30.07.2016
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Diskussion in Leverkusen: Lale Akgün zur Silvesternacht: „Jede Krise ist eine Chance“

Die Sozialdemokratin Lale Akgün diskutierte über die Flüchtlingsproblematik.

Die Sozialdemokratin Lale Akgün diskutierte über die Flüchtlingsproblematik.

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Ralf Krieger

Leverkusen -

„Ich habe den Eindruck, dass niemand mehr empört ist“, bemängelte Vorsitzender Hans Klose am Dienstag beim Treffen der 60-Plus-Gruppe der SPD. Eine ist es auf jeden Fall noch: Kölnerin, SPD-Mitglied und Muslimin Lale Akgün. Sie war zu Gast bei den sozialdemokratischen Senioren im Kurt-Schumacher-Haus und diskutierte mit ihnen, angestoßen durch die Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof aus der Silvesternacht, die aktuelle Flüchtlingsthematik. „Die Gesellschaft krankt daran, dass Dinge offen angesprochen werden. Wir haben in der Vergangenheit einiges einfach hingenommen und schleifen lassen“, so die 62-Jährige. Sie sieht es aber so: „Jede Krise ist eine Chance.“

Deutschland sei mittlerweile eine Einwanderungsgesellschaft. Es habe sich aber lange nicht so verstanden, es seien lange nur „Gäste“ gewesen, die auch wieder gehen. 16 Millionen Menschen in Deutschland haben heute einen Migrationshintergrund, führte die Kölnerin aus. „Wenn diese nicht integriert wären, würde alles zusammenbrechen.“ Es seien einzelne, die das Bild der Migranten bestimmen.

Zustimmender Applaus

Das finde sie schlimm, sagte Akgün deutlich. „Aber in bestimmten Situationen kann die Gesellschaft nicht verhandeln. Vor allem beim Grundgesetz nicht.“ Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Gewaltenteilung – Werte einer liberalen Gesellschaft müssen hochgehalten werden. Man brauche keine neuen Gesetze, sagte eine Frau aus dem Publikum. Die bestehenden müssten einfach umgesetzt werden. Da habe eindeutig die Politik Fehler gemacht, so Akgün. Merkel habe Einwanderungs- mit Flüchtlingspolitik vermischt. Die soziale Integration sei geglückt. Die Bildung bei Migranten sei gut und auch die Arbeitslosigkeit wesentlich niedriger als in anderen Ländern. Vor 20 Jahren sei sie auch der Meinungen gewesen das reiche aus. Das war ein Irrtum. „Wir haben die gesellschaftliche Integration vergessen.“

Es wundere sie, dass sich die vielen Moscheevereine in Deutschland zu den Vorfällen in der Silvesternacht nicht geäußert haben. Diese seien in Verbänden organisiert, die von Geldern aus der Türkei finanziert werden und so auch deren Ideologie mitbekämen. „Es kann nicht sein, dass Moscheeverbände die Integration von Flüchtlingen übernehmen.“ Das müsse staatlich geregelt werden.

Breite Zustimmung

Ihre Ausführungen wurden immer wieder von Applaus und zustimmenden Zwischenrufen der Parteimitglieder unterbrochen. Die Erleichterung darüber, dass jemand die Kritik offen ausspricht, war fast greifbar. Viele der Anwesenden bestätigten der gebürtigen Türkin während der Diskussion, die eher einer Wiederholung und Bekräftigung des Vorangegangenen war, ihnen aus dem Herzen gesprochen zu haben. Einigkeit herrschte auch darüber, dass die Politiker auf Bundesebene nicht nur Versprechungen oder Drohungen aussprechen, sondern auch Handeln müssen. „Deutschland hat den Ruf bekommen, es zähle nur Geld und das Geschäft. Man nimmt uns international nicht mehr Ernst“, so Akgün. Das müsse sich ändern.

Nach der anregenden Veranstaltung versprach die SPD-Politiker, die auch für die Stadt Köln tätig ist, im Herbst wiederzukommen, um zusehen, was aus der Situation geworden ist.