26.09.2016
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Rhein-Unterquerung: Erbitterter Streit um Giftgas-Leitung - Demo vor Bürgerhalle

Vor der Bürgerhalle postierten sich Gegner der Kohlenmonoxid-Leitung. Nicht alle gingen in den Saal.

Vor der Bürgerhalle postierten sich Gegner der Kohlenmonoxid-Leitung. Nicht alle gingen in den Saal.

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Ralf Krieger

Leverkusen -

Es war schwer, sachlich zu bleiben. Am Dienstagabend wollte Covestro, die frühere Bayer Material Science, über ein Projekt sprechen, das seit zwei Jahren heiß diskutiert wird. Das galt auch diesmal. Seit der „Leverkusener Anzeiger“ die Aufmerksamkeit auf die Kohlenmonoxid-Leitung zwischen Dormagen und Leverkusen lenkte, gibt es auch hier einen Pipeline-Streit. Der ähnelt stark der seit fast einem Jahrzehnt verbissen geführten Auseinandersetzung um die CO-Leitung zwischen Uerdingen und Dormagen, die bis heute nicht in Betrieb ist. Dagegen fließt das gefährliche Gas seit 2001 zwischen den beiden Chemparks links und rechts des Rheins. Und das, ohne dass bisher Zwischenfälle bekannt wurden. Während die Pipeline zwischen Uerdingen und Dormagen neu ist, benutzt die heutige Covestro im Leverkusener Fall eine rund 50 Jahre alte Stahlröhre, die ursprünglich für das weitaus ungefährlichere Kohlendioxid gedacht war.

Dennoch bereite das alte Rohr ihnen kein Kopfzerbrechen, beteuern die Verantwortlichen stets. Das war auch am Dienstag in der Bürgerhalle so. Was aber schnell besser werden soll, ist die Rhein-Unterquerung des Röhrenbündels: Neben CO fließen auch Erdgas, Ethylen, Sauerstoff, Stickstoff und Wasserstoff von Dormagen ins Stammwerk. Seit einiger Zeit laufen die Genehmigungsverfahren. Wenn alles glatt geht, „planen wir, den Düker im Frühjahr 2017 in Betrieb zu nehmen“, sagte Uwe Wittka, der das Projekt beim Chempark-Betreiber Currenta leitet.

Dass der neue, begehbare Düker mehr Sicherheit biete als der alte, in den man nicht hineinkommt, und wo die Leitungen an manchen Stellen Rost angesetzt haben, beschrieb Martin Wolf, der sich bei Covestro um die Leitung kümmert. „Bei der Sicherheit gibt es keine Kompromisse“, sagte er. Mit der freiwilligen Informationsveranstaltung wolle Covestro dazu beitragen, dass darüber Gewissheit entstehe. „Sie müssen sich sicher fühlen in der Nachbarschaft.“ Auf Walter Endlein trifft das zu. „Ich wohne ein paar Meter von hier und verstehe nicht, warum hier immer nur über die Gefahren geredet wird.“ Er jedenfalls empfinde den neuen Rhein-Düker als Fortschritt in Sachen Sicherheit. Tatsächlich ging es in der Diskussion weniger um den Düker als um die Leitung insgesamt. Die Gegner halten sie vor allem wegen des Rosts für unsicher und wollen, dass sie außer Betrieb geht. Gottfried Schweitzer stritt sich ergebnislos mit Martin Wolf darüber, wie Tüv-Gutachten über die Leitung zu interpretieren sind.

Protest vor Bürgerhalle

Schweitzer gehörte auch zu den Protestlern vor der Bürgerhalle, denen sich die „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ angeschlossen hat. An der Informationsveranstaltung drinnen nahm die „Coordination“ nicht teil. Aus Protest: „Für ergebnisoffene Diskussionen stehen wir gerne zu Verfügung, nicht aber für Alibi-Veranstaltungen zur Akzeptanzförderung“, sagte Sprecher Philipp Mimkes. Was er meinte: Die Bezirksregierung hatte eine Agentur mit der Organisation der Bürger-Info beauftragt. Stattdessen „sollte die Bezirksregierung lieber ein reguläres Genehmigungsverfahren durchführen“, so Mimkes: Die Gegner fordern, dass die gesamte Leitung geprüft wird. Das würde ein Planfeststellungsverfahren auslösen, zu der eine Prüfung der Umweltverträglichkeit gehört. Sie würde, glauben die Kritiker, das Projekt in ein ganz anderes Licht tauchen.

Deshalb führte Dieter Donner eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs an. Vor vier Wochen hätten die Richter festgestellt, dass die Regeln, nach denen deutsche Genehmigungsverfahren laufen, „gegen die Umweltschutz-Richtlinien in der Europäischen Union verstoßen“. Das nähre Zweifel daran, dass beim neuen Düker genau genug geprüft werde. Donner kämpft lange gegen die Pipeline zwischen Uerdingen und Dormagen – und blieb sachlich.