24.07.2016
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Balkantrasse: Bahn wird frei für Räder

Balkantrasse

Sie sägten und schleppten, was das Zeug – oder Kreuz – hielt: die Mitglieder des Fördervereins Balkantrasse im Gehölz.

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Britta Berg Britta Berg

Bergisch Neukirchen -

Um kurz nach neun am Samstagmorgen war in Bergisch Neukirchen was los: In der Bäckerei Willeke wurden mehrere Tabletts belegter Brötchen geschmiert. Ein paar hundert Meter weiter die Rennbaumstraße runter sägten, hackten und schleppten jene, für die all diese Brötchen gedacht waren: rund 40 Mitglieder des Vereins Balkantrasse. Sie hatten sich getroffen, um den zukünftigen Rad- und Wanderweg von Gehölz freizumachen. Nicht zum ersten, sondern schon zum siebten Mal in diesem Jahr. Aber diese Schicht sollte die bislang längste werden.


„Wir haben nur noch maximal zwei Wochen Zeit, weil danach die Brutsaison der Vögel beginnt“, erklärte Vereinssprecher Jürgen Wasse. Wenn Vögel brüten, dürfen keine Bäume gefällt werden. Aber um die fünfeinhalb Kilometer lange ehemalige Bahnstrecke zwischen Imbach und Burscheid wirklich zur Flaniermeile durch die Natur machen zu können, muss die Trasse sechs Meter in der Breite und vier Meter in der Höhe frei sein von jeglichen Pflanzen.


Also krachte und knackte es am Wochenende zum vorletzten Mal – am 9. März wird noch einmal eine Schicht gefahren – ordentlich im Gebälk. Vor allem rund um die Brücke an der Obere Straße, wo sich die ausschließlich ehrenamtlich anpackenden Freizeitarbeiter ungefähr in jenem Moment versammelten, in dem weiter oben im Ort Brötchenhälften mit Butter beschmiert wurden. Manfred Haußmann war der Herr der Einsatzliste und hakte jeden Neuankömmling auf dem Klemmbrettpapier ab, um hinterher auch alle Arbeitsstunden zählen zu können. „Das ist wichtig“, betonte er. „Denn die müssen wir dem Land vorlegen. Die werden als unser Muskelbeitrag auf die Förderung angerechnet.“ In den vergangenen Monaten kamen rund 1400 Arbeitsstunden zusammen. Am Ende dieses Einsatzes sollte das Konto auf knapp 1600 anschwellen. Wie zur Belohnung gab es auch noch eine gute Nachricht von der Landesregierung: Der Verein darf „vorzeitig“ mit dem Ausbau der Trasse beginnen – es geht kein Tag Zeit verloren.


Beim Gehölzschnitt waren alle mit Eifer und Leidenschaft bei der Sache. Heinz Nemecek und Christian Ziesmer kamen mit Rucksäcken angetrottet, aus denen schwere Holzscheren herausragten. Arno Groll trug eine Kettensäge und die dazugehörige Schutzrüstung aus Helm mit Sichtschutz und schwerer Polsterkleidung. Petra Holler – nahe am Abholzplatz wohnend und daher logistisch im Vorteil – versorgte die Schuftenden mit Kaffee und Lauchsuppe. Einsatzleiter Gerald Völker schwor alle auf das ein, was sie zu tun hatten: die einen nach Norden, die anderen in den Süden. Und alles Holz auf die linke Seite werfen, damit die drei Traktoren und ihre Fahrer es schneller und einfacher einsammeln und wegschleifen können. „Und jetzt ran, Leute!“ Eine Minute später fiel der erste Baum, geschätzte sieben Meter lang. Das Krachen und Knacken wurde zur Geräuschkulisse bis in den späten Nachmittag hinein.