27.07.2016
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Balkantrasse: Selbst die Kritiker gratulierten

Bei der Rollenden Waldschule erfuhren die Besucher allerhand über die heimische Tierwelt.

Bei der Rollenden Waldschule erfuhren die Besucher allerhand über die heimische Tierwelt.

Leverkusen -

Fahrradklingeln hatten am Donnerstag keine Chance, gehört zu werden. Die Freunde und Förderer der Balkantrasse hatten an Christi Himmelfahrt angesichts des offiziellen Lückenschlusses der Radroute zwischen Burscheid und Opladen so viel Besuch, dass sie selbst nur noch ein Wort dafür fanden: „Bombastisch.“

Zwischen den Buden der Rollenden Waldschule, des Opladener Geschichtsvereins, des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) und sogar der DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft) flanierte unterhalb des Pattscheider Bahnhofs ein neugieriges Publikum, um sich auf der Trasse der einstigen Bimmelbahn ein Bild von dem fünf Kilometer langen Stück des neuen Radwegs zu machen, das auch für Fußgänger Skater oder Tretroller geöffnet ist.

Bahnfreunde mit im Boot

Luftballons stiegen auf, Kinder ließen sich schminken, und für den Verein der Freunde und Förderer der Balkantrasse Leverkusen war es vor allem ein Fest, dass die einstigen Kritiker vorbeikamen und gratulierten. Wie Gerald Völker aus dem Aktivenkreis betonte, ist es gelungen, heimatverbundene Bahnfreunde und Radfahrer ins Boot zu holen. Anfangs habe man befürchtet, dass aus den Reihen derer, die dem Balkanexpress nachtrauern, Widerstand käme. Aber sie seien an der weiteren Entwicklung der Trasse interessiert.

Ideal ist die Strecke für Fahrradtourismus, aber auch als sicherer Schul- und entspannender Freizeitweg. Gediehen ist das Projekt unter anderem durch zahlreiche private Spenden, eine sogar über 10 000 Euro betrugen. Das Gelände musste der Verein der Bahn abkaufen. Einschließlich Schotter, Bauarbeiten, Grünschnitt belaufen sich die Kosten auf 1,7 Millionen Euro. Aber durch die Brückenabgabe gibt es gut ein Drittel des Kaufbetrags von der Bahn zurück. Damit hat aber der Verein die Verpflichtung übernommen, an den Brücken – und auch entlang der übrigen Trasse – für Sicherheit zu sorgen. „Vonseiten der Stadt wurde uns für 20 Jahre die Verkehrssicherungspflicht übertragen“, sagt Völker. Das sei kein leichtes Unterfangen, denn der Baumbestand entlang der Trasse ist alt, hoch und teilweise durch jahrzehntelangen Wildwuchs im Schatten ziemlich krumm. Viele „Lichtbäume“, deren Äste den verbliebenen Sonnenstrahlen entgegen wuchsen, müssen heute besonders umsichtig kontrolliert werden, damit kein Totholz auf den Weg fällt.

Ein bischen wirkt das wie eine Sisyphusarbeit. Und Völker, der selbst aus der Forstwirtschaft kommt, hofft, dass es für die Flora entlang der Trasse in den kommenden Jahren den Waldstatus gibt. Dann könne man auf rechtlicher Grundlage so forsten, dass sich Gefahren besser vorbeugen lasse.

Hunde an der Leine

An die Nutzer des Radwegs appelliert der Verein, immer ein Auge auf Tiere zu halten. Hunde sind wie überall in Leverkusen an der Leine zu halten, darauf sollen auch Schilder hinweisen. Vor einigen Wochen hatte ein Hund ein trächtiges Reh gerissen.

Für die Tierwelt sieht Völker jedoch insgesamt einen Gewinn. Denn dadurch, dass die einst verwilderte Trasse nun wieder heller werde, dürften auch Amphibien wie die Ringelnatter die Wärme suchen und finden.

Heinrich Spangenberg von der Rollenden Waldschule leistete jede Menge Aufklärungsarbeit über die Welt der Tiere. Und wies am Beispiel der Ente, deren weiblicher Part durch das Federkleid gut getarnt ist, neben dem schillernden Erpel aber etwas unauffällig wirkt, auf einen grundlegenden Unterschied zwischen Mensch und Tier hin: „Im richtigen Leben sind die Frauen ja schöner.“