24.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Kölner Stadt-Anzeiger | Konzert: Max Mutzke spielt im Scala
18. March 2013
http://www.ksta.de/5699854
©

Konzert: Max Mutzke spielt im Scala

Emotional: Max Mutzke bei seinem Auftritt im Leverkusener Scala.

Emotional: Max Mutzke bei seinem Auftritt im Leverkusener Scala.

Foto:

Britta Berg

Opladen -

Schon beim ersten Song flippt Max Mutzke aus. „Ich weiß, es ist der blanke Hohn. Ich sitz’ die ganze Zeit am Telefon“, singt er ins Mikrofon. Und er singt es in jener Mischung aus rasender Wut und Verzweiflung, die manch einer eben an den Tag legt, wenn er oder sie von ihr oder ihm sitzengelassen wird. Mutzkes Stimme ist mal flehend-sanft, mal wütend-dreckig. Er hat den Blues und den Pop. Und er hat jede Menge Spaß beim Auftritt im fast ausverkauften Scala, wo er seine aktuelle Platte „Durch Einander“ vorstellt. Das ist eigentlich eine Jazzplatte, was der 31-Jährige nicht müde wird zu betonen. Aber eigentlich hat er den Jazz heute mal zu Hause gelassen. Seine furiose Band heißt „Mono-Punk“ und spielt sich eher durch Funk, Soul, Blues, Rock und Pop. Und Mutzke drischt lieber sein Tambourin aufs eigene Bein als sich zum Improvisations-Gedudel zurückzulehnen. Die Musiker spielen und Mutzke singt ohne Handbremse. Streng genommen zieht er sie noch nicht einmal bei den ruhigeren Stücken an – da schaltet er höchstens mal runter vom fünften in den zweiten Gang.


Selbstbewusste Songs

An diesem Abend im Scala – vor einem extrem gut aufgelegten und lauten Publikum – zeigt Mutzke, dass er kein Bisschen mehr der schüchterne, ein wenig verschroben daherkommene Castingshow-Sieger aus dem tiefen Schwarzwald ist, als der er 2003 die Bühnen in Deutschland enterte. Mutzke hat sich emanzipiert, etabliert und seine Hausaufgaben gemacht: Seine eigenen Songs strotzen textlich vor Selbstbewusstsein und musikalisch vor Melodiegespür. Und wenn er – wie beim aktuellen Album der Fall – fremde, ihn nach eigener Aussage über die Jahre inspirierende Stücke spielt, dann tut er das nicht als Abklatsch, sondern indem er sie sich zu eigen macht. Das furiose „Empire State of Mind“ etwa – im vor rhythmischer Kraft nur so strotzenden Original von den Superstars Alicia Keys und Jay Z gesungen und im dazugehörigen Video mit einem pechschwarzem Flügel mitten auf dem Times-Square gespielt – holt Mutzke in die Wohnzimmeratmosphäre des Clubs, ohne dabei Eindringlichkeit zu verlieren. Radioheads „Creep“ kommt plötzlich – und bislang vollkommen undenkbar – ohne das krachende Stakkato-Gitarren-Riff vorm Refrain aus. Sogar an Marvin Gayes bis heute unübertroffene Bürgerrechtshymne des schwarzen Amerikas „What’s going on“ wagt sich der junge weiße Mann mit Schiebermütze auf dem Kopf und Weste überm Hemd heran – und scheitert nicht. Weil Mutzke auch die hohen, klaren Töne drauf hat und schlau genug ist, an die Emotionalität – also die Seele – der gecoverten Songs keine Hand anzulegen.


Was sich bei Mutzke indes im Laufe der Jahre überhaupt nicht geändert hat, ist die Bodenständigkeit, mit der er auftritt: Er erzählt zwischen den Songs bereitwillig, wie er als Jugendlicher Güllefässer durch den Schwarzwald rollte, verbeugt sich zigfach vor den applaudierenden Zuschauern, klatscht die Mono-Punk-Musiker ab, grinst schelmisch, tänzelt hierhin und dorthin – und lässt so keinen Zweifel daran, dass ihn die Dankbarkeit und der Enthusiasmus des Leverkusener Publikums wirklich und wahrhaftig umwerfen. Insofern wirkt auch das abschließend gespielte „You are so beautiful“ von Joe Cocker so, wie es gemeint ist: Nicht nur als schnöde allerletzte Nummer. Sondern als Geschenk an die Fans, denen Mutzke und Band hinterher noch bis weit nach Konzert-Ende Autogramm geben.