25.08.2016
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Carl-Duisberg-Park: Bronzeskulpturen zerstört

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Ralf Krieger

Wiesdorf -

Der Schaden, den Metalldiebe am vergangenen Wochenende für die Leverkusener angerichtet haben, ist immens - nicht allein materiell. Es wurden Bronzefiguren gestohlen, von denen die älteste in der Stadt seit 100 Jahren ihren Platz hatte. Die Kunstdiebstähle, die vermutlich ganz ordinäre Metalldiebstähle sind, geschahen an zwei Wochenenden im Carl-Duisberg-Park. Beim ersten, Anfang des Jahres, war am Montagmorgen plötzlich eine Bronzegruppe mit Hirschen verschwunden, die etwas versteckt in unmittelbarer Umgebung der Duisberg'schen Grabstätte, dem Floratempel, gestanden hat. Einfach abgesägt.

Ein schmerzlicher Verlust, doch am vergangenen Wochenende schlugen die Diebe in der gleichen Ecke des CD-Parks wieder zu. Dieses Mal schleppten sie zwei wichtige Kunstwerke fort. Mit brachialer Gewalt stürzten sie die Figuren "Die Tatkraft" mitsamt dem steinernem Sockel direkt vor dem Grab Duisbergs um, sägten ein Bein der überlebensgroßen muskulösen Männerskulptur ab und brachen das zweite bronzene Bein mit Gewalt von der Sockelplatte ab. Ebenfalls verschwunden sind die zwei nackten Jägerinnen. Die Frauen-Aktgruppe ließ der Geheimrat 1913 auf der Gartenterrasse seiner Villa aufstellen, also etwa dort, wo heute die Konzernzentrale steht. Lange Zeit stand sie am Wasserlauf, der den japanischen garten nach Süden begrenzt. Neulich wurden die Jägerinnen wieder umgestellt: an eine Gabelung am Verbindungsweg zwischen Baykomm und Konzernzentrale. Also im Herzen des Konzerns, keine 100 Meter vom Sitz des Vorstands entfernt. Hier wurde offenbar zuerst die steinerne Sockelplatte mitsamt den darauf fest montierten Figuren vom Betonfundament heruntergerissen, anschließend sägten die Diebe die Beine in Höhe der Fesseln ab.

Ein äußerst dreister Diebstahl, von dem niemand etwas mitbekommen hat - auch nicht der Werkschutz. Eigentlich fast eine Demütigung für Bayer. Möglicherweise hat der hohe Kupfergehalt der Jägerinnen die Diebe dieses hohe Risiko eingehen lassen. Die Figuren waren mit hellgrüner Kupferpatina überzogen, ähnlich wie die Freiheitsstatue. Zurzeit sind nur noch zwei Füße der Jägerinnen auf der heruntergerissenen Platte zu sehen. So ein Diebstahl sei natürlich anders zu bewerten, als wenn eine Rolle Kupfer geklaut würde, sagte ein Bayer-Sprecher. Duisberg hatte den Floratempel zu Lebzeiten als Grabstätte für seine Frau und sich vom Kunstprofessor Fritz Klimsch bauen lassen, aus dessen Werkstatt auch die Figuren stammen. Die Polizei sei an der Sache dran, so der Bayer-Sprecher, aber die Figuren lägen vielleicht irgendwo im Schrott, wenn sie nicht längst eingeschmolzen seien.

Die Polizei bestätigte, dass Ermittlungen laufen. Die Skulpturen seien am Sonntag zwischen 1.30 Uhr und 19.30 verschwunden. Der aktuelle Kupfer- und Bronzepreis liegt bei etwa fünf Euro je Kilogramm. Jede der Figuren wiegen vielleicht 100 Kilogramm. Auf Auktionen erzielten schon kleinere Klimsch-Figuren leicht 40 000 Euro. Wie die Kunsträuber die schweren Metallfiguren aus dem Park geschafft haben, ob sie mit einem Transporter in den Park gefahren waren, ist unklar. Zum Floratempel, dem Duisberg-Grab, gehört auch die Frauenfigur "Die Demut". Sie wurde vermutlich nur deshalb nicht gestohlen, weil ihr Kleid bis auf den Sockel reicht. Diese solide Basis lässt sich nicht schnell absägen. Wie gut kannten sich die Parkdiebe aus? Der Umstand, dass im japanischen Garten, der voller Bronzeskulpturen, Glocken und Buddhastatuen steht, kein einziges Kunstwerk fehlt, lässt darauf schließen, dass die Diebe ein wenig Ortskenntnis haben. Dort gibt es zumindest ein Alarmsystem. In Bürrig scheiterten Diebe vor etwa einem Jahr daran, zwei Bronzeschweine abzusägen. Die lebensgroßen Tierfiguren stehen auf dem Dorfplatz. Sie sind unterdessen durch Stahl in den Beinen gegen Absägen gesichert worden.