27.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Amtsgericht: Fünf Jahre nach der Tat

Gericht, Saal
Foto:

Ralf Krieger

Opladen -

273 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten, in denen Kinder sexuell gequält werden: Für dieses Vergehen musste sich gestern ein junger Mann vor dem Amtsgericht in Opladen verantworten, der 2008 als 19-Jähriger die Inhalte in einem Internet-Café in Wiesdorf heruntergeladen haben soll. Dass der Fall erst so spät verhandelt wurde, sollte sich für den Angeklagten dabei als günstig erweisen.

Der Täter bereute seine Tat und beschrieb sein Verhalten von damals als ihm selbst unbegreiflich. Einige der Kinder auf den Bildern waren unter zehn Jahre alt, alle waren unter 14. Der Angeklagte verneinte allerdings, pädophile Neigungen zu haben und versuchte zu erklären, dass er nicht nur Inhalte von Kindesmisshandlungen heruntergeladen habe. Zudem berichtete er davon, dass sich sein Vater an seiner Halbschwester vergangen habe, eine Erinnerung, die ihn zutiefst aufzuwühlen schien und ihm nach eigener Aussage sein eigenes Verhalten noch unbegreiflicher mache. Angesichts der festgestellten Menge an Material waren derlei Entschuldigungen für den Richter Torsten Heymann aber unerheblich. Und auch der Angeklagte verlangte, für seine Taten bestraft zu werden, da er sich selbst dafür hasse - diese Forderung hatte der Richter so noch nie erlebt.

Neigungen nicht nachweisbar

Heymann stellte fest, dass der Angeklagte seit dem Herunterladen strafrechtlich nicht mehr in Erscheinung getreten war. Dadurch könnten ihm, so der Richter und die Staatsanwaltschaft einhellig, pädophile Neigungen nicht nachgewiesen werden. Da er bei der Tat noch 19 Jahre alt war, wendete Heymann Jugendstrafrecht an. Da knapp fünf Jahre seit der Tat verstrichen sind, sei das Ziel des Jugendstrafrechts, solche Straftaten nicht mehr zu begehen, eigentlich erfüllt, so der Richter. Die Schwere der Tat müsse jedoch eine Verurteilung mit sich ziehen. Schließlich habe der Angeklagte mit dem Herunterladen der Kinderpornografie billigend in Kauf genommen, dass diese weiterverbreitet würden. Dafür müsse er bestraft werden, auch wenn die Tat schon lange zurückliege. Richter Heymann folgte dem Antrag der Staatsanwältin und verhängte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à zehn Euro, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Ein Urteil, das der 24-Jährige sofort akzeptierte. Außerdem wurden ihm 30 Sozialstunden auferlegt. Falls der junge Mann innerhalb der nächsten zwei Jahre strafrechtlich nicht mehr in Erscheinung tritt, bleibt es bei dieser Verwarnung mit Strafvorbehalt, die nicht im Führungszeugnis vermerkt wird.

Abschließend bemerkte der Richter, dass sich der Schuldige glücklich schätzen könne, dass sein Fall nicht bereits 2008 verhandelt wurde: Dann nämlich hätte es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Freiheitsstrafe gegeben. Warum der Fall erst so spät verhandelt wurde, blieb unklar.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?