26.09.2016
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Witzheldenerin leidet an Diabetes: Warnsystem auf vier Pfoten für sechsjährige Annie

Warnhündin Ronja passt nicht nur auf Anni und Tom auf, sondern ist ein „richtiges Familienmitglied“, wie Anni betont.

Warnhündin Ronja passt nicht nur auf Anni und Tom auf, sondern ist ein „richtiges Familienmitglied“, wie Anni betont.

Foto:

Britta Berg

Leichlingen-Witzhelden -

Sie singt und lacht und matscht im Vorgarten aus Wasser, Sand und einem Basilikumblättchen einen leckeren Kuchen: Annie Wolff aus Witzhelden am 12. September sechs Jahre alt. Ihr vierjähriger Bruder Tom assistiert mit Schaufel und einem Plastikbecher. Um die beiden herum tollt schwanzwedelnd der Familienhund „Ronja“.

Viele Schicksalsschläge

Sie ist eine junge, schlaue bayerische Gebirgsschweißhündin. Seit gut einem Jahr absolviert sie in einer speziellen Hundeschule in Witten die Ausbildung zum Diabetes-Warnhündin.

Eigentlich ist Annie ein ganz normales Mädchen. Wenn sie nicht so krank wäre. „Annie hat von Geburt an beidseitig schwere Klumpfüße und erlitt die Blutungskrankheit in der schwersten Verlaufsform“, erklärt ihre Mutter Arja Wolff-Mitmasser. Das „von-Willebrand-Jürgens-Syndrom“ habe man mit Hilfe der Ponseti-Methode hervorragend in den Griff bekommen, so führt die Mutter aus.

Als wäre das Leid der lebenslustigen Tochter nicht schon groß genug, ereilte Annie in der Zeit ihres ersten Geburtstags ein weiterer Schicksalsschlag: Nach einer routinemäßigen „MMR-Impfung“ (Masern, Mumps, Röteln) in einem bergischen Krankenhaus, erkrankte sie an Diabetes Typ 1. Uneingeschränkter Insulinmangel war die Folge. Da Annies Stoffwechsel noch nicht so konstant ist, wie bei Erwachsenen, erlebte sie bereits jungen Jahren Unterzuckerungen. „Einige davon waren so schwer, dass sie lebensgefährliche Krampfanfälle erlitt“, sagt Mitmasser-Wolff.

Ein Hund als Lebensretter

Phasen, in denen die Mutter und Vater Thomas Wolff nicht von ihrer Seite weichen. Vater Thomas, der in München arbeitet, versucht zur Unterstützung seiner Frau so oft wie möglich nach Witzhelden zu kommen. Für ihn („In keiner unserer Familien hat es jemals Fälle von Diabetes gegeben“) ist das Krankenhaus verantwortlich für Annies Zuckerkrankheit. Die Schuldfrage spielt aber derzeit für Annie keine Rolle. Sie muss darauf achten, dass ihr Blutzucker nicht bedrohlich absackt. Das erfordert ständige Betreuung. Besonders in der Nacht. Stündlich misst ihre Mutter Annies Blutzucker und injiziert je nach Symptom Insulin. „Manchmal ist es schwer, zu unterscheiden, ob sie schläft oder ins Koma gefallen ist“, ist die Mutter besorgt. Ein Koma ist lebensbedrohlich.

Um die körperliche wie psychische Belastung zu mindern, sind Annies Eltern „auf den Hund gekommen“. „Wir hörten, dass speziell ausgebildete Hunde die Menschen frühzeitig warnen können“, erinnert Annies Vater. Sie erschnüffeln die Unterzuckerung, schlagen bellend Alarm, stupsen Erkrankte an und können so Leben retten. Je nach Ausbildung sind die Diabetes-Warnhunde sogar in der Lage, eine Notfalltasche samt Traubenzucker und Blutzuckermessgerät zu apportieren.

Feines Näschen

Vor gut einem Jahr wurde Ronja gekauft, und Arja Mitmasser-Wolff besuchte mit ihm die Welpenschule in Dabringhausen. Die weitere Ausbildung zur Warnhündin übernahm „DiaDogs“ in Wetter an der Ruhr. Die Trainerin Jolante Wittek-Pakulo, bringt den Vierbeinern bei, den Geruch eines unterzuckerten Menschen zu erkennen. Ein Glück für Annie, dass Ronja so ein feines Näschen hat: „Ronja ist ein richtiges Familienmitglied“, ruft Annie stolz und streichelt ihr Fell. Nur ihrem Matsch-Kuchen vermag sie keinen Reiz abzugewinnen.


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