25.08.2016
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Demonstration in Leverkusen: 1500 Leverkusener protestieren gegen Stelze – Kritik an Plänen für A 1

Vor dem Rathaus demonstrierten am Samstagmittag gut 1500 Leverkusener gegen eine Autobahnverbreiterung im Stadtgebiet und forderten eine Verlgeung von Teilen der A1 und auch der A3 bei deren Ausbau in Tunnel.

Vor dem Rathaus demonstrierten am Samstagmittag gut 1500 Leverkusener gegen eine Autobahnverbreiterung im Stadtgebiet und forderten eine Verlgeung von Teilen der A1 und auch der A3 bei deren Ausbau in Tunnel.

Foto:

Britta Berg

Leverkusen -

Nein, mit einer wütenden Straßenblockade war dies nicht vergleichbar, auch nicht mit einem Fahrradkorso auf der Autobahn. Aber immerhin waren gut 1500 Leverkusener Bürgerinnen und Bürger dem Aufruf der Leverkusener Initiativen für Verkehrsplanung gefolgt, um die Kundgebung „Tunnel statt Stelze“ vor dem Rathaus zu unterstützen.

Der Platz war Punkt Zwölf gut gefüllt, die Lautsprecheranlage drang kaum bis in die hinteren Reihen durch und es war unangenehm kalt. So vergingen gerade 37 Minuten bis das Reden-Programm abgespult war und die Teilnehmer wieder auseinandergingen und sich der Wochenendaktivität der inzwischen shoppenden Mehrheit anschlossen.

Mehr als die Billiglösung

Zufrieden zeigten sich die Veranstaltungsorganisatoren Peter Westmeier, Friedrich Jonas und Wolfgang Otternberg mit der Teilnahme. Nahezu alle Ratsparteien waren vertreten, auch Mitglieder der Bürgerliste und ihres Netzwerks gegen Lärm wurden gesichtet, viele Anwohner waren dabei. Die CDU kam in Orange, die Grünen ebenso in ihrem gewohntem Farbton wie die Roten Funken, die ihren Mottowagen mit dem Autobahntunnel grabenden Maulwurf zur Dekoration beitrugen.

Tunnel statt Stelze: Darum geht es bei dem Projekt
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Was im gegenwärtigen Planverfahren ablaufe, erfordere bürgerlichen Widerstand, stimmte Peter Westmeier ein. Das verkürzte Klageverfahren in der Autobahnplanung sei ein glatter juristischer Handstreich und eine inakzeptable Einschränkung der Bürgerrechte. Wenn Straßen NRW vorrechne, eine verbreiterte Autobahn in Hochlage sei billiger und schneller umsetzbar als ein Tunnel, laute seine Antwort: „Ja und?“ Schließlich seien Tunnelbauten in Düsseldorf und andernorts eine Selbstverständlichkeit. „Einen Billigtarif auf Kosten unserer Gesundheit lassen wir uns nicht gefallen“, sagte der Initiativsprecher unter Beifall der Menge mit Hinweis auf Feinstaub- und Lärmbelastung.

Deutliche Worte fand auch Oberbürgermeister Uwe Richrath, der die Leverkusener zum Kampf für die gewünschte Tunnellösung aufrief. Die Stadt nehme schon seit Jahrzehnten Sonderopfer auf sich, um die Hauptverkehrsachsen des Landes mit all ihren Folgen zu erdulden, und habe trotz vieler Belastungen als Industriestadt stets Verständnis für wirtschaftliche Erfordernisse aufgebracht. „Bei der Megastelze aber stellen wir uns endgültig quer.“ So werde der erforderliche Neubau der Rheinbrücke zwar nicht in Frage gestellt: „Was wir aber in Frage stellen, ist die Lässigkeit, mit der Straßen NRW unsere Forderung, die A1 durch das Stadtgebiet im Tunnel zu führen, abtropfen lässt“, sagte Richrath unter viel Beifall.

Tunnel statt Stelze: Das sagen die Bürger
Leverkusen/Köln, 13.02.16: Können die Bürger eine Erweiterung der Autobahn akzeptieren?  Beim Neubau der Leverkusener Autobahnbrücke und der Erweiterung der A1 gibt es Streit. Immer mehr Brüger fordern einen Tunnel, statt die Erweiterung der bestehenden Stelze. Hier sehen Sie, was die Bürger wollen...

„Der Preis, den wir Leverkusener dafür zahlen, ein Knotenpunkt im Bundesverkehrswegenetz zu sein, ist ohnehin schon hoch. Es ist nicht vermessen zu fordern, in eine Untertunnelung zu investieren. Ein Tunnel ist möglich. Er ist nicht die unkomplizierteste und billigste Lösung. Aber er ist das, was die Leverkusener Bürger wollen.“

Deswegen werde die Stadt nun darauf achten, dass in den angrenzenden Bauabschnitten keine Fakten geschaffen werden, die einen Tunnelbau unmöglich machten. Und „spätestens wenn ein Planfeststellungsbeschluss vorliegt, der unsere Forderungen nicht berücksichtigt, werden wir als Stadt klagen“, kündigte der OB an, der auch versprach: „Diese Demonstration wird nicht die letzte sein, bei der »Tunnel statt Stelze« gefordert wird.“

Tunnel statt Stelze: Demonstration gegen Bauprojekt
Leverkusen/Köln, 13.02.16: Sie fordern einen Autobahntunnel, statt die Erweiterung der Hochautobahn, der sogenannten Stelze, auf der A1. Dafür haben am Mittag rund 1.500 Bürger vor dem Leverkusener Rathaus demonstriert.

Kämpferische Töne schlugen auch die drei erschienen früheren Oberbürgermeister an. Walter Mende erinnerte daran, dass die Bayer-Sonderdeponie Dhünnaue seinerzeit für 220 Millionen Mark (großteils vom Staat) abgedichtet worden sei; an diesen mörderischen Giftcocktail dürfte man nie mehr rangehen. Geld dürfe nun bei der Entscheidung für die richtige Ausbauvariante der A1 nicht die entscheidende Rolle spielen. Paul Hebbel forderte dazu auf, gemeinsam stark zu sein und gegen die Megastelze anzutreten. Und Ernst Küchler erinnerte daran, dass die Leverkusener schon den Lindwurm und den überdimensionierten Ausbau des Autobahnkreuzes abgewehrt hätten. Der Tunnel sei alternativlos, da auch die Gesundheitsfolgen für Leverkusener ein Kostenfaktor seien.

Druck machen

Die bringt auch Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach ins Spiel, der Leverkusen zu weiterem Widerstand ermutigte, um für dieses Thema selbst in Berlin mehr Gehör zu finden. „Wir müssen Druck machen bis sich etwas bewegt“, forderte der SPD-Politiker und versprach selbst bis zum Schluss zu kämpfen. „Bleiben Sie dran!“ ermunterte auch CDU-Abgeordneter Helmut Nowak, der sich für einen Tunnel aussprach, durch den auch Gefahrguttransporte fahren können. Dranbleiben wollen die Initiativen auf jeden Fall. Die Fahrraddemo auf der Autobahn sei noch nicht vom Tisch. „Darüber wird noch zu reden sein!“, kündigte Westmeier an, der in seiner Ansprache darüber nachdachte, „auch mal gewissen zivilen Ungehorsam zu zeigen“.