29.08.2016
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Rosenmontagszug wegen Sturm abgesagt: Opladen trotzdem jeck - och ohne Zoch

Im Turm der Altstadtfunken war um 14 Uhr schon viel los. Die Musik lief, das Bier war kalt gestellt und die Mariechen tanzten sich mit den Jecken warm.

Im Turm der Altstadtfunken war um 14 Uhr schon viel los. Die Musik lief, das Bier war kalt gestellt und die Mariechen tanzten sich mit den Jecken warm.

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Britta Berg

Leverkusen -

Bis vier Stunden vor Beginn des Opladener Rosenmontagszuges war nicht klar, ob die Jecken durch die Stadt ziehen werden oder nicht. „Aufgrund der Daten des Deutschen Wetterdienstes haben wir kurzfristig entschieden, den Zug abzusagen“, erklärte Stadtkämmerer Frank Stein am Montag. Es hatte am Sonntag bereits eine Besprechung gegeben, da hatte es noch so ausgesehen, dass der Zug stattfinden könnte. Die endgültige Entscheidung wurde aber für den nächsten Tag angesetzt – und fiel negativ aus.

Rolf Tscherney, Einsatzleiter der Feuerwehr, erläuterte die Beweggründe: „Für das ganze Stadtgebiet sind für die Kernzeit zwischen 15 und 20 Uhr Windstärken von sieben bis acht, Regen und Gewitter vorhergesagt.“ In der Spitze könne Sturmtief „Ruzica“ auch Windstärke zehn mit sich bringen, das bedeute Böen bis zu 118 Kilometern pro Stunde.

Die Gefahr durch herumfliegende Äste oder Ziegel sei einfach zu groß, so Stein. Die Sicherheit der Zuschauer und Zugmitläufer habe Priorität, sagte Uwe Krause, Präsident des Festkomittes Leverkusener Karneval. Doch er schien geknickt. „Momentan gibt es keine Pläne den Zug nachzuholen.“ Rund 2000 Teilnehmern mussten so schnell wie möglich angerufen werden. „Alle sind sehr enttäuscht,“ erzählte Zugleiter Manfred Luxem. Viele fragten auch, wieso bei Sonnenschein und blauem Himmel alles ausfalle.

Damit auch die Zuschauer informiert sind, fuhr ein Wagen des THW den Zugweg entlang und gab über Lautsprecher die Absage bekannt. Das sorgte für lange Gesichter bei denen, die es bis dahin noch nicht mitbekommen hatten, wie Vanessa Faust und Tochter Mila (3). Als Trostpflaster gab es für die Kleine etwas Süßes vom Bäcker.

Aber „Ruzica“ hielt die Jecken nicht vom Feiern ab. Die Altstadtfunken luden in den Funkenturm in der Neuen Bahnstadt. „Wir haben einfach alles zwei Stunden nach vorne verlegt“, erzählte Norbert Ross, Senatspräsident der Altstadtfunken. Die Musik lief und das Bier war kalt gestellt, als die Ersten vom Zugweg in den Turm kamen. Das Tanzkorps zeigte den Jecken seine Figuren auf der Tanzfläche. „Ich war 1990, als der Zug auch wegen Sturm abgesagt wurde, Zugleiter“, erzählte Präsident Rainer Martins. Deswegen habe er Verständnis für die Entscheidung. Alle waren zwar traurig, ließen sich die Stimmung aber nicht vermiesen.

Funkenkeller öffnete

Auch die Neustadtfunken öffneten den Funkenkeller um 14 Uhr, während das Jugendtanzkorps durch die Opladener Kneipen tourte und drinnen tanzte. Vor dem Funkenkeller gab es noch eine Einlage ohne Musik für die Schaulustigen. Präsident Stefan Hebbel überlegte schon, was mit den 1,5 Tonnen Kamelle passieren könnte: „Das wird den Zahnärzten zwar nicht gefallen, aber das, was nicht bis 2017 haltbar ist, werden wir an Schulen und Kindergärten geben.“ Strüssjer wurden schon draußen verteilt. Die Karnevalsgesellschaften sind sich aber einig: der Zoch soll nachgeholt werden.

Auch die Kneipen waren am Nachmittag voll. Die Sambagruppe der Musikschule Leichlingen holten ihren Auftritt im Stilbruch nach. Auch Manni Gruse mit den Opladener Piraten 111 machte das Beste aus der Situation. Sie zogen mit ihrem Wagen und lauter Musik durch die Fußgängerzone und verteilten die 2000 Frikadellen, die sie statt Kamelle mithatten. Ohne Zug war trotzdem viel los in Opladen.