26.07.2016
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Leverkusen: Andrang auf die Gesamtschulen

Schulunterricht

Schulunterricht.

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dpa

Leverkusen -

Während an den meisten weiterführenden Schulen die Anmeldungen fürs kommende Schuljahr noch laufen, haben die beiden Leverkusener Gesamtschulen dieses Prozedere schon hinter sich. Deren Anmeldezahlen nannte die Stadtverwaltung im Schulausschuss aber nur zögerlich. In einer kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzten Vorlage zu inklusiven Lerngruppen sorgte ein Satz für Aufsehen: 98 Leverkusener Schülern könne kein Platz an einer Gesamtschule angeboten werden. Dazu der Hinweis: „Die untere Grenze für die Berechtigung/ Verpflichtung zur Errichtung einer Gesamtschule liegt bei 100 Schülern.“


Ernst Küchler (SPD) fühlte sich ob dieser schriftlichen Ausführungen schlecht informiert. „Wie viele Schüler wurden insgesamt abgelehnt? Diese Zahlen brauchen wir, nicht nur die von Leverkusener Schülern!“, entgegnete er dem Dezernenten Marc Adomat, der zunächst keine weiteren Zahlen nennen wollte. Für ihn zählten nur die abgelehnten Schüler aus Leverkusen, nicht aber jene aus Burscheid, Leichlingen und anderen Gemeinden. Küchler indes ließ nicht locker, und schließlich erlaubte Adomat dem Schulamtsleiter Helmut Soelau, Fakten zu liefern.


Demnach ist im Vergleich zum Vorjahr das Interesse an der Schulform Gesamtschule gestiegen. An der Käthe-Kollwitz-Schule in Rheindorf wurden 209 Schüler angemeldet. An der Gesamtschule Schlebusch waren es 322; macht zusammen 531. Im Vorjahr gab es 512 Anmeldungen. Platz ist an den Gesamtschulen aber nur für 421 Fünftklässler. Somit mussten 110 Kinder abgelehnt werden, davon wohnen 98 in Leverkusen. Welche Zahl ausschlaggebend ist – 98 Leverkusener oder 110 Kinder insgesamt – blieb im Ausschuss offen. Deutlich wurde, dass SPD-Ratsherr Küchler und CDU-Mitglied Adomat unterschiedlicher Auffassung sind über den Wohnsitz der 100 Schüler, die für eine weitere Gesamtschule nötig wären.


Nachfrage bei der Bezirksregierung Köln. „Wenn die Stadt als Schulträger einen Bedarf für eine weitere Schule sieht, kann sie einen Antrag bei uns einreichen“, erläuterte eine Sprecherin. Zur Herkunft der 100 Kinder äußerte sie sich nur vage. „Es ist schon so gemeint, dass die Schüler aus der Stadt, also Leverkusen, kommen sollten. Aber das wird von Fall zu Fall und in Absprache mit den Nachbarkommunen entschieden.“

Küchler erkundigte sich am Dienstag im Schulamt, wie die Vorgabe der Landesregierung laute. „Es geht bei den abgelehnten Schülern um Kinder aus der Region“, sagte er dem „Leverkusener Anzeiger“. Deshalb werde er der SPD-Fraktion vorschlagen, die Errichtung einer dritten Gesamtschule rechtlich prüfen zu lassen. „Es kann doch nicht sein, dass der Elternwille seit Jahren ignoriert wird“, ärgerte er sich. (ana)