölzer gab es damals nämlich noch nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass dabei Funken geflogen sind. Alles im Stall war trocken, das brannte dann lichterloh.“ Erstaunlich schnell hätten die Besitzer, die Eheleute Philip Klein und Anna Beckers“ die Mühle wieder aufgebaut. Musiol geht davon aus, dass sie einige Materialien aus der Brandruine wiederverwenden konnten – vor allem Steine.

Holz dürfte allerdings keines wiederverwendet worden sein. Von der Universität zu Köln gibt es laut Musiol einen Untersuchungsbericht, demnach kein angekokeltes Holz gefunden wurde. Im Balken über der Haupttür erinnert eine Inschrift an den Wiederaufbau 1766: „Philip Klein und Anna Beckers Eheleute haben diese Mülle gekauft und den Bau hierhin setzen lasen im Jahr 1766: Unsern Eingang segne Gott, unsern Aussgang gleichermaßen, segne unser täglich Brot, segne unser Thun und Lasen, segne uns mit seligem sterben, und mach uns zu Himmels Erben Amen.“ Drei Jahre zuvor war der siebenjährige Krieg zu Ende gegangen und die Zeiten dürften immer noch turbulent gewesen sein. Wenige Jahre später, 1789, brach die Französische Revolution aus. Dass die Mühle in bürgerlichen Besitz war, währte auch noch nicht lange. Ursprünglich gehörte sie den Rittern des benachbarten Guts Landscheid. Eine erste Quelle gibt es laut Musiol aus dem Jahr 1301 – ein Kauvertrag, in dem die Ritter als Zeugen auftreten. „Man kann mit Fug und Recht annehmen, dass die Mühle damals mit Ansiedlung des Lehens gebaut wurde. Sie war sicherlich eine gute Einnahmequelle“, sagt der Archivar. Die Kornmühle wurde 1751 an Peter Busch verkauft.

Die adeligen Herren waren in wirtschaftlicher Not. Aber auch der neue Besitzer verkaufte sie zehn Jahre später an den Schöffen und Müller Philip Klein. In der Form, in der er sie nach dem Brand 1766 wieder aufbaute, besteht sie bis heute. Der Förderverein hegt und pflegt das Denkmal und wird am Tag des offenen Denkmals am 11. September auch an die Geschichte vor 250 Jahren mit einem Festvortrag erinnern.

Bereits am Sonntag, 6. März, gibt es eine Mühlenführung im Rahmen des Tags der Archive, der in Burscheid diesmal in der Lambertsmühle zwischen 11 und 17 Uhr stattfindet. Zudem stehen die Themen Ahnenforschung und Sütterlinschrift auf dem Programm. Am Mühlentag, 16. Mai, wird der Förderverein die Mühle ebenfalls vorstellen.