28.08.2016
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Bayer-Hauptversammlung: Bienen-Attacke auf Bayer

Ein Aktivist hat tote Bienen in die Hauptversammlung von Bayer geschmuggelt.

Ein Aktivist hat tote Bienen in die Hauptversammlung von Bayer geschmuggelt.

Foto:

Ralf Krieger

Leverkusen/Köln -

Die Bayer-Hauptversammlung und Proteste, das gehört zusammen wie Pech und Schwefel. Am Freitag geht es an den Nordhallen der Kölner Messe aber besonders hoch her: Vier Leute von Greenpeace seilen sich – unterstützt von vier Helfern – vom Hallendach ab und entrollen ein Transparent. Auf 75 Quadratmetern behaupten die Umweltaktivisten: „Bayer-Pestizide töten Bienen!“ Die Konzernkommunikatoren haben so etwas aber schon geahnt und kontern mit einem eigenen Banner: „Wir machen deutlich mehr für Bienen, als Ihr glaubt.“

Auf eine weitere Aktion ist man aber nicht vorbereitet. Ein Protestler hat Hunderte tote Bienen in seiner Aktentasche versteckt und damit tatsächlich die peniblen Personenkontrollen am Eingang überwunden. „Im Scanner konnte man das nicht sehen“, sagt einer der 775 Sicherheitsleute, nachdem sich die toten Tiere im Foyer der Halle auf den Boden ergossen haben: Punktsieg für die Protestierer.

Drinnen geht es zunächst nicht um Bienen – schon eher um Kohle in jeder Form. Bevor aber Antje Kleine-Wiskott von den Kritischen Aktionären Marijn Dekkers über die Importquote von Steinkohle aus Kolumbien – 40 000 Tonnen pro Jahr – ausfragen kann, geht es um Geld. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigt sich besorgt und euphorisiert zugleich: Die teuren Vergleiche mit amerikanischen Frauen, die nach der Einnahme von Antibabypillen, die mit der Schering-Übernahme zu Bayer gekommen sind, krank wurden, bereiten dem Aktionärsvertreter ebenso Kopfzerbrechen wie die schwache Leistung von Bayer Material Science. Toll findet Tüngler dagegen den Geschäftsgang insgesamt: „Wir strotzen vor Kraft.“ Und weil Bayer in diesem Jahr 150. Geburtstag feiert, stellt er vor 3200 Aktionären die Getränkefrage: „Wo ist der Champagner?“

Die Antwort gibt der Hausherr. Werner Wenning, seit vorigem Herbst endlich Chef des Aufsichtsrats und damit Versammlungsleiter, macht Tüngler mit den Regeln des Hauses vertraut: „Champagner gibt es bei uns nur zu vollen Jahrhunderten. Sie sind aber herzlich eingeladen“, sagt der 66-Jährige und lächelt leicht. Wenn schon kein Schampus, dann wenigstens eine überschäumende Dividende – aber auch in dieser Hinsicht macht die Bayer-Führung Tüngler keine Hoffnung. Die in den Raum geworfenen 2,20 Euro pro Aktie – in diesem Jahr sind es 1,90 – bleiben ohne Echo: „Die Dividende wird im Frühjahr 2014 vorgeschlagen“, erwidert Vorstandschef Marijn Dekkers kühl.

Ganz so sachlich bleibt Wenning nicht, als es um die Verabschiedung des Arbeitsdirektors geht. Mit Richard Pott verlässt Ende des Monats der letzte Leverkusener den Bayer-Vorstand. Wenning bezeichnet Pott als „kompetitiven Kollegen“. Diese ungewöhnliche Würdigung bleibt seitens der wachsamen Kritiker des Konzerns, die sich wiederum in stattlicher Zahl zu Wort melden, natürlich nicht unkommentiert: „Ich frage mich: Hat der die ganze Zeit an Ihrem Stuhl gesägt?“ So lautet der Kommentar des Aktionärs Ulrich Giebel, der im Zusammenhang mit der Personalie fragt: „Warum darf Herr Pott mit 60 Jahren in Ruhestand gehen, während Herr Plischke noch mit 62 arbeiten muss?“

Die Antwort fällt leicht: Die Vorstandsmitglieder dürfen sich in einem gewissen Rahmen aussuchen, wann sie aufhören. Und Forschungsvorstand Wolfgang Plischke wird nach dem plötzlichen Abgang von Jörg Reinhardt ja auch noch als Chef der Bayer-Pharmasparte gebraucht. Weitere Themen auf dem Aktionärstreffen sind das Bezahlsystem für den Vorstand, die ausbaufähige Frauenförderung, Tierversuche, die schlechtere CO2-Bilanz – daran ist die chinesische Kunststoffproduktion schuld – und natürlich die Kohlenmonoxid-Pipeline: ein Dauerbrenner. Wo es so viel zu fragen, vorzuwerfen und zu beantworten gibt, darf man nicht auf die Uhr schauen. Auch lange Debatten gehören zwingend zur Bayer-HV.