28.09.2016
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Tiersterben in Leverkusen: Eine Million Bienen vergiftet

Mengen verendeter Bienen fanden Imker vor allem in Rheindorf-Süd am Anfang der Woche vor. Wo die Tiere vergiftet worden sind, kann zurzeit noch nicht gesagt werden.

Mengen verendeter Bienen fanden Imker vor allem in Rheindorf-Süd am Anfang der Woche vor. Wo die Tiere vergiftet worden sind, kann zurzeit noch nicht gesagt werden.

Leverkusen -

Eine Million Bienen, so neue Schätzungen aus dem Veterinäramt, sind bei dem rätselhaften Bienensterben am Montag und Dienstag verendet. Die Bienenvölker standen alle entlang des Rheins in Rheindorf-Süd und Hitdorf. Laut Imkermeister Konrad Kappek sind bis bis zu zwei Drittel aller Flugbienen in den betroffenen Bienenvölkern durch Vergiftung ums Leben gekommen.

Kappek sagt, dass die Völker in Rheindorf-Süd am stärksten betroffen seien. Schon aus dem Norden des Stadtteils gab es keine Meldungen über Vergiftungen. Auch nicht von der anderen Rheinseite. Deshalb sei eine Vergiftung des Rheinwassers, von dem die Tiere trinken, nicht sehr wahrscheinlich, sagte der Leverkusener Amtstierarzt Kurt Molitor. Auch weiter rheinabwärts und aus Wiesdorf gab es keine Meldungen. Es ist nur dieser schmale Streifen Leverkusens betroffen. Bei der aktuellen Wärme suchen Bienen bis zu drei Kilometer von ihrem Stock entfernt nach Nahrung.

20 bis 30 Völker von sechs Imkern seien stark geschädigt. Die Vergiftung am Montag sei sehr akut und schnell verlaufen, sagt Molitor: Die Insekten seien so geschwächt zu den Stöcken zurückgekehrt, dass sie vor den Einfluglöchern in Scharen verendet seien. Das Gift könne kaum aus einem privaten Garten stammen, so Molitor, das sei schon etwas größeres. „Das Bienensterben ist schon beängstigend, weil wir noch gar nichts wissen“, sagt der Amtstierarzt. In Frage kommt etwa ein vergiftetes Rapsfeld. Blühender Raps hat eine geradezu magische Anziehung auf Bienen. Aber keiner der Landwirte, die Molitor, befragt hat, habe ein bienengiftiges Spritzmittel verwendet. Die Landwirte benötigen die Bienen für die Bestäubung ihrer Äcker. Dass irgendetwas Giftiges auf die Rheinwiesen aufgebracht wurde, schließt der Amtstierarzt ebenfalls aus.

Der Wind kam am Montag laut Auskunft von Bayer aus Südsüdost. Also genau aus der Richtung, in der die Sondermülldeponie, die Kläranlage und die Müllverbrennungsanlage liegen. In den Betrieben sei es nicht zu Auffälligkeiten gekommen, so die Auskunft eines Currenta-Sprechers. Auch nicht bei den Bohrungen in den Deponiekörper, die wegen der Autobahnplanung zur Zeit laufen.

Aufschluss können wahrscheinlich nur die toten Tiere selbst bringen. Ein Glas voller vergifteter Bienen habe man an ein Untersuchungsinstitut geschickt, so Molitor. Zuerst werde nach den üblichen verdächtigen Giften gesucht, dann erst nach exotischeren Substanzen. Davon hänge ab, wann ein Ergebnis komme.

Es war eine kurze Nacht für einige Imker, denn die meisten machten es wie Konrad Kappek: Sie luden die Stöcke mit den verbliebenen Bienen in Autos und brachten sie in Sicherheit. Kappeks Stöcke stehen jetzt in Mettmann, andere in Opladen. Der 80-jährige Imkermeister Kappek befasst sich seit 70 Jahren mit der Imkerei, fast 40 Jahre in Leverkusen. Er hat so einen Fall noch nicht erlebt. „Ich bin so traurig, das können Sie sich nicht vorstellen“, sagt er, als er im Garten seines jugendlichen Hitdorfer Imkerfreunds Alexander Mann sitzt. Der Boden ist mit Bienenleichen übersät. Vereinzelt schwirren noch verwirrte Tiere umher, die ihre inzwischen abtransportierten Völker suchen. Und die Großmutter des Imkers spricht eine Angst aus, die auch andere spüren, so lange es keine Klarheit über die Ursache gibt: „Da wird’s einem mulmig, wenn man überlegt, dass auch Menschen hier vielleicht Gift abbekommen haben.“


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