25.08.2016
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Klinik Wersbach: Großes Interesse an Selbsthilfegruppe

Im „Bündnis gegen Depression“: Geschäftsführer Ali Sevinmez, Chefarzt Dr. Christoph Florange und Projektkoordinator Acar Sar (von links) vor der Klinik Wersbach in Witzhelden.

Im „Bündnis gegen Depression“: Geschäftsführer Ali Sevinmez, Chefarzt Dr. Christoph Florange und Projektkoordinator Acar Sar (von links) vor der Klinik Wersbach in Witzhelden.

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Britta Berg

Leichlingen -

Zufrieden bilanzierte gestern Abend der Geschäftsführer des „Bündnisses gegen Depression Rheinisch-Bergischer Kreis“, der diplomierte Kaufmann Ali Sevinmez, das Interesse an der Gründung einer Selbsthilfegruppe für Angehörige Depressionserkrankter in der psychosomatischen Klinik Wersbach in Witzhelden. Klinikmitarbeiter Burkhardt Politt konnte eine Reihe engagierter Familienmitglieder begrüßen. Aber auch einige medizinische Fachkräfte waren interessiert.

Sevinmez: „Die Nachfrage zeigt, wie notwendig es ist, das Thema Depression in der Öffentlichkeit zu enttabuisieren.“ Schließlich kann die Krankheit jeden treffen. Bereits im Vorfeld hatte sich der „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit dem Chefarzt der Klinik Wersbach, Dr. Christoph Florange, – die Einrichtung initiierte in diesem Jahr das regionale „Bündnis gegen Depression“ – über die Notwendigkeit, sich bei ernsthaften Anzeichen ärztlichen Rat zu suchen, unterhalten.

Vier Millionen Menschen betroffen

Die Zahlen schrecken auf. Rund vier Millionen Menschen leiden bundesweit an einer Depression, die behandelt werden muss. Florange: „Vor Depression ist niemand gefeit. Es kann jeden treffen – unabhängig der sozialen Situation. Nicht nur Spitzensportler, Manager oder berühmte Schauspieler wie zuletzt Robin Williams. Rentner, Hausfrauen oder Studenten erfahren die Krankheit ebenso wie Arbeiter, Lehrer und Beamte. Jeder Fünfte erkrankt einmal in seinem Leben daran. Für den Rheinisch-Bergischen Kreis ist dies ein einfaches Rechenexempel. Ein Dorf mittlerer Größe ist potenziell depressionsgefährdet. Ich rechne mit ein bis zwei Fällen je 100 Personen im Jahr. Das heißt, jeder kennt jemanden, der depressiv ist.“ Alarmierend ist ebenso die Zahl derjenigen, die im schlimmsten Fall nur noch den Ausweg der Selbsttötung wählen. Die meisten der jährlich rund 10 000 Suizide und 150 000 Suizidversuche in Deutschland sind laut Florange nach Angaben der Robert-Enke-Stiftung (der National-Torwart hatte sich 2009 das Leben genommen) und der Stiftung Depressionshilfe vermutlich „auf eine nicht oder nicht optimal behandelte Depression zurückzuführen.“

Positive Erlebnisse als Auslöser

Bei den Suiziden liegen die Männer vorn, bei den Selbstmordversuchen die Frauen. Sowohl für die Betroffenen als auch die Angehörigen ist es nicht immer leicht, die Anzeichen für eine Depression zu erkennen. „Viele Depressionen beginnen, ohne dass äußere Ursachen zu erkennen sind,“ erklärt Florange. Es kann sein, dass eine psychosoziale Krise, ein schwerer Schicksalsschlag wie etwa Scheidung, der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Tod eines nahestehenden Menschen zum erhöhten Risiko derjenigen führt, die durch genetische und erworbene Veranlagung zur Depression neigen.

Aber auch positive Ereignisse wie eine bestandene Prüfung, Beförderung oder Geburt können verantwortlich sein. Florange: „In solchen Fällen ist das Risiko aufgrund einer genetischen Disposition im Verwandtschaftsverhältnis ersten Grades besonders hoch.“

Für den Geschäftsführer ist Leichlingen erst ein Anfang. Nach Gesprächen stehen weitere Selbsthilfegruppen für Angehörige im Kreis auf der Agenda.

Kontakt und Auskünfte: Bündnis gegen Depression im Rheinisch-Bergischen Kreis, Projektkoordinator Acar Sar, ☎ 02174 / 39 87 77, Chefarzt Dr. Christoph Florange, ☎ 02174 / 3980.