25.07.2016
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Interview mit dem Geschäftsführer: "Der gelbe Sack wird ersetzt"

Hans Jürgen Sprokamp, Geschäftsführer von Avea.

Hans Jürgen Sprokamp, Geschäftsführer von Avea.

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Ralf Krieger

Leverkusen -

Als Geschäftsführer der Avea ist Müll ihr Geschäft. Sie haben täglich damit zu tun. Wird es die Leverkusener in Zukunft auch mehr beschäftigen?
Hans-Jürgen Sprokamp: Leverkusen wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren intensiv mit dem Thema Müll auseinandersetzen müssen. So wird es zum Beispiel die Diskussion um die Biotonne geben, die bis zum 1. Januar 2015 eingeführt werden muss. Da müssen wir uns gemeinsam mit der Stadt beraten, wie wir das umsetzen wollen.

Wird es weitere Änderungen geben?
Sprokamp: Ja, in der Diskussion ist auch eine sogenannte Wertstofftonne, die den Gelben Sack ersetzen soll. Auch andere Wertstoffe sollen darin Platz finden, etwa das Bobbycar oder die Pfanne. Auch über diese Umsetzung werden wir uns beizeiten mit der Stadt gemeinsam Gedanken machen müssen, denn damit sind viele Fragen verbunden. Mit jeder Tonne, die zusätzlich vor der Tür steht, wird die Entsorgung komplexer und damit auch teurer. Aber jetzt muss erst einmal das neue Wertstoffgesetz kommen und dann sehen wir weiter.

Die Leute müssen sich also nicht auf einen schnellen Wechsel einstellen?
Sprokamp: Bei den Tonnen nicht, aber es wird einen anderen Wechsel geben, der schon lange überfällig ist und das Stadtbild eindeutig verbessern wird. Wir werden zeitnah die derzeitigen Behälter für Altglas gegen neue austauschen und für Altkleider und Elektro--Schrott neue aufstellen.

Sie haben im vergangenen Jahr rund 5,5 Millionen Euro Gewinn gemacht und knapp zwei Millionen Euro davon an die Stadt Leverkusen überwiesen. Sind sie zufrieden mit dem Geschäftsergebnis?
Sprokamp: Ja, das bin ich. Auch in diesem Jahr sind wir auf einem guten Weg. Wir werden etwa bei dem Ergebnis des vergangenen Jahres landen. Auch wenn es Anfang 2013 ein wenig schwierig war, weil der Winter so lang und so kalt war. Da fällt automatisch weniger Müll an. Dafür lief aber das Geschäft mit der Fernwärme gut. Aber nicht nur die Höhe unseres Jahresüberschusses hat bei uns oberste Priorität.

Und wäre?
Sprokamp: Es geht darum, Entsorgungssicherheit bei stabilen Gebühren für unsere Bürger sicherzustellen. Unser Überschuss geht zu einem großen Teil an unsere Gesellschafter zurück und somit in die kommunalen Haushalte. Außerdem helfen die erwirtschafteten Überschüsse dabei, die Gebühren möglichst niedrig zu halten, etwa die Gewinne aus dem Geschäft mit der Erzeugung von Strom und Fernwärme, aber auch die Verbrennung von Müll aus der Privatwirtschaft. Um das alles gewährleisten zu können, ist es wichtig, dass unsere Verbrennungsanlage gut ausgelastet ist.

Woher kommt der Müll?
Sprokamp: 70 Prozent der Auslastung erreichen wir durch die Verbrennung von kommunalem Abfall aus unserem Entsorgungsgebiet. Die restlichen 30 Prozent bekommen wir aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens oder überregional, vor allem aus Süddeutschland.

Ist Müll aus Italien noch ein Thema?
Sprokamp: Ja, weil wir hier in NRW Überkapazitäten haben. Das Thema ist gerade aber nicht akut. Außerdem ist die Abwicklung sehr kompliziert.

Die rot-grüne Landesregierung möchte die Müllverschickung eindämmen und den Kommunen vorschreiben, wo der Müll zu bleiben hat. Damit könnte Abfall nicht mehr quer durch die Republik transportiert werden. Was halten Sie davon?
Sprokamp: Das Vorhaben kann ich nur unterstützen. Die Landespolitik will nun das realisieren, was wir schon mit der Gründung der Avea 2002 abgebildet haben – nämlich, dass sich Kreise und Städte zusammentun, um den Müll ortsnah zu verbrennen. Das kommunale Abfallentsorgungsunternehmen ist ein Erfolgskonzept.


Das Gespräch führte Miriam Betancourt


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