31.07.2016
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„Engel der Kulturen“: Polizei stoppt Burscheider Fahnenträger bei Anti-Pegida-Demo

Der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (links) begrüßte 2012 die Künstler mit der Fahne in Brüssel.

Der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (links) begrüßte 2012 die Künstler mit der Fahne in Brüssel.

Foto:

privat

Burscheid -

Seit Jahren reisen die Künstler Gregor Merten und Carmen Dietrich mit ihrer Skulptur „Engel der Kulturen“ durch Deutschland und Europa. Doch was sie Anfang November auf einer Demonstration gegen Pegida in Dresden erlebt haben, hat ihnen beinahe die Sprache verschlagen.

Erstmals hatte die Polizei laut Merten das Paar wegen ihrer Fahne gestoppt: „Als wir uns nach der Versammlung der Anti-Pegida-Demonstration auf dem Postplatz mit den Demonstranten Richtung Neustadt bewegten, wurden wir auf der Elbbrücke von fünf Polizeibeamten aus dem Zug geholt und umstellt“, berichtet Merten.

Größe der Flagge moniert

Die Beamten hätten die Größe der mitgeführten Flagge mit dem Symbol der Engel der Kulturen auf der Karte von Europa moniert. Die Skulptur steht für ein länderübergreifendes und respektvolles Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen.

„Noch nie hat man auf einer Demonstration die Größe unserer Fahne kritisiert“, ärgert sich der Künstler. Sie habe das Paar schon bei vielen Protestaktionen begleitet. „Wir halten es außerdem für einen sehr merkwürdigen Zufall, dass am 30. Oktober, zwei Tage vor unserem Eintreffen in Dresden, eine Richtlinie in Kraft trat, nach der die Größe von Flaggen bei Versammlungen begrenzt wurde“, heißt es in einem offenen Brief der Burscheider an den sächsischen Landtag.

Eine Reaktion hat es vonseiten der Politik bis jetzt nicht gegeben. Welche juristischen Konsequenzen das Ganze haben wird, kann Merten noch nicht sagen: „Stand der Dinge ist, dass wir durch Kölner Anwälte Akteneinsicht gefordert haben.“

Polemische Kommentare

Der Künstler steht immer noch unter dem Eindruck der Pegida-Versammlung: „Beim Anblick der Demonstration gefriert einem das Blut in den Adern.“ Aber nicht nur die offensichtlichen Anhänger der fremdenfeindlichen Bewegung hätten die Friedensbewegten sprachlich angegriffen. Auch von Teilen der Bevölkerung im Stadtgebiet habe es polemische Kommentare gegeben: „Es gab Beschimpfungen, dass solche Wahnsinnigen wie wir ihnen die Flüchtlinge gebracht hätten“, sagt der Burscheider. Oder es habe Sprüche wie „Die Schwarzen sollen in Afrika bleiben“ gegeben.

Dennoch schaut Merten mit Dank zurück auf die Zeit in der sächsischen Hauptstadt: „Trotz allem war die Aktion aus unserer Sicht sehr erfolgreich, weil sich viele Menschen beteiligt und zusammengefunden haben, die für ein weltoffenes, tolerantes und versöhnliches Dresden stehen.“

www.engel-der-kulturen.de