24.07.2016
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Integration in Leverkusen: Zuwanderer und Schüler sind „The Internationals“

Vom Probenraum der Schule auf die große Bühne: „The Internationals“ treten im Juni beim Benefizkonzert im Scala auf.

Vom Probenraum der Schule auf die große Bühne: „The Internationals“ treten im Juni beim Benefizkonzert im Scala auf.

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Ralf Krieger

Leverkusen -

Nebojša singt auf Serbisch, ein romantisches Lied über eine nicht endende Liebe. Der Junge begleitet sich auf der Gitarre, schließt die Augen, ist versunken in seiner Musik. Der Applaus seiner Mitschüler entlockt dem 18-Jährigen nach drei Minuten ein verschmitztes Lachen. Dann postieren sich Diana aus Venezuela, Samrawit aus Äthiopien und die anderen Sänger vor den Mikrofonständern. Schlagzeug, Trommeln, Keyboard, Bass und Gitarre erklingen. Die Mädchen singen „Aïcha“ in einer französisch-arabischen Version.

„The Internationals“ heißt die vor drei Jahren gegründete Band der Manforter Theodor-Wuppermann-Hauptschule. 17 Jugendliche gehören derzeit zum Ensemble, das sich am Donnerstag einen ganzen Tag zum Proben gönnte. Im Juni nämlich steht der erste große Auftritt an: Beim Benefiz-Konzert der Leverkusener Rotary Clubs spielen „The Internationals“ im Opladener Scala.

„Ganz tolle Sache“

Das Besondere an der Band ist ihre Zusammensetzung. Schüler, die erst seit ein oder zwei Jahren in Deutschland leben und an der Hauptschule die Internationalen Förderklassen besuchen, musizieren mit Gleichaltrigen, die in Leverkusen aufgewachsen sind. „Für die Integration und die Persönlichkeitsentwicklung ist das eine ganz tolle Sache“, erzählt Lehrer David Körner, der die Band mit seinen Kollegen Mareike Kessels und Max Mehner betreut.

Die Freude ist jedem der Schüler anzusehen. „Musik ist eine internationale Sprache“, sagt Karina (17), die vor zwei Jahren aus Kirgistan eingewandert ist. Auf Deutsch verständigen können sich die Bandmitglieder inzwischen alle, „aber Deutsch singen ist einfacher als Deutsch sprechen“, sagt die gebürtige Polin Emilia (15). Freudestrahlend erzählen die Teenager vom Probenwochenende in einer Jugendherberge, das die Gruppe noch stärker zusammengeschweißt habe. Der Rotary Club Leverkusen unterstützt die Förderklassen an der Theodor-Wuppermann-Hauptschule finanziell. Präsident Martin Gerling besuchte deshalb die Probe. Die Band profitiert davon, aber auch die anderen 120 Schüler in den sechs Internationalen Klassen. Sie erhalten dank der Spende zusätzlichen Deutschunterricht in kleinen Gruppen.

Überdurchschnittlich motiviert seien die jungen Zuwanderer, berichten ihre Lehrer. Manch ein Kollege sei anfangs skeptisch gewesen, wie er in den heterogenen Gruppen unterrichten soll, erzählt Schulleiter Walter Kümmeler: „Inzwischen reißen sich die Lehrer darum. Die Schüler wollen lernen, sie hängen uns förmlich an den Lippen.“

Nach maximal zwei Jahren sollen die Schüler in eine Regelklasse wechseln. Emilia hat den Sprung geschafft; sie möchte das Abitur machen und Psychologie studieren. Ferial (18), deren Abitur aus dem Irak nicht anerkannt wird, möchte Chemielaborantin werden. Einfach zu Erlernen sei die deutsche Sprache nicht, aber Musik helfe ihr, verrät Ferial und grinst: „Helene Fischer zum Beispiel.“