29.09.2016
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Drei Verletzte: Nächtlicher Brand in Leichlinger Hochhaus

Die Folgen des Feuers: fünf Bewohner erlitten leichte Rauchvergiftungen, der Sachschaden beträgt 40 000 Euro.

Die Folgen des Feuers: fünf Bewohner erlitten leichte Rauchvergiftungen, der Sachschaden beträgt 40 000 Euro.

Foto:

Britta Berg

Leichlingen -

Der Alarm ging um 2.27 Uhr auf der Kreisleitstelle der Feuerwehr ein: Kellerbrand im Wohnhochhaus Am Büscherhof 2, direkt gegenüber dem Leichlinger Rathaus. Die Feuerwehr rückte sogleich mit ihren drei Löschzügen aus und rief beim Eintreffen am Brandort sofort noch den Löschzug Witzhelden hinzu. Rauch quoll zu diesem Zeitpunkt aus dem Kellergeschoss über Aufzugs- und Versorgungsschächte im Gebäude hinauf und zog außen die Fassade hoch. Einwohner im Erdgeschoss waren schon geweckt worden, weil Rauchmelder in ihrer Wohnung angeschlagen hatten, andere mussten von der Feuerwehr aus den Betten geholt werden.

Während die ersten Feuerwehrtrupps von außen die Kellerfenster einschlugen oder unter Atemschutzgeräten in den Keller eindrangen, waren andere Feuerwehrleute und Polizisten noch damit beschäftigt, die Einwohner aus dem Haus zu führen. Manche trugen ihre Kinder auf den Armen, andere hatten Hunde oder Katzen dabei, einige trugen lediglich den Schlafanzug am Leib oder waren in Badelatschen aus dem Haus geflüchtet. Ein Rollstuhlfahrer wurde aus dem Haus getragen.

Im Rathaus versorgt

Nicht alle wollten freiwillig sofort ihre Wohnungen verlassen, Gehbehinderten musste geholfen werden. Es dauerte, bis ein Hausmeister eintraf, der bei der Suche nach weiteren Hausbewohnern nur wenig helfen konnte. Bei einer Außentemperatur von minus vier Grad mussten die Mieter möglichst schnell von der Straße geholt und untergebracht werden. Dafür sorgte Ordnungsamtsleiter Thomas Knabbe, der früh mit der Feuerwehr eingetroffen war, indem er den Ratssaal aufschloss und die Leute ins Warme holte.

Derweil entdeckte die Feuerwehr, die im Wohnhauskeller die erste Brandstelle bereits gelöscht hatte, einen neuen zweiten Brandherd. Nach einem Löschangriff mit Wasser setzte die Wehr anschließend Schwerschaum zum Ersticken der Glut ein und flutete damit von außen das Kellergeschoss. Die Wehrleute, die sich im Keller unter Atemschutzgerät bei der Bekämpfung des Feuers abgewechselt hatten, erholten sich zwischendurch minutenweise in einem Betreuungsbus der Feuerwehr Köln, der auf der Neukirchener Straße stationiert worden war. Drei Personen hatten Rauchgasvergiftungen erlitten und mussten nach einer Erstversorgung durch Notärzte in Krankenhäuser gebracht werden.

„Lage im Griff!“, meldete Stadtbrandmeister Ronald Hillbrenner, der selbst den Einsatz von 60 Feuerwehrleuten leitete, gegen 5.45 Uhr. Die Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten, Ordnungsamt und Hilfskräften habe hervorragend funktioniert, die Evakuierung problemlos geklappt. Die Leichlinger wurden vom Rettungsdienst des Rheinisch-Bergischen Kreises und aus Leverkusen unterstützt, auch Hilfskräfte aus Solingen und Langenfeld waren hinzugekommen. Da die Leichlinger Wehr komplett ausgerückt war, hielt die Feuerwehr Burscheid sich mit Fahrzeugen und Einsatzkräften in der Wache am Wallgraben bereit.

Angaben zur Brandursache konnte der Einsatzleiter am Sonntagmorgen noch nicht machen. „Wir könnten nur mutmaßen“, wies Hillbrenner Fragen danach zurück. Dies zu ermitteln ist nunmehr Aufgabe der Kriminalpolizei, die das Kellergeschoss beschlagnahmt und versiegelt hat.

Bürgermeister Frank Steffes, der kurz nach drei Uhr zum Brandort gekommen war, hatte es inzwischen selbst mit übernommen, sich um die Hausbewohner und deren Unterbringung zu kümmern, während seine Frau Petra Jacobs gemeinsam mit Mitarbeiterinnen der Verwaltung Kaffee kochte und austeilte. Eine Aufgabe, die anschließend das Rote Kreuz übernahm, das auch für ein Frühstück im Ratssaal sorgte.

Die Hausbewohner konnten am Sonntag zunächst nicht zurück in ihre Wohnungen. Diese waren unterschiedlich stark vom Rauch in Mitleidenschaft gezogen worden. In einigen Fällen hatte die Feuerwehr Wohnungstüren einschlagen müssen und beim Löscheinsatz wurde das komplette Hochhaus von der Stromversorgung abgetrennt. Damit war allerdings auch das Blockheizkraftwerk abgeschaltet, das zahlreiche Wohnblocks im Viertel mit Wärme versorgt. Über 300 Wohnungen waren am Sonntag zunächst ohne Heizung. Die Wohnungsgesellschaften waren gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Bewohner ausquartiert

Die meisten Bewohner des Hochhauses fanden am Sonntag bei Freunden oder Verwandten Obdach, eine Familie mit kleinem Kind wurde von der Stadt in einer privaten Wohnung untergebracht. Die Feuerwehr war bis 10.15 Uhr im Einsatz, um mit Spezialgeräten das nach Rauch stinkende Gebäude zu lüften. Am Sonntag blieb das Haus versperrt. Einzeln ließ ein Hausmeister die Mieter nur kurzzeitig in ihre Wohnungen, um das Notwendigste herauszuholen. Erst wenn das Gebäude nach Messungen von Experten als wieder bewohnbar eingestuft wird und die Stromversorgung wiederhergestellt ist, können die Bewohner in den nächsten Tagen ihre Wohnungen zurückkehren.

Einige werden es mit mulmigem Gefühl tun. Immer wieder hatte es in der Siedlung in den letzten Jahren Brände gegeben, von denen einige auch gelegt worden waren.