28.08.2016
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Erschossener Hund: Jäger auf Schadenersatz verklagt

Von diesem Hochsitz aus erschoss der Jäger den Hund, den er für einen Fuchs hielt.

Von diesem Hochsitz aus erschoss der Jäger den Hund, den er für einen Fuchs hielt.

Foto:

Ralf Krieger

Leverkusen -

Der Jäger, der für den tragischen Unfall mit einem kleinen Hund in Romberg verantwortlich ist, muss mit Sanktionen rechnen. Wie der Vorsitzende der Leverkusener Jägerschaft und Präsident des Landesjagdverbands NRW, Ralph Müller-Schallenberg, erklärt, hat er rechtswidrig und fahrlässig den Hund vom Hochsitz aus erschossen, den er irrtümlich für einen Fuchs hielt (wir berichteten). „Das geht gar nicht. Ein Jäger darf keinen Hund erschießen. Er darf nicht schießen, bevor er sich ganz sicher ist, dass es ein Fuchs ist. Das ist vergleichbar mit der Situation eines Autofahrers, der 200 bei erlaubten Tempo 100 fährt“, sagt Müller-Schallenberg. Zwar sei der Hund klein und rötlich, doch von einem Fuchs zu unterscheiden gewesen, sagt Müller-Schallenberg.

Die Hundehalter seien selbst Jäger und hätten sofort Strafanzeige gestellt. Der Jäger, der aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis stammt und die Jagderlaubnis von dem Pächter der betreffenden Jagd in Bergisch Neukirchen hatte, sei am Boden zerstört. „Er hat nun einen Rattenschwanz an Problemen“, sagt Müller-Schallenberg, der auch Rechtsanwalt ist. Er wird ihn im Strafverfahren vertreten. In ähnlichen Fällen, bei denen es sich nicht um Vorsatz, sondern einen tragischen Unfall in Folge fahrlässigen Verhaltens handle, sei es auf eine Geldstrafe hinausgelaufen. Schwierig werde es wohl auch mit dem Jagdschein und der Waffenbesitzkarte. Die könnten seiner Einschätzung nach für zwei bis drei Jahre eingezogen werden.

Eine Hexenjagd wollte sie vermeiden und den Fall nicht an die große Glocke hängen, erklärte die Besitzerin des Hundes gestern am Telefon. Denn nun gerieten die Jäger wieder unter Generalverdacht und müssten mit üblen Streichen rechnen, die sich ihre Gegner ausdächten. Sie kenne den Pächter der Jagd. Dieser habe dem Unglücksschützen die Genehmigung erteilt, ausschließlich auf Rehböcke zu schießen. Als er von der Tat des Jägers informiert worden sei, habe der Pächter Tränen in den Augen gehabt. Man könne jedoch keinem in den Kopf schauen.

Empört sind die Halter des kleine Hundes, dass der Schütze zuerst leugnete, ihn gesehen zu haben. Er habe sogar in ihrem Beisein einen Passanten gefragt, ob er das Tier gesehen habe. Aus 30 Meter Entfernung habe er eine Minute zuvor mit dem Zielfernrohr einen Blattschuss gesetzt. Und dann unwirsch mit den Besitzern gesprochen, die ihren Hund suchten. Erst anderthalb Tage später sei er bei der Polizei mit der Wahrheit herausgerückt. „Man kann im Leben immer Fehler machen, aber so zu lügen, das geht nicht.“ Die Hundehalter haben den Schützen auf Schadenersatz verklagt. Der verantwortliche Jäger müsse laut Müller-Schallenberg damit rechnen, dass er diesen zahlen und seine Haftpflichtversicherung einschalten müsse. Materiell einen Hund zu ersetzen, so meint Müller Schallenberg, sei zwar möglich, aber zwiespältig. Denn den Verlust und die Trauer wiege das natürlich nicht auf. „Die Jägerschaft will den Fall nicht beschönigen. Es war nicht korrekt.“