31.05.2016
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Ausstellung: Eine Rarität aus dem Leseverein

Die Mitglieder des Leichlinger Lesevereins Eintracht beim 25-jährigen Bestehen ihres Clubs im Jahr 1896.

Die Mitglieder des Leichlinger Lesevereins Eintracht beim 25-jährigen Bestehen ihres Clubs im Jahr 1896.

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Stadtarchiv

Leichlingen -

Mit einer antiquarischen Rarität wartet der Leichlinger Stadtarchivar Thorsten Schulz-Walden in seiner Wechselausstellung „Objekt des Monats“ auf: In der Glasvitrine im Foyer des Rathauses liegt jetzt eine Ausgabe des „Don Quichotte“ von Miguel de Cervantes, die sowohl lokalhistorisch als auch publizistisch ein besonderer Schatz ist. Es handelt sich um eine Originalausgabe der deutschen Übersetzung von 1754, von der weltweit nur noch ein Dutzend Exemplare existieren sollen. Zudem ist es eine der ältesten Erinnerung an die Anfänge der Leihbibliothek in Leichlingen: Der Band trägt den Stempel mit der Nr. 3 des Lesevereins Eintracht, der von 1871 bis 1940 wirkte.

Ein Gruppenbild der Bücherfreunde – es sind ausschließlich Herren – ist in der Vitrine ebenfalls zu sehen. Es stammt aus dem Jahr 1896, als der Literaturclub sein 25-jähriges Bestehen feierte. Gegründet worden ist der im bürgerlichen Liberalismus wurzelnde Leseverein im Februar 1871 im Gasthof Stöver, der einst an der Ecke Gartenstraße/Mittelstraße stand. Hier trafen sich die Mitglieder einmal wöchentlich, um aus Texten und Büchern zu lesen und diese kritisch zu diskutieren. Nach und nach bauten sie dort auch ihre Vereinsbibliothek auf, die 1899 schon 1200 Bände umfasste. Gesammelt wurden neben Romanen und Klassikern wie dem Don Quichotte auch Zeitschriften, Besinnungsschriften, Heimatbücher und Romane. Der gesamte Vorrat wurde bibliothekarisch erfasst und konnte von interessierten Bürgern gegen einen Obolus entliehen werden.

Bereits 1858 ist in Leichlingen allerdings ein noch älterer privater Leseverein in Dierath gegründet worden. Auch in Grünscheid und Oberbüscherhof gab es Leseclubs, ab 1874 außerdem den Katholischen Leseverein. Sie alle waren Vorläufer der Stadtbücherei, die 1898 in einem Zimmer der Bürgermeisterei in der heutigen Polizeiwache gegründet worden ist. Die „Eintracht“ war der bekannteste und größte. Vereinszweck war laut Satzung, „sich durch gute Lektüre geistige Bildung und belehrende Unterhaltung zu verschaffen“. In seiner Satzung forderte er von seinen Mitgliedern nicht nur regelmäßiges Erscheinen und anfangs 25 Pfennig Monatsbeitrag, sondern auch einen unbescholtenen Lebenswandel. „Mit dem Aufkommen der kirchlichen und staatlichen Leihbibliotheken nach 1920 stellt der Verein seine Tätigkeiten im Kriegsjahr 1940 ein“, so Schulz-Walden. „Bei der Auflösung wanderten einige Bände in die Bücherschränke der restlichen Mitglieder, der größte Teil aber musste an das Ersatzlazarett in Roderbirken abgegeben werden“, hat Annemarie Klein in ihrer Chronik der Stadtbücherei geschrieben.

Den Weg ins Stadtarchiv hat die ausgestellte „Geschichte des Sancho Pansa, vormahligen Stallmeisters des Don Quicotte“ gefunden. Der 260 Jahre alte Druck von Johann Michael Teubner aus Leipzig gilt der 1605/15 von Miguel de Cervantes geschriebenen Ritterparodie mit dem berühmten Kampf gegen Windmühlen.

Als bekannteste deutsche Ausgabe gilt die zwischen 1799 und 1801 übersetzte und publizierte Fassung von Johann Ludwig Tieck. Beim früheren Druck von 1754, der das Leichlinger Objekt des Monats ist, handelt es sich um eine deutsche Übersetzung in Frakturschrift, die mit einem schönen Kupferstich verziert ist.

Die Ausstellung im Foyer des Rathauses kann während der Dienstzeiten der Stadtverwaltung angeschaut werden: montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr und montags von 14 bis 17.30 Uhr.