25.08.2016
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Anschlag: Der Opfer von Solingen gedacht

Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn (5. v. l.) und Polizeipräsident Wolfgang Albers (r.) nahmen an der Gedenkfeier mit Vertretern der Glaubensgemeinschaften und des Integrationsrates teil.

Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn (5. v. l.) und Polizeipräsident Wolfgang Albers (r.) nahmen an der Gedenkfeier mit Vertretern der Glaubensgemeinschaften und des Integrationsrates teil.

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Ralf Krieger Ralf Krieger

Leverkusen -

Eine, die mitten im Regen stehen blieb und zuhörte, war Caroline. Sie ist 20 Jahre alt und kam damit genau in jenem Jahr auf die Welt, in dem Neonazis in Solingen ein Haus anzündeten und fünf türkische Menschen töteten.

Es war ein Anschlag, dessen am Dienstag auf dem Rathausvorplatz Vertreter der Stadt sowie Geistliche verschiedener Religionen aus Leverkusen unter dem Motto „Gegen das Vergessen“ gedachten.

„Ich habe fünf meiner Blumen verloren“

Und bei Caroline kommt noch etwas hinzu: „Ich bin Leichlingerin und lebe damit ja direkt an der Grenze zu Solingen.“ Obwohl sie diese Tat im Jahre 1993 – die nur eine in einer Reihe von Untaten in Rostock, Mölln und Hoyerswerda war – selber nicht miterlebte, wisse sie ganz genau, was damals geschehen sei, und sehe daher auch, dass sich nicht so viel gebessert habe seitdem: „Man muss ja nur einmal auf die NSU-Morde schauen“, sagte Caroline – und schaute wieder herüber zu Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn, der gerade am Mikrofon unterm Pavillon stand und jene Sätze zitierte, die Mevlüde Genc sprach, nachdem ihre fünf Familienangehörigen in Solingen getötet wurden: „Ich habe fünf meiner Blumen verloren. Niemand soll diese Erfahrung je machen müssen. Wir sind doch alle Menschen dieser Erde, wir sollten liebevoll zueinander sein, sollten Respekt voreinander haben.“

Zuvor hatten nacheinander Amir Dzeladini, der Imam der Küppersteger Mesxhidi-Aksa-Moschee, der Superintendent der evangelischen Gemeinde, Gert-Rene Loerken, und Pastoralreferentin Donata Pohlmann zum gemeinsamen Gebet aufgerufen.

Loerken hatte zudem einen Blick in die persönliche Vergangenheit geworfen und erzählt, wie er 1993 die betroffene Familie in Solingen aufgesucht und ihr Unterschriften, Briefe und Bilder von Menschen überreicht habe, die „für alle Deutschen um Verzeihung baten“.

Denn das sei es, auf das man als Deutscher stolz sein könne: „Dass wir hier Menschen haben, die bereit sind, um Verzeihung zu bitten.“

Wieder und wieder. Denn: Auch nach 20 Jahren dürfe die Vergangenheitsbewältigung nicht enden. (frw)


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